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„Mit Arbeit ist alles anders“

Von ANJA KATZMARZIK, 22.02.08, 20:04h, aktualisiert 22.02.08, 20:07h

Wenn junge Menschen aus der Haft kommen, hilft Förderverein Bewährungs- hilfe Köln den überlasteten Bewährungs- helfern. „wir helfen“-Vorsitzende Hedwig Neven DuMont besuchte das „Haus Rupprechtstraße“.

Bild: Hennes
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Aufrütteln für eine Perspektive im Leben: Hedwig NevenDuMont bittet einen jugendlichen Straftäter, ihr einen Schrank zu bauen und erklärt ihm, wie dieser aussehen soll.
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Aufrütteln für eine Perspektive im Leben: Hedwig NevenDuMont bittet einen jugendlichen Straftäter, ihr einen Schrank zu bauen und erklärt ihm, wie dieser aussehen soll.
Er ist da, wenn junge Menschen aus der Haft kommen, hilft den überlasteten Bewährungshelfern und wird im März 50 Jahre: der Förderverein Bewährungshilfe Köln. „wir helfen“-Vorsitzende Hedwig Neven DuMont besuchte das „Haus Rupprechtstraße“.

Köln - Notausgang freihalten. Der vorschriftsgetreue Warnhinweis am Fenster der im Souterrain gelegenen Räume wirkt wie Hohn. In Not haben die jungen Männer, die in dieser Werkstatt arbeiten, ihre Opfer gebracht. Nun, da sie ihre Haftstrafe verbüßt haben, suchen sie selbst und oft vergeblich einen Ausgang aus ihrer eigenen Not.

Nackt liegt er da. Ohne Beine, aber immerhin mit Kopf. Der Frauenoberkörper mit blankem Busen aus Holz, geschnitzt im „Haus Rupprechtstraße“. Hier wohnen und arbeiten aus der Haft Entlassene. Darunter viele junge Menschen, die zum Teil schon ihr halbes Leben mit der Polizei zu tun haben.

Arbeit als Motivation

Ihnen stattete Hedwig Neven DuMont einen Besuch ab. Sie machte Mut und gab bei einem jungen Mehrfachtäter in der Schreinerei als Ansporn einen Schrank in Auftrag. Für die Vorsitzende des Vereins „wir helfen“, der neben Prävention auch Resozialisierung fördern will, fehlt den Jugendlichen das Gefühl, gebraucht zu werden, und Selbstbewusstsein auf legale Weise. „Viele sind einfach nur hoffnungslos.“

„Wenn man Arbeit hat, ist alles anders“, hat eine Teilnehmerin in den Projekten des Fördervereins Bewährungshilfe Köln e.V. gesagt. Damit es diese Arbeit gibt, wurde eine Stiftung für Ausbildungsbeihilfen gegründet, die auch Zuschüsse an Arbeitgeber gewährt. Schulische und berufliche Qualifizierung sind ein Mosaikstein in dem Bild, das eine straffreie Zukunft ergeben soll. Freizeit- und Erlebnispädagogik, Schuldnerberatung, Anti-Aggressivitäts-Training und Hilfe bei der Wohnungssuche kommen dazu.

Erfolgreich vermittelt

Von Erfolgsquoten spricht Vereinsvorsitzender Wolfgang Heidemann nicht gerne. Für die meisten jugendlichen Straftäter, die von dem Verein betreut werden, sei es „schon enorm, wenn sie regelmäßig mitarbeiten“. Nicht jeder Fortschritt lasse sich in Zahlen messen. Trotzdem spricht es für sich, dass von 98 intensiv betreuten Jugendlichen des Vereins 71 erfolgreich in Schule oder Beruf vermittelt werden konnten. Das ist ein Erfolg bei Menschen, die oft Kooperation verweigern, weil sie innerlich gebrochen sind.

„Es geht um Stabilisierung und darum, sich im normalen Leben wieder zurechtzufinden“, erklärt Elisabeth Hoensbroech vom Vorstand des Fördervereins - und da warten mitunter viele „Bewährungsproben“. Die Fähigkeit zu entwickeln, die Zeit der Bewährung ohne Rückfall zu beenden, ist die größte. „Weil sie lebensuntüchtig sind.“

Pro Kollege 70 Fälle

Die ordentlich bestellten Bewährungshelfer der Justiz, die der Verein unterstützt, haben pro Mitarbeiter 70 Klienten durchschnittlich zu begleiten. Da bleibt oft nicht mehr als eine halbe Stunde Zeit für ein Gespräch pro Monat. Zu wenig, wie die hohen Rückfallquoten zeigen. „Viele können nicht so betreut werden, wie sie müssten“, sagt Vorstandsmitglied Wolfgang Stein. Der Jurist war als Richter und Ministerialbeamter im Justizministerium tätig. Vorsitzender Wolfgang Heidemann ist Richter am Oberlandesgericht.

Auf Errungenschaften wie das Wohnheim blickt der Verein mit Stolz. Andere Vorzeigeprojekte überlebten trotz Erfolg nicht. So musste die Intensivhilfe des Vereins („Eins unserer bestgenutzten und in unserem Sinne erfolgreichsten Projekte“) wegen Geldmangels eingestellt werden. Die ambulante Hilfe im obersten Stockwerk das Hauses in Sülz beschäftigte in dem Projekt einst zwei Sozialarbeiterinnen, die sich nur um 18- bis 21-jährige Straftäter kümmerten. Als ABM-Kräfte begleiteten sie maximal drei junge Menschen, halfen ihnen dabei, sich Wohnung und Arbeit zu beschaffen, und waren so etwas wie eine Rundumbetreuung für Straffällige.

Ambulante Hilfe eingestellt

„Notfalls haben sie die Männer auch morgens geweckt“, so Hoensbroech, die Sozialarbeiterin ist. „Aufzustehen verlernt man im Gefängnis. Falls man es jemals gelernt hat.“ Die ambulante Betreuung müssen seit zweieinhalb Jahren nun die Kollegen der Bewährungshilfe der Justiz fortführen - zusätzlich zu ihrer ohnehin extrem hohen Arbeitsbelastung. Sie greift jedoch erst, wenn der Klient bereits mehrfach auffällig und damit ein so genannter „Intensivtäter“ geworden ist. „Eigentlich müsste viel früher was passieren“, so Ulrich Fiedler, Koordinator der Bewährungshilfe Köln. „Wir dürfen erst nicht warten, bis aus Erst- Intensivtäter werden.“ Ein Notausgang muss bleiben.

 www.ksta.de/wirhelfen



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