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Mehr professionelle Sozialhelfer gefordert

Von ANJA KATZMARZIK, 18.01.08, 21:53h

Für Jugendstrafrechtler Bernd Maelicke sind Erziehungscamps keine Lösung. Im Gespräch mit der „wir helfen“-Vorsitzenden Hedwig Neven DuMont pocht der Experte auf eine kontinuierliche Betreuung.

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Bernd Maelicke im Neven Du Mont Haus. Die Kinder brauchen Geborgenheit und Struktur.
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Bernd Maelicke im Neven Du Mont Haus. Die Kinder brauchen Geborgenheit und Struktur.
Köln / Lüneburg - Eine enge und strenge Nachbetreuung von jungen Straftätern fordert der Jugendstrafrechts-Experte Bernd Maelicke. Konsequente Kontrolle von mehrfach auffällig gewordenen Delinquenten sei der einzige Weg, die hohen Rückfallquoten zu senken, sagte der Leiter des Instituts für Sozialwirtschaft in Lüneburg. „Erziehungscamps“, wie sie Hessens Ministerpräsident Roland Koch vorgeschlagen habe, könnten die Lösung nicht sein.

Im Gespräch mit der Vorsitzenden des Vereins „wir helfen“, Hedwig Neven DuMont, empfiehlt Maelicke als Wegbereiter aus dem Teufelskreis von Gewalt und Kriminalität professionelle Sozialarbeiter, die die Jugendlichen längerfristig begleiten. Der Unterstützungsverein des Verlags M. DuMont Schauberg, in dem der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erscheint, arbeitet seit Oktober 2007 an dem Thema unter dem Motto „weil kinder halt brauchen“. Leser spendeten bislang 732 756,52 Euro für Projekte, die Prävention und Resozialisierung fördern.

„Was allen Tätern von ihrer Kindheit an fehlt, ist eine stabile, vertrauensvolle Beziehung zu einer Person, die sie unterstützt und ihnen Grenzen aufzeigt“, sagt Maelicke. Die Entwicklung von Selbstbewusstsein, Vertrauen, Beziehungsfähigkeit und die Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung sei möglich, wenn kontinuierlich Unterstützung in Form von Intensivbetreuung stattfinde. „Diese Jugendlichen brauchen Geborgenheit und Struktur. Das, was normalerweise eine Familie leistet.“

Der Bund habe sich mit der Föderalismusreform beim Thema Strafvollzug „aus der Verantwortung gezogen“, indem er ihn zur Ländersache erklärt habe, sagte Maelicke, „ein Systembruch“, denn das Strafrecht sei nach wie vor Bundessache.

In der Haft müsse im Sinne eines „Übergangsmanagements“ besser auf die Entlassung vorbereitet werden, fordert der Experte für Resozialisierung. Dazu sei notwendig, den Runderlass des Justizministeriums zur Verhütung und Bekämpfung von Jugendkriminalität um das Thema Nachsorge zu ergänzen.

Mehr Beratungsstellen notwendig

Mehr Beratungsstellen und betreutes Wohnen seien notwendig sowie Therapieplätze, Schuldnerberatung, Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme. In den Ländern fehlten 1000 zusätzliche Stellen in der „Führungsaufsicht“ von schweren Verbrechern und in der „normalen“ Bewährungshilfe, wenn man die Zahl der aktuell über 60 Fälle pro Bewährungshelfer halbieren wolle.

Kürzungen bei der Jugendhilfe, die auch soziale Trainings- und Anti-Aggressions-Workshops anbietet, sind nach Maelickes Ansicht eine „Sollbruchstelle“. Auf einen Sozialarbeiter kommen in der Justizvollzugsanstalt Köln zur Zeit 80 bis 120 Gefangene. 80 Prozent von ihnen werden in den ersten fünf Jahren nach der Haftentlassung rückfällig, 30 bis 40 Prozent davon schon im ersten halben Jahr.



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Hedwig Neven DuMontHedwig Neven DuMont

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Herzlichst
Ihre
H. Neven DuMont
Hedwig Neven DuMont

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