Von KERSTIN MEIER, 18.01.08, 22:22h
Eine Dame in Schwarz räkelt sich auf einer kirschroten Couchgarnitur, das Licht der Designerlampen spiegelt sich in der Arbeitsfläche der Edelstahlküche. Wo in dieser Woche draußen die Passagen-Fahne weht, regiert innen der Stil.
Wer so wohnt, will nicht geschmacklos sterben - davon sind die Designer von „Himmelreich & Söhne“ überzeugt. Deshalb haben sie sich Gedanken über neue Arten der Bestattung gemacht - die Ergebnisse präsentieren sie in den Vulkan-Hallen.
Durchschnorren mit Stil
Den Kindern gefällt's - sie turnen über die ausgestellten Grabstätten und würden auch gerne mit den Knochen spielen, wenn ihre Mütter sie nicht immer wieder mit pikierter Miene davon wegzögen. Die nachgebildeten Knochen sollen als Urne dienen. Nach dem Einfüllen der Asche können sie mit rotem Siegellack verschlossen werden.
Nebenan bei „Material ConneXion Cologne“ interessieren sich die Besucher mehr für die diesseitigen Genüsse. Hier gibt es Kölsch und Frikadellen, man gratuliert sich gegenseitig zur schwarzen Garderobe und brüstet sich damit, sich schon seit einer Woche auf den Passagen durchzufuttern. „Vielleicht hätte ich mir Tuppertöpfe einpacken sollen“, bedauert eine Dame mit dicken Backen.
Nur ein paar Straßen weiter sind Trubel, Gläserklirren und schweres Parfüm sehr fern. Auf dem Gelände des Güterbahnhofs an der Vogelsangerstraße hat der Verein „Jack in the Box“ Container aufgebaut. Einer davon steht mitten im Dunkeln auf dem Kopfsteinpflaster. Drinnen ist er weiß, Leuchtkuben strahlen aus allen Ecken. Wer ganz alleine hier ist, kann in der „Kölnerbox“ dem Regen und der Realität entschweben. In einer offenen Halle auf dem Gelände stehen noch mehr Container - in einem davon friert dekorativ eine blonde junge Frau. Sie präsentiert Gästematratzen, die zu Sofas umgebaut werden können. Gut, dass hier der Glühwein gratis ist.
Zum Aufwärmen geht es ins „Wohnzimmer“ - der kleine Laden in der Körnerstraße ist dermaßen voll, dass man schnell wieder auftaut. Große Menschen können einen Blick auf die „Heimatkunde“-Fotoinstallation von Katrin Guastella und Inge Habermann werfen, kleinere müssen sich an einem Likörglas mit „Ehrenfelder Tropfen“ festhalten. Nach vielen Stil-Trends und teurem Hochglanz-Design endet der Ehrenfeld-Abend in der „wohn-bar“ - auf gemütlichen alten Möbeln.
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