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Stadtteilmütter als „Türöffner“

Von ASTRID WIRTZ, 15.02.08, 10:51h

Integration fängt nicht erst in der Schule an. Neuerdings richtet sich der Blick verstärkt auch auf die Eltern. In Mettmann und Velbert zum Beispiel bieten Familienbildungsstätten...

Integration fängt nicht erst in der Schule an. Neuerdings richtet sich der Blick verstärkt auch auf die Eltern. In Mettmann und Velbert zum Beispiel bieten Familienbildungsstätten Mutter-Kind-Kreise an. „Spielend Deutsch lernen“ richtet sich an ausländische Eltern vor der Zeit des Kindergartens. „Griffbereit“ heißt ein anderes „Mutter-Kind-Angebot“. Es bietet Müttern und Kindern von eins bis drei Jahren gemeinsame Spiel- und Lernerfahrung. Da werden Kreisspiele gezeigt, gemeinsam geturnt und das Frühstück zubereitet. „Griffbereit“ gibt es in 13 Kommunen in Nordrhein-Westfalen. „Rucksack“ heißt ein weiteres Projekt, das sich an Mütter von Grundschülern richtet und im ganzen Land, schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen, von den Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) angeboten wird.(siehe unten).

Als Mittler für solche Angebote und auch als eigene Anlaufstelle für Familien aus dem Zuwanderermilieu, fungieren dabei immer mehr sogenannte Stadtteilmütter, ein Ansatz der vor allem in Berlin und Nordrhein-Westfalen verfolgt wird. In Berlin arbeiten 80 „Stadtteilmütter“. In Nordrhein-Westfalen sind es bereits 300.

Die Stadtteilmütter sind selber Türkinnen, Araberinnen oder Russlanddeutsche. Wenn sie in Neukölln oder Köln-Kalk klingeln, so die Erfahrung, öffnen sich eher die Türen, die bei deutschen Sozialarbeitern verschlossen blieben. Ihre Arbeit beginnt dort, wo die Türkei oder der Libanon in Deutschland anfängt. Da wo ausländische Eltern eben nicht wissen, dass ein Jahr Kindergarten viel zu kurz ist, um ausreichend Deutsch zu lernen. Das Projekt richtet sich an Mütter, die zum Teil seit Jahren in Berlin oder Köln leben, aber noch nie ihren Stadtteil verlassen haben, Eltern, die deutschen Schulen und deren Erziehungszielen misstrauen, weil sie selber keine Bildung genossen haben.

Viele dieser Mütter sind Heiratsmigrantinnen, das heißt die Kinder wachsen in den ersten Jahren wie in der Heimat der Mutter auf. Unkenntnis über deutsche Bildungsbedingungen sind die Regel. Bei den Hausbesuchen der Stadtteilmütter geht es darum, Wissen zu vermitteln, Mut zu machen und Vorurteile zu korrigieren. Zehn Monate dauert in Berlin die Ausbildung zur Elterntrainerin. In NRW sind die RAAs zuständig. Für die Frauen selber ist es oft der Weg aus der eigenen Isolation - verbunden mit einem kleinen Honorar.

Interkulturelle Elternarbeit wird auch von zahlreichen Ausländervereinen betrieben oder aufgebaut. So gibt es türkische, spanische und russische Elternverbände. Für die Reihe „Integration miteinander“ gibt das Land aber gerade mal 13 000 Euro im Jahr aus. „Schlaue Kinder starker Eltern“ heißt die Initiative der spanischen Elternvereine, „Elternakademie“ das Projekt der Föderation der türkischen Elternvereine in NRW. In Köln arbeitet neben „coach e.V.“ auch der „Deutsch-Türkische Verein“ und der „Vingster Treff“ in aktiver Kooperation mit Schulen der Sekundarstufe I an einem Netzwerk zur Förderung von Eltern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In den Organisationen arbeiten interkulturelle Teams.

Zu „Griffbereit“ / „Rucksack“: springer-geldmacher.hauptstelle@raa.de

„Schlaue Kinder starker Eltern“: aef-confederacion@t-online.de

„Elternakademie“: @turk-egitim.de



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