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Alles hängt mit allem zusammen

Von ALEXANDRA WACH, 31.01.08, 19:26h

Joachim Brohm und Valetina Seidel in der Galerie Maichael Wiesehöfer: Die Doppelausstellung entfaltet einen subtilen Dialog von dokumentarischer und inszenierter Fotografie.

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Joachim Brohm ist seit den frühen achtziger Jahren als einer der besten Dokumentaristen der Farbfotografie bekannt.
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Joachim Brohm ist seit den frühen achtziger Jahren als einer der besten Dokumentaristen der Farbfotografie bekannt.

Ein älterer Mann kniet im dunklen Anzug vor einer geöffneten Garageneinfahrt und inspiziert eine Limousine. Mysteriöse Zeichen bedecken die Fahrbahn und es dauert eine Weile, bis man sie als japanisch identifiziert. Die Situation ist so alltäglich wie irritierend, und es bedarf einiger Konzentration, um die ungewöhnlichen Perspektiven der dreiteiligen Fotoarbeit auszuhalten, ohne ins Wanken zu geraten. Fast scheint es, als suche der Künstler die Nähe zum Film, als bewege er sich auf dem Filmset eines Thrillers, in dem die Requisiten mehr zu sagen haben als die handelnden Personen.

Ein fernes Echo durchzieht dieses für Joachim Brohm eher untypische Bilderrätsel. „Kichijoju (Man with Jaguar)“ erinnert in seiner Fixierung aufs motorisierte Detail an die Serie „Fahren“ von 2005. Darin erkundete der 1952 in Dülken am Niederrhein geborene Fotograf, der seit vielen Jahren in Leipzig als Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst künstlerische Fotografie unterrichtet, vom Standpunkt eines Vehikels die Areale des Großraums Stadt. Brohm war einer der Ersten, der die amerikanische Autoren-Farbfotografie der späten 1960er und 1970er Jahre - wie sie etwa durch Stephen Shore oder William Eggleston vertreten wurde - in Deutschland für sich entdeckte und daraus einen eigenen Zugang zu seiner unmittelbaren Umgebung schöpfte. Damit war er einer der ersten Künstler in Europa überhaupt, die Anfang der achtziger Jahre in Farbe zu fotografieren begannen.

So verwundert es nicht, dass sie in seinem Werk eine besondere Rolle spielt. Die distanziert beobachtenden Aufnahmen durchzieht stets eine eigenwillig reduzierte, gedämpfte Farbskala. Bereits in den drei großen Serien „Ruhr“ (1979-83), „Ohio“ (1983 / 84) und „Areal“ (1992-2002) wimmelt es von halbleeren Parkplätzen und monotonen Verkehrsstraßen. Automotive Szenen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Motivwahl und auch die in Japan entstandenen jüngsten Werke, die jetzt bei Michael Wiesehöfer zu sehen sind, machen da keine Ausnahme.

Die zweiteilige Arbeit „Ueno (Cabs)“ verwandelt aus Hochperspektive rote und grüne Autos, die vor einer Absperrung zum Halten kommen, zu einer ausbalancierten Komposition, in der die Blechobjekte wie Spielzeuge von einer unsichtbaren Hand bewegt werden. Um wie viel nüchterner ist da Brohms vierteilige Architekturdokumentation „Aoyama“. Sie nähert sich dem spektakulären Tokioter Prada Store von Herzog und de Meuron mit einem großartigen Gespür für architektonische Besonderheiten, die das Gebäude wie einen etwas zu groß geratenen Bienenstock aus Glas und Stahl erscheinen lässt.

Dass Brohm bis heute maßgeblichen Einfluss auf die jüngere deutsche Fotografie hat, beweisen die Arbeiten seiner Meisterschülerin Valentina Seidel. Ihr Hauptinteresse gilt Raum und Architektur samt den Menschen, die darin leben. Nichts ist laut, nichts ist spektakulär in ihrem Langzeitprojekt „Exchange“, das Vertreter der Kunstbranche - Galeristen, Designer oder Kuratoren - dazu einlädt, sich an einem spezifischen Ort der eigenen Wahl fotografieren zu lassen. Die Hängung ihrer japanischen Porträts bei Wiesehöfer betont noch den Eindruck der Kollaboration. Alles hängt mit allem zusammen: Der mysteriöse Garagenmann könnte auch bei Seidel auftauchen und der in traditioneller japanischer Kleidung inmitten eines schwarzen Lava-Felds posierenden Künstlerin Naoko Katagishi Gesellschaft leisten. Vielleicht wartet das Fotografen-Pärchen vor dem schrill leuchtenden Supermarkt auf den älteren Herrn, der um die Ecke seinen Jaguar aus der Garage fahren muss. Das ergibt zwar keinen Krimi, aber einen faszinierend vieldeutigen Begegnungsraum (Preise für die Arbeiten Brohms 11 000 bis 22 000 Euro, für jene Seidels 1200 bis 2200 Euro).

Galerie Michael Wiesehöfer,Schaafenstraße 8, bis 16. Februar. Di.-Fr. 14-19; Sa. 12-17 Uhr



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