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„Soldaten sind darauf trainiert zu töten“

Erstellt 07.02.08, 23:49h, aktualisiert 08.02.08, 10:49h

Die Bundeswehr soll in Nordafghanistan nach Ansicht der Nato die norwegische Eingreiftruppe ablösen. Die norwegische Politologin Janne Haaland Matlary fordert im Interview mehr Einsatz der Deutschen im Krisengebiet.

Truppen in Afghanistan
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Bis zu 50 000 Soldaten sind in Afghanistan im Einsatz, die meisten als Teil der ISAF-Truppen (Archivbild).
Truppen in Afghanistan
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Bis zu 50 000 Soldaten sind in Afghanistan im Einsatz, die meisten als Teil der ISAF-Truppen (Archivbild).
Bild: dpa
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Janne Haaland Matlary
Bild: dpa
Die Bundeswehr soll in Nordafghanistan nach Ansicht der Nato die norwegische Eingreiftruppe ablösen. Die norwegische Politologin Janne Haaland Matlary fordert im Interview mehr Einsatz der Deutschen im Krisengebiet.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Frau Haaland Matlary, die Bundeswehr soll in Nordafghanistan die norwegische Eingreiftruppe ablösen. Warum ziehen Ihre Soldaten im Sommer eigentlich ab?

HAALAND MATLARY: Wir haben die Eingreiftruppe zwei Jahre lang bereitgestellt, nachdem wir die Briten abgelöst hatten. Das kostet Kraft. Deshalb rotierte diese Aufgabe.

Muss die Bundeswehr bei dem Einsatz mit Toten rechnen?

HAALAND MATLARY: Ja. Soldatentum ohne Risiko gibt es nicht.

Tun die Deutschen genug?

HAALAND MATLARY: Die Deutschen sollten Ihre Vorbehalte aufgeben. Es ist ethisch und politisch inakzeptabel, dass so viele deutsche Soldaten in Afghanistan stehen, die nicht das tun dürfen, wozu Soldaten ausgebildet sind, während die Verbündeten in Südafghanistan die schweren Lasten tragen. In Norwegen ist es genau dasselbe. Auch wir können unsere Truppen nicht in den Süden schicken, weil sonst unsere Koalition zerbricht. Es ist beschämend. Wenn das so weitergeht, wird die Nato untergehen. Das heilige Prinzip der Nato ist Solidarität.

Sind deutsche Soldaten zu feige?

HAALAND MATLARY: Nein. Ich bin sicher, dass sie die Beschränkungen, die ihnen auferlegt werden, verabscheuen. Es ist wichtiger, in Afghanistan erfolgreich zu sein, als die politische Linke und eine Bevölkerung zu beruhigen, die sich von dem Komplex des Zweiten Weltkrieges noch nicht lösen kann. Wir brauchen ein militärisch starkes Deutschland. Deutschland ist wieder eine große Macht. Es sollte sich so verhalten.

In Deutschland nimmt man das Wort Krieg nicht in den Mund.

HAALAND MATLARY: Das ist eine moralische Dummheit. Soldaten sind darauf trainiert, zu zerstören und zu töten. Davon Gebrauch zu machen kann grauenvoll sein, ist aber manchmal nötig.

LESERKOMMENTARE: Sind Soldaten nur zum Töten da?

Zerfällt die Nato, wenn sie in Afghanistan scheitert?

HAALAND MATLARY: Ja. Die USA werden aus guten Gründen „Bye-bye“ sagen und Koalitionen der Willigen suchen. Ganz nebenbei: Was wird dann aus Deutschland? Sie können nicht länger Sicherheit aus den USA importieren.

Sie sind engagierte Katholikin. Ist der Afghanistan-Einsatz christlich?

HAALAND MATLARY: Im Katholizismus haben wir die Tradition des gerechten Krieges. Ein Kriterium dafür ist die Selbstverteidigung. Außerdem nimmt der Westen Rücksicht auf Zivilisten. Die Taliban tun das Gegenteil. Ja, ich bin völlig überzeugt, dass es gute ethische Gründe gibt, die Menschen vom Horror der Taliban zu befreien.

Einer Ihrer Söhne war Soldat in der norwegischen Eingreiftruppe. Hat das Ihre Wahrnehmung verändert?

HAALAND MATLARY: Was ich von ihm über den Einsatz weiß, hat mich bestärkt. Sie haben übrigens unter dem Kommando des für Nordafghanistan verantwortlichen deutschen Generals operiert. Der erste Kampfeinsatz norwegischer Truppen nach dem Zweiten Weltkrieg fand unter deutschem Kommando statt!

Sie fahren zur Münchner Sicherheitskonferenz. Was erwarten Sie?

HAALAND MATLARY: Es wird zu einem Showdown zwischen den USA und jenen Alliierten kommen, die ihren Afghanistan-Einsatz wie Deutschland unter einen Vorbehalt stellen. Amerikaner, Kanadier, Niederländer und Briten haben ihre Geduld verloren. Sie werden jetzt wahre Solidarität einfordern.

Das Gespräch führte Markus Decker



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