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Den Körper beschreiben ist „in“

Von ANJA MAXRATH, 07.02.08, 11:24h, aktualisiert 07.02.08, 15:47h

Einem Tätowierer über die Schulter geschaut: Die 24-Jährige Jennifer Psyk hat inzwischen bereits drei Tätowierungen, nun erhält sie ihre vierte. Das gestochene Motiv hat sie selbst entworfen.

Bild: Maxrath
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Als Wolfgang Steffen der 24-jährigen Jennifer mit den Nadeln zu Leibe rückt, muss auch sie die Zähne zusammenbeißen.
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Als Wolfgang Steffen der 24-jährigen Jennifer mit den Nadeln zu Leibe rückt, muss auch sie die Zähne zusammenbeißen.
Da hilft nur eins: Zähne zusammenbeißen. Das hat Jennifer Psyk inzwischen gelernt. Die 24-Jährige hat inzwischen bereits drei Tätowierungen, bei Nummer vier schaue ich ihr über die Schulter. Dafür haben wir uns im Tattoo- und Piercingstudios Skinworks in Bergisch Gladbach verabredet.

Ein Vorurteil nimmt mir Betreiber Thomas Fleitmann gleich zu Beginn: Nur Junge Menschen schmückten ihren Körper mit Piercings und Tattoos. Die älteste Kundin in seinem Studio sei 82 Jahre alt gewesen, erklärt er. Mit ihrem Gepardenkopf auf der Schulter sei die Frau im Altenheim gut angekommen, weswegen sie weitere Tattoos haben wollte.

Die Motivwahl prägen oft Menschen aus Film- und Musikszene. „Momentan stehen Schriftzeichen ganz oben auf der Hitliste“, stellt der 41-Jährige fest. „Hat ein Star Schriftzeichen die Wirbelsäule entlang tätowiert, wollen es alle haben.“

Jennifer denkt da anders, sie lässt sich ein Motiv stechen, das sie selbst entworfen hat. Ein chinesisches Schriftzeichen hat sie schon.

Das Summen der Tätowiermaschine erinnert an Zahnarztbesuche: unangenehmes Bohren verbunden mit Schmerzen. Auch Jennifer guckt nicht begeistert, als Wolfgang Steffen ihr mit den Nadeln zu Leibe rückt. Der 44-jährige Tätowierer ist seit 1994 im Geschäft. Nach einer Ausbildung zum Elektroniker hat er sich entschieden, Tätowieren zu lernen. Eine richtige Ausbildung gebe es allerdings nicht, erzählt er. Theoretisch könne sich jeder so bezeichnen. Das mache ihm Sorgen, denn das Tätowieren erfordert nicht nur ein Talent zum Zeichnen - oberstes Gebot am Arbeitsplatz ist die Hygiene. „Alles, was mit Blut in Berührung kommt, muss nach dem Stechen entsorgt und die Maschine gründlich gereinigt werden.“ Ich kann es nicht verstehen, wenn Eltern sich gar nicht selbst den Laden ansehen, wo ihr Kind tätowiert oder gepierct wird“, sagt Fleitmann.

In der Bergisch Gladbacher Filiale ist er für die Piercings zuständig. Nach seinem Dienst in der südafrikanischen Armee hat er viel Geld in seine Ausbildung gesteckt. Etwa 5000 Euro kostet die fünfmonatige Schulung in der hausinternen Akademie für percutanen Körperschmuck. Heute ist er mit seiner Entscheidung, den Beruf zu wechseln, zufrieden.

Inzwischen ist Jennifer fertig. Eine neue Tätowierung ziert ihren Unterarm. Stolz grinst sie mich an. Aller Schmerz ist vergessen. Nachdem die wunde Stelle mit Vaseline bestrichen wurde, kommt für zwei Stunden Klarsichtfolie darauf.

Und was ist, wenn Jennifer das Bild mal nicht mehr gefällt? „Das glaube ich nicht, meine anderen Tätowierungen habe ich auch schon länger“, protestiert sie. „Tattoos kann man ja auch wieder entfernen“, erklärt Fleitmann. 100 Euro pro Sitzung müsse man dafür aber auf den Tisch legen - wenn der Name des Ex-Freundes verschwinden soll eine sinnvolle Investition. Oftmals sei das Entfernen teurer als das eigentliche Stechen.

Beim Blättern durch diverse Fachzeitschriften im Studio bleibe ich an einigen Bildern hängen, die Menschen mit einer anderen Art des Körperschmucks zeigen: Narben in Form von Schmetterlinge, Anker, Blumen, für immer in die Haut gebrannt. „Das lehne ich ab“, sagt Fleitmann und schüttelt den Kopf. Man müsse nicht jeden Trend mitmachen. Die Gesundheit des Kunden sei ihm wichtiger.

Apropos Gesundheit: Wer kippt eigentlich eher um - Männer oder Frauen? „Eindeutig Männer“, weiß Fleitmann. Egal - am Ende ist jeder stolz, „in“ zu sein.



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