Von CORINNA SCHULZ, 25.02.08, 21:46h
„Die Hersteller waren sich einig, dass man die Veranstaltung internationaler aufstellen wollte“, sagte Olaf Wolters vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), zu dessen Mitgliedern auch Branchenschwergewichte wie Sony, Microsoft, Nintendo oder Electronic Arts (EA) gehören. Mit dem Wechsel wolle man sich als Europäische Leitmesse dauerhaft etablieren. Nach der Tokio Game Show sei man weltweit Nummer zwei. Leipzig war der wachstumsstarken Branche zu klein geworden. So beklagten Aussteller und Besucher die schlechte Verkehrsanbindung, insbesondere fehlende internationale Flugverbindungen. Auch die Hotelkapazitäten reichten längst nicht mehr aus. Die Kölner konnten nicht nur mit einer stattlichen Zahl von Fünf-Sterne-Hotels punkten, sondern auch mit ihrer Servicegesellschaft, die große Zimmer-Kontingente ankauft und vergleichsweise günstig anbieten kann. Zudem platzte die Veranstaltung in Leipzig räumlich auf einer Ausstel lungsfläche von rund 165000 Quadratmetern schon des Längeren aus allen Nähten. Am Rhein stehen 285000 Quadratmeter zur Verfü gung. „Wir suchten einen Ballungs raum mit einem großen Einzugsge biet“, sagte Wolters. Auch die große Zahl der hier ansässigen Medien mache Köln für die Branche attraktiv.
Fünf Jahre um Gunst geworbenRund fünf Jahre hatten die Kölner beharrlich um die Gunst der Spielebranche geworben. Den neuen Namen „Gamescom“ habe man sich sicherheitshalber schon vor vier Jahren schützen lassen, sagte Kuhrt. Mit dem Zuschlag sei es nun gelungen, die harte Konkurrenz aus München, Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf und Nürnberg abzuhängen. Auch Paris und London hätten Interesse gezeigt. Die Messe drohte aus Deutschland abzuwandern.
Dem Vernehmen nach stand Köln schon einmal kurz vor dem Ziel. Bereits vor drei Jahren, als der Vertrag mit der Messe Leipzig erstmals auslief, soll Köln der Top-Favorit gewesen sein, heißt es aus Branchenkreisen. Damals soll Sony aber den Umzug blockiert haben. Diesmal haben sich die Verbandsmitglieder mehrheitlich für Köln ausgesprochen, sagte Wolters. Zwar seien auch andere Standorte mit einer guten Anbindung und ausreichendem Bettenangebot ausgestattet, aber bei der Weiterentwicklung des Messe-Konzepts sei das Angebot der Kölner überzeugender gewesen. Zu Details wollten sich Wolters und Kuhrt gestern zwar noch nicht äußern. Fest steht allerdings, dass Veranstaltungsorte in der ganzen Stadt einbezogen werden sollen. Auch die Themenschwerpunkte für Frauen und Familien werden erweitert. Zudem habe Köln einen Termin im September anbieten können, was mehr Fachbesucher als bislang im Ferienmonat August anziehen solle, so Wolters. Schon bei der ersten Veranstaltung 2009 wolle man die 200 000 Besuchermarke überspringen. Ein großes finanzielles Entgegenkommen für den Wechsel an den Rhein, wie spekuliert worden war, habe es nicht gegeben. „Wir haben kein Antrittsgeld bezahlt oder Ähnliches“, sagte Messegeschäftsführer Kuhrt.
Für die Kölner Messe war der Coup wichtig, denn in der Vergangenheit stand die Messeführung immer wieder in der Kritik ihrer Miteigentümerin, der Stadt, weil Leitmessen wie beispielsweise die PopKommKöln den Rücken gekehrt hatten. Zudem war es kaum gelungen, neue Großveranstaltungen an den Rhein zu holen, die die kostspieligen neuen Messehallen auslasten. Wie dauerhaft das Engagement der Spieleindustrie in Köln sein wird, muss sich noch zeigen. Zur Laufzeit des Vertrages wollten sich gestern weder Messe noch der BIU äußern.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
Beratung für Ihre Existenzgründung
Epson Tinten – HP Toner kaufen