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Zum Teil schon die Eltern betreut

Von ANJA KATZMARZIK, 08.02.08, 23:23h

Wer Kriminalität bekämpfen will, muss sich mit dem Thema Sucht beschäftigen. Aber die Drogenhilfe schafft kaum ihre Arbeit. Zwei Suchtberaterinnen berichten von ihrer Aufgabe in der JVA.

Bild: Rakoczy
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Petra Hell (links) und Marga Weisner.
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Petra Hell (links) und Marga Weisner.
Köln - Der Weg ist manchmal lang. Wie die Gänge, die vom zentralen Foyer in der Justizvollzugsanstalt Ossendorf in die „Häuser“ führen. Weg von einem Leben in Freiheit, und für drogenkranke Gefangene hin zu einem brutalen, kaum erfolgreichen „kalten“ Entzug.

Gefängnisse sind nie drogenfrei. Immer neue abenteuerliche Schmuggel-Methoden - etwa über Freigänger oder den Begrüßungskuss im Besucherraum - erfinden Häftlinge in der vielen Zeit allein „auf Zelle“. Das wissen Petra Hell und Marga Weisner. Die beiden Diplom-Sozialarbeiterinnen sind als „Externe“ Drogenberaterinnen in der JVA. Von ehemals fünf solcher Stellen ließ das Land NRW der Stadt Köln nur das Geld für eine. Die teilen sich die Frauen, die Drogenhilfe zahlt drauf.

Es sind Amphetamine („Speed“), Ecstasy und Kokain, die junge Menschen in die Sucht und so in die Kriminalität treiben. „Wir haben das Festland. Wir haben die Inseln. Aber uns fehlen die Fähren“, beschreibt Geschäftsführer Dr. Thomas Hambüchen das Hilfesystem in- und außerhalb des Knasts. Er vermisst kontinuierliche Begleitung bis nach der Entlassung. Winfried Ehing, Leiter der linksrheinischen Beratungsstellen der gemeinnützigen GmbH: „Vor allem den Jüngeren fehlt ein Impuls, ein Tutor oder Coach. Die gehen da total unter.“

Gefangene müssen sich in der JVA selbst für eine Therapie bewerben. Dann kommen sie auf eine Warteliste. Bis zu sieben Monate harren Hilfesuchende aus bis zu einem ersten Termin. Es gibt Beratung und bei Eignung werden sie auf medizinische Reha-Einrichtungen wie die Fachklinik Haus Aggerblick in Overath oder den „Wendepunkt“ in Wesseling verteilt. Andere sind längst wieder entlassen, wenn sie an der Reihe wären. Und draußen warten die alten „Freunde“ und die alten „Glücklichmacher“.

Zwei „Orientierungsgruppen“, die die Drogenhilfe 2007 anbot, waren sofort voll - mussten aber wieder eingestellt werden. Hambüchen: „Wir schaffen das neben unserer eigentlichen Aufgabe nicht mehr.“ Hell und Weisner versuchen, in der viel zu kurzen Zeit viel Hilfe zu leisten. Auch für verurteilte Schläger und Diebe, die schon als Kinder „drauf“ waren. „Teilweise haben die mit elf Jahren bereits gespritzt. Sie brauchen ein Sprungbrett in ein neues Leben“, so die Diplom-Sozialarbeiterinnen. „Was wir machen, ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Nach der Entlassung müsse weiter betreut werden. Doch dann zahlt das Justizministerium nicht mehr.

135 Klienten haben Hell und Weisner pro Jahr. „Wir versuchen, jeden eine Stunde pro Woche zu sprechen.“ Krisen und Therapiestunden nicht mitgerechnet. Realistisch sind 30 Minuten pro Woche. „Die Jüngsten sind 16 Jahre alt. Wir hatten aber auch schon 14-Jährige.“ Und nach allen ihren Erfahrungen sind die beiden JVA-Fachkräfte überzeugt: „Stationäre Therapien können nicht die Probleme beheben, die vielleicht zur Sucht geführt haben wie Arbeitslosigkeit oder der Verlust der Wohnung.“

Ambulante Hilfe manchml besser

Nicht jeder, der eine teure, stationäre Rehabilitation macht, brauche sie auch. Manchmal seien ambulante Hilfen wie Substitution, begleitet von Arbeits- und Wohnungsvermittlung, besser. „Wir könnten das besser und preisgünstiger machen“, behauptet Hambüchen und rechnet vor, dass ein stationärer Aufenthalt bis zu sechs Monate 90 Euro am Tag, ambulante Hilfe 50 Euro pro Termin bei 22 bis 44 Einheiten koste.

Doch eine ambulante „Reha“ bekommt nur genehmigt, wer Arbeit hat. „Erhalt der Arbeitskraft“ ist das Argument der Rentenversicherungsträger. Sie zahlen für Süchtige ohne Arbeitsvertrag nicht. Und ohne „Reha“ keine Arbeitsförderung - ein Teufelskreis. „Die Vermittlung von Wohnung und Arbeit in der JVA fehlt völlig“, kritisiert Beratungsstellenleiter Winfried Ehing. „Aber die brauchen wir. Sonst war alles für die Katz.“ Dann sehen Hell und Weisner manche Klienten mehrmals. „Wir betreuen zum Teil bereits die Kinder der Mütter und Väter, die wir schon betreut haben.“

Anders in der Jugendwerkstatt der Drogenhilfe an der Krefelder Straße. Hier gehen Qualifizierung wie in der eigenen Schreinerei oder Fahrradwerkstatt mit Vermittlung auch in betreutes Wohnen einher. Es gibt Hilfe bei „Rückfallwellen“ in für Süchtige kritischen Zeiten wie Weihnachten oder Karneval. Bis zu 16 Teilnehmer ab 16 Jahre haben Platz. Sie sollten sich drei Monate vorher bewerben. Am besten schon in der Haft.



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