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„Todesfälle haben alle irritiert“

Erstellt 14.02.08, 22:01h

Nach zwei Todesfällen steht die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs in der Kritik. Prof. Peter Mallmann von der Uni-Frauenklinik Köln rät: Wer nicht unter Zeitdruck steht, sollten warten, bis Klarheit herrscht.

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Arzt beim Impfen
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Arzt beim Impfen
KÖLNER STADT-ANZEIGER Herr Professor Mallmann, nach dem Tod von zwei jungen Frauen in Österreich und Deutschland ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs in die Kritik geraten. Zu Recht?

PETER MALLMANN Die beiden Todesfälle haben uns alle irritiert. Nachdem bei der Obduktion der jungen Frau aus Deutschland aber keinerlei Hinweise gefunden wurden, gehe ich persönlich von einem eher zufälligen Zusammenhang zwischen einem ungeklärten Todesfall und einer Impfung aus, die von ihrem Funktionsprinzip her harmlos ist. Allerdings bleibt trotzdem ein gewisses Beklemmen.

Sie sprechen von einem harmlosen Funktionsprinzip. Was genau passiert denn bei der Impfung?

MALLMANN Bei der HPV-Impfung wird nicht ein Virus appliziert, sondern Eiweißbestandteile, die das Immunsystem anregen, eine Abwehrreaktion zu entwickeln und Antikörper gegen bestimmte den Gebärmutterhalskrebs auslösende Viren zu bilden. Solche Anregungen des Immunsystems durchmachen wir aber millionenfach und täglich, etwa wenn wir einem verschnupften Menschen begegnen.

Trotzdem wurde jetzt mit Bekanntwerden der beiden Todesfälle erneut der Vorwurf laut, dass die Impfung in Deutschland trotz nicht ausreichender Datenlage in die Impfempfehlung aufgenommen worden sei . . .

MALLMANN Unbestritten ist, dass die bisherige Datenlage zwar überzeugend, aber relativ schwach ist. Und in der Tat war die Umsetzung der Daten in eine offizielle Impfempfehlung überraschend zügig. Das hatte viele Ursachen: Zum einen war man natürlich froh, endlich etwas zu haben, um erstmals Krebs vorzubeugen. Zum anderen ist die Impfung auch ein großes Geschäft.

Was würden Sie denn Eltern und Mädchen raten, die jetzt unsicher geworden sind?

MALLMANN Wichtig ist, dass - wenn überhaupt - die Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr geimpft werden. Wer diesbezüglich nicht unter Druck ist, sollte abwarten, bis weitere Klarheit herrscht. Das kann allerdings noch Monate dauern. Ich würde deshalb Eltern grundsätzlich empfehlen, ihre Töchter in die Entscheidung miteinzubeziehen, mit ihnen über die Problematik zu sprechen und ihnen klarmachen, dass sie - wenn sie nicht geimpft sind - nur mit einem Kondom Geschlechtsverkehr haben sollten. Wer zeitlich unter Druck ist, dem würde ich auch jetzt empfehlen, sich lieber impfen zu lassen.

Würden Sie Ihre eigene Tochter jetzt impfen?

MALLMANN Ich habe meine Töchter bereits geimpft. Ich bin von dem Wirkprinzip der Impfung überzeugt. Die Impfung ist ein innovativer Schritt in der Prävention. Zum ersten Mal gibt es etwas, mit dem man, außer dem Verzicht auf das Rauchen, Krebs verhindern kann. Allerdings: Auch eine Impfung ersetzt nicht eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung.

INTERVIEW: ANGELA HORSTMANN



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