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Ein Mann mit unbeugsamem Willen

Von MARKUS GÜNTHER, 08.02.08, 23:00h

Die Wärter sahen den jungen amerikanischen Offizier mit der Schlinge um den Hals. Er stand vor dem Fenster auf einem Eimer. Die Rede ist von John McCain, der US-Präsident werden will.

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John McCain
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John McCain
Als die Wärter in die Zelle stürmten, sahen sie den jungen amerikanischen Offizier mit der Schlinge um den Hals. Er stand vor dem Fenster auf einem Eimer. Die Wärter kamen gerade noch rechtzeitig, und so ging das Leben für ihn noch einmal weiter, die Kriegsgefangenschaft auch. Das war im August 1968. Der amerikanische Offizier hieß John McCain.

Wenn der jetzt 71 Jahre alte Senator als Präsidentschaftskandidat der Republikaner in den Wahlkampf zieht - und es sieht so aus, als habe er die Kandidatur sicher -, dann wird auch seine spektakuläre Biografie noch einmal in den Blickpunkt rücken. Was bedeutet es für die politischen Debatten um den „Krieg gegen den Terrorismus“, dass mit McCain ein Mann antritt, der selbst Soldat, Kriegsheld, Kriegsgefangener und Folteropfer war?

McCain stammt aus einer Familie, in der praktisch alle männlichen Sprösslinge Berufssoldaten geworden sind. Nur sein prominenter Name rettete John McCain überhaupt das Leben, als er im Oktober 1967 als Kampfpilot über Vietnam abgeschossen wurde. Er hatte gerade einen Angriff auf ein Kraftwerk bei Hanoi geflogen und Bomben abgeworfen, als sein Flugzeug getroffen wurde. McCain konnte sich mit dem Fallschirm retten und stürzte schwer- verletzt in den Truc-Bach-See in Hanoi. Ein wütender Mob zog ihn aus dem Wasser und prügelte ihn fast zu Tode, bevor Soldaten ihn fortbrachten. Trotz seiner schweren Verwundungen wurde ihm jede medizinische Hilfe verweigert. Erst als bekannt wurde, dass man den Sohn eines der prominentesten US-Militärs gefangen hatte, wurde McCain in ein Krankenhaus gebracht.

Der berühmte Name hätte ihm nach einem Jahr Kriegsgefangenschaft auch fast zur vorzeitigen Entlassung verholfen, als sein Vater im Sommer 1968 zum Oberkommandierenden aller US-Truppen in Vietnam ernannt wurde. Die Vietnamesen wollten McCain „begnadigen“ und mit seiner vorzeitigen Entlassung einen Propaganda-Coup landen. Doch McCain lehnte das Angebot ab und erklärte, er werde das Gefängnis nicht ohne seine Kameraden verlassen. Darauf folgten für ihn weitere viereinhalb Jahre Kriegsgefangenschaft, ein Jahr Einzelhaft und endlose Verhöre, in denen er gefoltert wurde. Die Verzweiflung trieb ihn zu zwei Selbstmordversuchen, aber zugleich verblüffte seine Widerstandskraft sogar seine Peiniger.

Längst ein Nationalheld

Als McCain 1973 freigelassen wurde und in die USA zurückkehrte, war er längst ein Nationalheld. Der damals 36-Jährige, der mit schwarzen Haaren in den Krieg gezogen war, kehrte schlohweiß und auf Krücken zurück. Seine Arme sind, nachdem ihm in den Verhören noch mehrfach die Knochen gebrochen worden waren, bis heute nur eingeschränkt beweglich.

McCains Vietnam-Erfahrungen haben ihn erst zum Helden und dann zu einem der beliebtesten Politiker Amerikas gemacht. Colin Powell ist vermutlich der Einzige, der parteiübergreifend einen ähnlichen Respekt genießt. Dass McCain ideologisch ziemlich genau in der politischen Mitte Amerikas steht, hat seine Beliebtheit nur noch gesteigert. Allerdings hat er sich genau damit auch viele Feinde gemacht. Die Linken werfen ihm vor, dass er den Irak-Krieg unterstützt hat und immer noch für richtig hält; die Rechten werfen ihm vor, er habe die konservative Sache verraten, weil er gegen ein Verbot der Homo-Ehe gestimmt hat, illegalen Einwanderern Amnestie gewähren will und die Steuersenkungen von Bush ablehnt.

McCain ist so etwas wie der Angstgegner der Demokraten. Seine Biografie ist eine Heldengeschichte ganz nach amerikanischem Geschmack, sein leidenschaftlicher Eigensinn und sein Mut, sich immer wieder gegen Bush zu stellen, haben auch viele demokratische Wähler beeindruckt.

Angreifbar ist McCain dennoch, vor allem durch seine Unterstützung des Irak-Krieges, den er keinesfalls zügig beenden, sondern um jeden Preis „gewinnen“ will.



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