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Hauptstadt der Verkehrs-Rowdys

Von THORSTEN MOECK, 25.02.08, 21:45h, aktualisiert 26.02.08, 09:51h

Die Kölner Unfallstatistik für 2007 ist ein herber Rückschlag für das Vorhaben, sicherste Stadt-Region bis zum Jahr 2010 zu werden. Die Kölner Polizei beklagt über die schlechte Moral auf den Straßen.

BILD: FUCHS
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Überschlagen hat sich ein 37-jähriger Autofahrer, der auf der Turiner Straße bei Rotlicht über die Kreuzung Dagobertstraße fuhr und mit einem Mercedes zusammenstieß. Er wurde schwer verletzt.
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Überschlagen hat sich ein 37-jähriger Autofahrer, der auf der Turiner Straße bei Rotlicht über die Kreuzung Dagobertstraße fuhr und mit einem Mercedes zusammenstieß. Er wurde schwer verletzt.
Grafik: Böhne
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Verkehrsunfälle in Köln 1995 bis 2007.
Grafik: Böhne
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Die Unfallentwicklung in Köln in den Jahren 2006 und 2007.
Grafik: Böhne
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Am Montagmittag hielt es Polizeipräsident Klaus Steffenhagen für angebracht, sich von einer Vision zu verabschieden. Seit inzwischen fünf Jahren wirbt die Kölner Polizei mit dem Slogan, bis zum Jahr 2010 sicherste Stadt-Region werden zu wollen. Zu diesem ehrgeizigen Ziel gehörte es auch, die Zahl der Verunglückten im Straßenverkehr um 30 Prozent zu senken. Die gestern vorgelegte Unfallstatistik für 2007 bedeutete jedoch einen herben Rückschlag. „Der Zeitraum bis 2010 ist zu kurzfristig, das Ziel war zu euphorisch gesetzt. Als wir 2003 die Vision formuliert haben, wussten wir noch nicht, welche unsicheren Informationsquellen wir besitzen“, räumte Steffenhagen ein. Die Bilanz für 2007 ist schnell zusammengefasst: Auf Kölns Straßen ereigneten sich mehr Unfälle, es gab mehr Verletzte und mehr Verkehrstote.

Seit Jahren ist die Zahl der Unfälle in Köln so hoch, dass die Stadt landesweit konstant auf den hinteren Plätzen rangiert. Inzwischen ist auch die Zuversicht gesunken, dies in absehbarer Zeit durch Kontrollen oder Informationskampagnen großartig ändern zu können. In der Behörde war vor einigen Jahren noch nicht bekannt, dass sich auf jedem Kölner Straßenkilometer im Schnitt 430 Menschen bewegen, in Bochum sind es dagegen nur 190. Entsprechend unterschiedlich sind die Unfallzahlen in den beiden Städten. Die Kölner Polizei wird trotz ungünstiger Rahmenbedingungen daran arbeiten, die Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr zu bekämpfen. Denn etwa die Hälfte aller Unfälle ist im vergangenen Jahr durch die Missachtung der Verkehrsregeln verursacht worden. „Die Verkehrsmoral ist in Köln schlechter als im Rest des Landes“, sagte Helmut Simon, Leiter des Verkehrsdezernats.

Vor allem Radfahrer und Fußgänger haben dazu beigetragen, dass die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Personen gestiegen ist. Nur noch 40 Prozent der Verletzten sind Autoinsassen, der Rest sind Radfahrer (26 Prozent), Fußgänger (14), Mofafahrer (8), Motorradfahrer (6) oder Lastwagenfahrer (3). Im vergangenen Jahr sind zudem wieder mehr Menschen auf Kölns Straßen ums Leben gekommen. Mehr als die Hälfte der Getöteten (14) sind Senioren, ihr Durchschnittsalter liegt bei 78 Jahren. „In 80 Prozent der Fälle haben die Opfer durch eigenes Fehlverhalten zu den Unfällen beigetragen“, sagte Helmut Simon. Auch die Zahl der alkoholisierten Radfahrer, die in Unfälle verwickelt worden sind, ist um mehr als 30 Prozent gestiegen. Die meisten Unfälle ereigneten sich 2007 in der Innenstadt, gefolgt von den Stadtbezirken Mülheim, Ehrenfeld und Lindenthal.

Um die Entwicklungen zu begreifen, die das Unfallgeschehen beeinflussen, hat sich die Polizei recht findige Untersuchungen einfallen lassen. So konnte durch Auswertung von Wetterdaten nachgewiesen werden, dass die Zahl der Fahrradunfälle direkt mit der Sonnenscheindauer zusammenhängt. „Das milde Wetter hat zu einem Anstieg der Unfallzahlen geführt. Aber wir müssen uns mit den Tatsachen abfinden“, bilanzierte Simon und wirkte fast ein wenig verärgert, den Klimawandel nicht persönlich stoppen zu können, damit die Unfallzahlen wieder sinken. Weil die Polizei 2007 rund 1700 Aggressionsdelikte im Straßenverkehr registriert hat, beschäftigen sich nun Kriminologen der Universität Bochum und Studenten der Kölner Fachhochschule mit der Ursachenforschung.



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