Von KATRIN DIENER, 29.02.08, 19:20h
Martina G. ist mit ihrer Katze Sissy durch die halbe Stadt gefahren. Zweimal musste sie umsteigen, um die soziale Einrichtung in der Düsseldorfer Altstadt zu erreichen. Sissy hat Schnupfen, und das ist teuer. „Wenn man arm ist, kann man sich ein Tier fast gar nicht erlauben“, sagt Martina G. und verzieht die Mundwinkel zu einem verkrampften Lächeln. „Aber ohne meine Tiere will ich nicht leben.“ Einen Tierarzt in ihrer Nähe und Medikamente kann sie sich nicht leisten. Die 41-Jährige lebt von Hartz IV, „und davon muss ich auch noch Schulden begleichen“. Früher arbeitete Martina G. als Schneiderin, „aber das ist schon viele Jahre her“, sagt sie zögernd. „Dann bin ich arbeitslos geworden und da irgendwie nicht mehr rausgekommen.“
Seit drei Jahren gibt es das Projekt „Underdog“, das zu 70 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert wird. Etwa 80 Menschen gehören mittlerweile zum Kundenstamm. Wie Jörg B. - der Obdachlose sitzt auf einem Korbstuhl im gelbgestrichenen Flur und wartet. Seine schwarze Hündin Jenny liegt zu seinen Füßen. Den Vormittag über hat er die Obdachlosenzeitung „fifty fifty“ verkauft, „mäßig erfolgreich“, wie er sagt. „Ich bin ganz froh, dass es die kostenlose Behandlung hier gibt. Das ist gut für Jenny“, sagt Jörg B. mit knurriger Stimme. Sein Kinn klebt dabei auf der Brust und sein Blick an der Wand. Mehr will er nicht sagen. Regungslos wartet er weiter, bis er und Jenny an der Reihe sind.
Zukünftig wird sich Jörg B. nicht mehr auf den Weg zu dem Behandlungsraum machen - stattdessen wird dieser zu ihm kommen. Zurzeit wird ein Bus in eine mobile Tierarztkrankenstation umgebaut. „Damit wollen wir auf die »Platten« fahren. Dahin, wo sich viele Obdachlose aufhalten“, sagt Sozialarbeiterin Ila Golzari. Für die Underdog-Mitarbeiterin geht es um mehr als die Versorgung der Tiere. „Wir erreichen so die Menschen und können Vertrauen aufbauen. Das wird mit dem Bus noch besser funktionieren, und wir werden mehr Menschen erreichen.“ Im März soll er in Betrieb genommen werden. So wird auch das Lärmproblem gelöst: Denn Bewohner und Besitzer angrenzender Geschäfte beschweren sich zunehmend über das anhaltende Gebell.
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