Erstellt 14.02.08, 20:02h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Malmsheimer, Sie haben zusammen mit Frank Goosen als Duo namens „Tresenlesen“ vorwiegend die Texte anderer vorgetragen. Heute schreiben Sie alles selber.
MALMSHEIMER: Bei uns war das eher der Not gehorchend. Die Texte damals mussten zwei Kriterien gehorchen: Einmal mussten sie komisch sein - was nichts mit witzig oder lustig zu tun hat - und sie mussten sprachlich relevant sein. Und irgendwann ist das Feld abgegrast. Dann wurde es eng. Im Laufe der Zeit ist es mir dann aufgegangen, wie schön es ist, sich Texte auf den eigenen Leib schreiben zu können.
Sie treten zusammen mit Fritz Eckenga auf. Was verbindet Sie außer der gemeinsamen Herkunft Ruhrgebiet?
MALMSHEIMER: Wir sprechen den gleichen Dialekt, das hilft sehr. Wir haben Mentalitäts-Ähnlichkeiten: Wir sind beide ungeduldig und haben es gerne auf dem Punkt.
Ungeduldig mit sich oder anderen?
MALMSHEIMER: Erst mit sich, dann mit anderen. Ungeduld ist ganz schwer auf eine Person zu beschränken.
Sie treten häufig in der ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ auf - würden Sie gegebenenfalls auch beim „Scheibenwischer“ auftreten, den Ihr Kollege Richard Rogler gerade verlassen hat?
MALMSHEIMER: Nein, nein, überhaupt gar nicht. Ich empfinde das Fernsehen als Belastung. Die einzige Möglichkeit für mich ist die Zusammenarbeit mit Georg Schramm und Urban Priol, weil ich die Kollegen über alle Maßen schätze und für das Beste halte, was das politische Kabarett zur Zeit zu bieten hat. Mit den beiden hätte ich auch einen Dia-Abend gemacht oder wäre tanzen gegangen.
Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie Sie mit Schramm tanzen.
MALMSHEIMER: Das kann, glaube ich, sehr schön aussehen. Aber das will ich nicht weiter vertiefen. Mit dem „Scheibenwischer“ kann ich nichts mehr anfangen: Dieses oberlehrerhafte Gefurze, was da an den Tag gelegt wird, ging mir schon vor Jahren auf den Sack. Mit diesen Leuten möchte ich nichts zu tun haben.
Was glauben Sie, macht den rasanten Erfolg von Leuten wie Mario Barth aus?
MALMSHEIMER: Das kann ich nur ganz schwer erklären, aber es ist sicher so, dass Witze mit Bart lange leben. Aber auch dafür gibt es ein Publikum. Die Leute, die das lustig finden, haben ein Recht auf eine Grundversorgung. Natürlich ist die Gruppe, die das komisch findet, größer als die, die unsere Texte komisch findet.
Wie kommt es denn, dass dieser Altherren-Humor so gut ankommt?
MALMSHEIMER: Es wachsen ja ständig Leute nach, für die das neu ist. Es wäre sehr arrogant, sich darüber zu erheben und diese Leute zur Witzlosigkeit zu verdammen, nur weil es nicht meinen Geschmack trifft. Barth wollte, glaube ich, sehr schnell sehr viel Geld verdienen, und das hat er ja geschafft. Für mich hat das weder etwas mit Humor noch mit Kunst zu tun, das ist einfach ein Job.
Sie moderieren häufig auch bei Veranstaltungen wie dem Comedy-Festival, auf dem sich der viel versprechende Nachwuchs präsentiert.
MALMSHEIMER: Da, wo es um anspruchsvolle Unterhaltung geht, gibt es in meinen Ohren enorme Talente. Da muss man sich keine Sorgen machen. Jede Art von Larmoyanz ist da fehl am Platze.
Beobachten Sie innerhalb des Metiers eine Entwicklung?
MALMSHEIMER: Dieses Schubladendenken ist vorbei. Kabarettisten lassen endlich wieder die Blödelei und das Spielerische zu. Jürgen Becker hat einen der wesentlichsten Sätze des Jahrhunderts geprägt als er sagte: „Kabarett schön und gut, aber man muss auch mal einen Witz machen dürfen.“
Das Gespräch führte
Marianne Kolarik
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