Von HANNAH SCHNEIDER, 14.02.08, 14:47h, aktualisiert 14.02.08, 22:05h
Jede Woche kommt Yogatrainerin Gabriele Lemke zur Mittagspause in das Firmengebäude der DF Deutsche Forfait AG in der Nähe des Doms. Im Konferenzraum im Dachgeschoss lockern dann Sonnengrüße die Glieder, die von der Arbeit am Computer steif geworden sind, Entspannungsphasen sollen den Stress vom Vormittag vergessen lassen, und Atemübungen pumpen frische Energie für den restlichen Tag in die Lunge. Die Rückenprobleme von Susanne Backhaus haben nachgelassen, seitdem sie ihre Mittagspause einmal in der Woche auf der Yogamatte verbringt: „Ich hatte privat einfach keine Zeit, was dagegen zu tun. Wenn ich jetzt wenigstens einmal in der Woche mittags was für meinen Rücken mache, kann ich den Sport abends schon mal schwänzen.“
Der Besuch von Yoga-Kursen am Abend ist für viele gar nicht zu schaffen
Yoga ist Trend. Kein Wunder, vereint die Lehre aus Indien schließlich vieles, was ein Gestresster halt so machen soll, für mehr Lebensqualität: Bewegung und Kräftigung des Körpers und gleichzeitig das Abschalten von der Alltagshetze. Allerdings nützen trendige Yogastudios eben nichts, wenn die Kurse dort schon um 19 Uhr beginnen, die Stapel auf dem Büroschreibtisch den Feierabend aber auf 20 Uhr verzögern. Oder wenn man nach der Arbeit schlicht und einfach keine Lust mehr hat auf Aktivität. Praktisch also, wenn man das schon in der Mittagspause „hinter sich“ gebracht hat. Zum Beispiel auch mit Diplom-Sportlehrerin Daniela Donike. Sie besucht ihre Kunden am Arbeitsplatz mit der „mobilen Turnhalle“. Mit einer Mischung aus Yoga, Pilates und Feldenkraisübungen bekämpft sie in der Mittagspause zum Beispiel Hals / Nacken- und Handverkrampfungen, die durch das Arbeiten mit der Maus entstehen, sowie die häufige flache Atmung, die vom gestauchten Sitzen kommen kann. Alles Gründe für eine schlechte Arbeitsmotivation und dadurch schlechtere Produktivität? „In vielen Firmen werden zwar Seminare für Führungskräfte oder für die Teamfähigkeit durchgeführt. Dass das Coaching des Körpers aber auch viel ausrichten kann, wird meistens völlig außer Acht gelassen“, sagt Donike.
Yoga gilt als Präventionsmaßnahme - die Kosten übernimmt (teilweise) die Krankenkasse
Yoga am Arbeitsplatz gilt bei den meisten Krankenkassen als Präventionsmaßnahme. Die Kosten werden zu 80 Prozent übernommen, sofern der Trainer in der Präventionsdatenbank erfasst ist. Ansonsten zahlt in der Regel der Arbeitgeber. Bei Gabriele Lemke sind pro Person für zehn volle Stunden Yoga 130 Euro fällig, Daniela Donike nimmt für eine Stunde mit acht bis zehn Teilnehmern insgesamt 80 Euro.
Zwischendurch riecht es in der Yogastunde von Gabriele Lemke aus der Teeküche nach Kaffee, nicht alle Mitarbeiter machen mit. Meistens sind sie zu siebt in der Yoga-Mittagspause. Besonders esoterisch ist die übrigens nicht aufgebaut. Das wäre zwischen den Konferenzmöbeln und Flipcharts, die im „Yogaraum“ zur Seite geräumt wurden, auch irgendwie fehl am Platz. Lemke gibt kurze Anweisungen zum „Vierfüßlerstand“, zum „Katzenbuckel“ und zum „Hund mit Kopf nach unten“, der den Rücken streckt und den Nacken entspannt. Geht das überhaupt, entspannen im Büro, wenn unten die Kollegen wirbeln? Reine Übungssache, sagt die Yogatrainerin. „Außerdem kommt es immer darauf an, wie der Vormittag verlaufen ist. Gab es Stress, dauert es eben länger mit der Entspannung.“ Frauke Pfautsch und Susanne Backhaus räkeln sich noch mal auf ihren Yogamatten. Dann geht es zurück an den PC. Und zwar ganz entspannt.
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