Erstellt 25.01.08, 23:59h, aktualisiert 27.01.08, 22:34h
HELMUT FRIEBERTZ: Ja, das ist wichtig. Vor allem aber haben wir als Schiedsrichterausschuss jetzt die Möglichkeit, in Einzelfällen zu bestimmten Vereinen gar keine Schiedsrichter mehr zu schicken. Dadurch lässt sich schon etwas für den Schutz der Schiedsrichter tun. Bisher mussten ja selbst zu Vereinen, bei denen es gravierende Vorfälle gegeben hat, Schiedsrichter geschickt werden.
Einige Vereine stehen also unter besonderer Beobachtung?FRIEBERTZ: So ist es. Die Vereine müssen wissen: Jetzt wird es ernst, jetzt tut es ihnen weh. Denn wenn kein Schiedsrichter kommt, hat der Gastverein das Recht zu pfeifen. Ich will hier keine Parteilichkeit unterstellen. Um diese Spiele zu kontrollieren, wird eine Verbandsaufsicht vor Ort sein. Aber wir schicken keine Schiedsrichter mehr ins Fegefeuer. Solche Maßnahmen ergreifen wir nicht nur, wenn Schiedsrichter halbtot geprügelt werden, sondern auch bei Gewalt gegen Spieler.
Vor der Winterpause hat es innerhalb einer Woche elf Spielabbrüche gegeben, zwei Schiedsrichter wurden schwer verletzt.FRIEBERTZ: Der Trend ist klar: Es wird immer schlimmer. Seit dem Jahr 2000 stagniert die Gewalt auf hohem Niveau. Es wird immer weniger Rücksicht auf die Gesundheit von Spielern und Schiedsrichtern genommen. Wir mussten jetzt die Notbremse ziehen, denn ich will nicht warten, bis irgendwann ein Schiedsrichter im Krankenhaus landet und nicht mehr aufwacht. Auch andere Verbände haben sich schon nach unserem Konzept erkundigt. Wir haben hier eine Vorreiterfunktion, denn die Gewalt schwappt in andere Fußballkreise über.
Derzeit wird viel über gewalttätige junge Ausländer diskutiert. Im Kölner Fußball ist es seit Jahren so, dass die überwiegende Zahl der Platzverweise auf diese Spieler fallen. Hat der Fußball als Mittel der Integration versagt?FRIEBERTZ: Das ist kein Geheimnis. Fast 90 Prozent der Delikte werden von ausländischen Spielern verübt. Deshalb stellt sich die Frage, ob da nicht einiges schiefgelaufen ist. Gerade viele Vereine mit ausländischen Spielern haben Hilferufe gestartet. Deshalb müssen wir rigoros vorgehen, ansonsten ist das Modell der Integration in der Tat gescheitert. Diesen Kampf darf man aber nicht verloren geben, nur weil sich einige Idioten nicht benehmen können. Unser Maßnahmenpaket ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es ist ein weiterer Versuch: Bei unserem außerordentlichen Kreistag musste ich eine regelrechte Brandrede halten, weil viele Vereine nicht einsehen, dass Gewalt gegen Schiedsrichter alle angeht. Es bedarf eines Bewusstseinswandels.
In den vergangenen Jahren sind Spieltage ausgefallen, weil aus Protest keine Schiedsrichter angesetzt worden sind.FRIEBERTZ: Bisher sind die Spiele ausgefallen und dann nachgeholt worden. Jetzt haben wir theoretisch die Möglichkeit, bis zur Kreisliga A keine Schiedsrichter zu schicken. Das ist bei vielen Vereinen nicht auf Gegenliebe gestoßen, aber der Beschluss ist letztlich mit großer Mehrheit angenommen worden. Denn hier geht es längst nicht nur um die Schiedsrichter, sondern um den ganzen Fußball.
Gibt es überhaupt noch genug Schiedsrichter, oder haben viele die Lust an ihrem Hobby verloren?FRIEBERTZ: Wir hatten vor zehn Jahren noch etwa 900 Schiedsrichter, jetzt sind es 550. Die Teilnehmerzahlen in Lehrgängen für jüngere Schiedsrichter sind rückläufig. Wir bekommen damit nicht mehr alle Spiele besetzt. Vor allem im Seniorenbereich haben wir extreme Nachwuchsprobleme.
Jetzt soll auch das Strafmaß für Gewalttaten auf dem Sportplatz angehoben werden. Das dürfte in Ihrem Sinne sein.FRIEBERTZ: Ein Jahr Sperre ist meiner Ansicht nach die unterste Grenze, wenn jemand einen Schiedsrichter schlägt oder Spieler krankenhausreif prügelt. In groben Fällen ist eine Sperre auf Dauer angebracht. Nach einigen Jahren kann man dann überlegen, ob man dem Spieler noch mal eine Chance gibt. Wenn ich jemandem nach der Gesundheit trachte, muss ich mir darüber im Klaren sein, dass dies harte Konsequenzen hat.
Das Gespräch führte Thorsten Moeck
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