Schriftgröße

Mehr Bildung, weniger Liegestütze

Von HEINZ TUTT, 22.02.08, 19:26h, aktualisiert 22.02.08, 19:28h

Experte Michael Walter lobt die Effektivität der Arbeit im deutschen Jugendstrafvollzug. Auffallend sei aber: Bei schweren Gewaltdelikten sei die Anzahl konstant geblieben. Bei geringeren Delikten würden die Opfer ermuntert, die Taten bei der Polizei anzuzeigen.

Düsseldorf - Seit Beginn des Privatfernsehens nimmt gewaltsames Verhalten bei bestimmten gefährdeten Gruppen von Jugendlichen zu. Dies erklärte am Freitag in Düsseldorf der Kölner Kriminologe und Professor Michael Walter auf einer Veranstaltung der SPD-Landtagfraktion zum Thema „Jugendkriminalität“. Die Jugendlichen übernähmen häufig Handlungsmodelle, die ihnen vorgeführt würden.

Nach Ansicht des Wissenschaftlers sei die gestiegene Zahl von Gewalttaten Jugendlicher vermutlich auch auf ein geändertes Anzeigeverhalten zurückzuführen. Auffallend sei: Bei schweren Gewaltdelikten sei die Anzahl konstant geblieben. Bei geringeren Delikten würden die Opfer ermuntert, die Taten bei der Polizei anzuzeigen. Ebenso sei zu bemerken, dass Taten, an denen unterschiedliche Nationalitäten beteiligt seien, häufiger angezeigt würden, als Streitfälle beispielsweise nur unter Deutschen. Zu Bootcamps in den USA erklärte Walter, diese seien vor Jahren eingeführt worden, um überbelegte Haftanstalten zu entlasten. Die Länge des Vollzugs im normalen Gefängnis könne, so das Modell der US-Bootcamps, durch einen härteren Vollzug mit militärischem Drill verkürzt werden. Die Ergebnisse seien jedoch zweifelhaft, weil sich die Camp-Insassen nach dem Vollzug nicht besser bewährt hätten als Jugendliche nach dem normalen Strafvollzug.

„Die Jugendlichen brauchen keine Liegestütze und Muskeltraining, sondern Gespräche und Bildungsangebote.“ Nur dieses helfe den jungen Menschen, in ein ordentliches Leben zu finden. Trotz Kritik in den letzten Monaten lobte Walter in diesem Zusammenhang die Arbeit im deutschen Jugendvollzug im Vergleich zum Ausland. Es sei erstaunlich, was dort geleistet werde. Ablehnend äußerte sich der Kriminologe zum Warnschuss-Arrest. Er bestätigte die Befürchtung des SPD-Landtagsabgeordneten Ralf Jäger, wonach die Rückfallquote nach einer Inhaftierung bis zu 70 Prozent betrage. Jäger: „Im Knast erhalten die jungen Leute die Bauanleitung für weitere kriminelle Delikte.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Anzeige




Bildergalerien


Extra


Aktion


Das Musik-Event 2011



Die Bahnhofsreporterin


WAS.WANN.WO.


Aktuelle Verkehrsinfos


Neue ksta.tv-Videos aus der Region


RHEINLAND WETTER


Aktion


Twitter


Top-Links (Anzeige)


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste