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„Der Nebel“ - Grauen im Supermarkt

Von INA HENRICHS, 17.01.08, 12:56h

Mit Spezialeffekten wie Spinnen, Flugungeheuern und blutsprudelnden Körpern versieht Frank Darabont seinen Horrorfilm, in dem sich Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt in einem Geschäft verschanzen.

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Der Plakatmaler David Drayton und sein Sohn Billy sehen das Unheil, das ein wüster Sturm anrichtet.
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Der Plakatmaler David Drayton und sein Sohn Billy sehen das Unheil, das ein wüster Sturm anrichtet.
Der Nebel, der sich über die amerikanische Kleinstadt stülpt, sollte ursprünglich eines im Klaren lassen: Es geht um Horror. Und wer Stephen King mag, hätte sich auf die Adaption von Drehbuchautor und Regisseur Frank Darabont eigentlich freuen können: Seit der Verfilmung von „Die Verurteilten“ und „The Green Mile“ genießt der Mann hohes Ansehen bei den Fans. Doch „Der Nebel“ waberte so bedrohlich durch die US-Kinos wie der Dampf heißer Milch mit Honig: zu wenig Monster, zu viel prätentiöses Gefasel - lautete vielfach die Kritik. Der geänderte Ausgang wurde missbilligt und dem Bestseller-Schreiber eine erweiterte Medienkompetenz abgesprochen. Stephen King nämlich mag den Film. Vielleicht sollte man dessen Urteil aber doch trauen.

Die Konstellation ist klassisch: Der Nebel als diffuse Bedrohung ist hinreichend bekannt. Ebenso die Schicksalsgemeinschaft, die sich diesmal außerhalb der zivilisatorischen Klammer im Supermarkt verschanzt. Gerade in den Momenten, in denen sich die Genre-Fanatiker die Augen reiben, taugt die Geschichte fürs zartere Massengemüt: Es wird Zeuge eines beängstigenden wie unterhaltsamen Menschenexperiments. Was passiert innerhalb einer Gruppe in Erwartung der Apokalypse? Es gibt da den Pragmatiker David Drayton (Thomas Jane), der dem Phänomen auf den Grund gehen will. Und die fanatisch-religiöse Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) - „Das haben wir nun von der Kernspaltung“ -, die predigt, den Zorn Gottes nur mit einem menschlichen Opfer besänftigen zu können.

Der Film könnte zwischendurch nachdenklich stimmen - und den Zustand eines verunsicherten Landes sichtbar werden lassen. Mit all seinen Konflikten: Schwarz gegen Weiß, Arm gegen Reich. Doch bevor es zu sozialkritisch wird, kehrt Darabont mit Spezialeffekten zur Gattung zurück, die den Grübler nicht überstrapazieren will: Spinnen, Flugungeheuer und blutsprudelnde Körper. Irgendwann erschießt der kleine Supermarktangestellte die Glaubensfanatikerin: „Danke“, sagt lakonisch der Held im Baumfäller-Hemd. Das ist Trash, es darf gelacht werden. Nur das Ende sollte offenbar nicht komisch sein. So ausweglos scheint die Lage, dass sie die grausamste Tat rechtfertigt. Und die stellt sich als überflüssig heraus. Dieser Ausgang ist grandios tragisch. Für andere nur der Einfall eines Spielverderbers.



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