Von WILFRIED MEISEN, 25.02.08, 20:41h
Rhein-Erft-Kreis/Kerpen - Das Unternehmen RWE hat mit der Verlegung der Hambachbahn begonnen. Den Startschuss für das Projekt gaben bei Buir Dr. Lars Kulik, Leiter der Tagebauplanung von RWE, gemeinsam mit Kerpens Beigeordnetem Peter Knopp. Über fünf Jahre soll an dem 15 Kilometer langen, 113 Millionen Euro teuren neuen Trassenstück gebaut werden, das sich von Merzenich bis Geilrath bei Sindorf zieht und dann im Bereich von Heppendorf wieder auf die alte Strecke geführt wird.
Weil die bisherige Hambachbahn vom vordringenden Tagebau im Jahr 2014 erreicht wird, muss bis 2013 wenige Kilometer südlich, parallel zur Bahnstrecke Köln-Aachen, die neue Trasse fertig sein. Mit Hilfe der werkseigenen Schwerlastbahn transportiert RWE die Kohle aus dem Tagebau Hambach in die Kraftwerke nach Niederaußem und Neurath. Alle 15 Minuten fährt rund um die Uhr ein Zug, der jeweils bis zu 2100 Tonnen geladen hat. Die neue Trasse soll in einer durchgängigen Tieflage von im Schnitt zwölf Metern geführt wird. Das Aushubvolumen entspricht dem von 30 000 Einfamilienhäusern.
„Durch die Tieflage der neuen Eisenbahnstrecke wird die Geräuschentwicklung der Hambachbahn auf ein Minimum reduziert“, erklärte Dr. Lars Kulik, Leiter Tagebauplanung, des Energieunternehmens. RWE sei bestrebt, bei der Vergabe der Aufträge deutsche Firmen, besonders aus der Region, zu berücksichtigen. Beeinträchtigungen für die Umgebung würden möglichst reduziert, betonte Martin Köther, Leiter Bauplanung und -genehmigung, bei RWE. So baue man 15 Brücken über vorhandene Verkehrswege - etwa die Bundesstraße 477 - , die so alle bestehen bleiben könnten. Auch während der Bauphase werde es keine Sperrungen geben, da für alle Baustellen an vorhandenen Straßen Umfahrungen geplant seien. Um den Eingriff in die Landschaft auszugleichen, sollen rund 101 Hektar aufgeforstet werden. Rund 60 davon im Böschungsbereich der Bahn, der Rest bei Merzenich und an der Steinheide bei Geilrath.
Keine Massentransporte
Der Aushub soll über kurze Wege, teilweise auf Werksstraßen oder auch mit Hilfe von Bandstraßen zu drei Kippstellen gebracht werden: im Tagebau selber, im Kieswerk Buir und im Kieswerk Dorsfeld. „Belästigungen durch Massentransporte werden so weitestgehend vermieden.“ Ab dem Sommer soll auch mit den Bauarbeiten für die neue Autobahn 4 durch das Land begonnen werden, die parallel zur Hambachbahn verläuft. Die Arbeiten an beiden Projekten sollen synchron ablaufen. So werden die Brücken über die Hambachbahn verlängert und dann auch gleich über die neue Autobahn geführt. Die Kippstellen und deren Anfahrtrouten können ebenfalls für den Autobahnbau genutzt werden.
Befürchtungen, dass der Bau von Hambachbahn und Autobahn noch durch Klagen gestoppt werden könnte, habe man nicht, hieß es bei RWE. Gegen die Hambachbahn gebe es keine Klage mehr, die noch aktuell sei. Dagegen laufen noch vier Klagen gegen den Autobahnbau - etwa des BUND. Diese haben aber keine aufschiebende Wirkung. Man sei zuversichtlich, die Klagen abwehren zu können, meinte Kulik. „Wir können ohne rechtliche Beeinträchtigungen bauen.“
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