Von UWE MIES, 31.01.08, 10:11h, aktualisiert 07.02.08, 10:42h
Tatsächlich reichte der Asterix-Glanz aus, dass auch das Wagnis eines Spielfilms mit vollen Kinokassen belohnt wurde. Nun, beim dritten Real-Kinoabenteuer, überwiegt der Zweifel, dass es so weitergehen sollte.
Aufblende in die Zeit kurz vor der Gründung Kölns: In Rom kochen Intrigen voller Neid und Missgunst, denn Caesars Sohn Brutus wäre gern Caesar anstelle Caesars. Weil er mit Mordanschlägen aber keinen Erfolg verzeichnen kann, will er sich wenigstens bei den Olympischen Spielen auszeichnen und bei dieser Gelegenheit auch gleich die griechische Prinzessin Irina abgreifen.
Die aber lässt sich viel lieber von dem Gallier Romantix umbuhlen. Weil der aber so völlig ohne Chancen gegen die Übermacht römischer Spitzenathleten ist, rücken Asterix und Obelix als Verstärkung an. Zaubertrank ist wegen Verstoßes gegen die Doping-Regeln verboten. Damit scheint Brutus die Spiele ganz im Sinne seiner dunklen Ziele manipulieren zu können.
In diesen Tagen des beständig anschwellenden Marketing-Overkills drängt sich immer mehr die Frage auf, wie es denn sein kann, dass der teuerste europäische Film unserer Zeit mit derart dünner Handlung ausgestattet ist. Knappe zwei Kinostunden später sind alle Zweifel beseitigt. Man hat gesehen, dass die durchaus spektakulären Trickeffekte mit den vielen virtuellen Antikkulissen und Statistenaufmärschen sowie ein wirklich aufwändig gestaltetes Wagenrennen in der Tat sehr teuer gewesen sein müssen.
Wer Budenzauber sucht, der findet ihn hier auch. So weit bietet der neue Asterix-Spielfilm einen fairen Gegenwert zur Eintrittskarte. In allen anderen Belangen aber steht es schlecht um diesen jüngsten Asterix-Film. Denn nach dem Ausstieg des bisherigen Hauptdarstellers Christian Clavier verpflichtete man für die Titelrolle Clovis Cornillac, der für sich kein Schlechter ist, aber in Statur und Mimik rein gar nichts mit Asterix zu tun hat und nur aussieht wie irgendjemand, dem bedauerlicherweise ein zu groß geschneidertes Asterix-Kostüm verpasst wurde. Es wird kein Zufall sein, dass der Gallier bei dieser Besetzung nur noch eine Randfigur ist, was aber kaum der Sinn eines Asterix-Films sein kann. Stattdessen wurde das Spielzentrum der belgischen Knallcharge Benoit Poelvoorde überantwortet, der als Brutus in unerträglich unkomischer Kalauermanier die Nerven strapaziert. Gérard Depardieus Obelix wirkt wie eine Stilübung in Gesichts- und Körperstarre, der für die deutschen Zuschauer interessante Besetzungskniff mit Michael Herbig als stummer Centurio verpufft, weil „Bully“ in den kurzen Einstellungen kaum Akzente setzen kann.
Als der Geduldsfaden schon ausdünnt, kommt endlich Alain Delon, der als Caesar auch mit 72 immer noch über sagenhafte Coolness verfügt. Plötzlich macht der Film Spaß und das Wagenrennen bietet viel Slapstick-Schauwert; sogar Ex-Formel-1-Star Michael Schumacher fährt mit. Aber eine Entschädigung für den ganzen dämlichen Leerlauf drum herum ist das nur sehr bedingt.
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