Von FRANK NÄGELE, 03.03.08, 20:04h
In der Rückrunde hat der Zweitligist Spiel auf Spiel auf Spiel gewonnen. Fünf von fünf mittlerweile. Das brachte die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick (49) am Sonntag erstmals in dieser Saison auf einen Aufstiegsplatz. Und wenn die Badener im Mai da immer noch stehen, müssen sie umziehen nach Mannheim, wo man sie gar nicht mag, denn das neue 30 000-Mann-Stadion in Sinsheim wird erst zur Rückrunde 2008 / 2009 fertig. Aber das würden sie dann billigend in Kauf nehmen. „Der Aufstieg wäre ein Problem, an dessen Lösung wir alle mit Freude arbeiten würden“, sagt Dietmar Hopp, der Mitbegründer des Softwareunternehmens SAP, Erfinder und Mäzen des Minivereins mit den Maximöglichkeiten.
Völler: "Hoffenheim ist Kandidat für die Königsklasse"
Wer böse sein will, kann das Projekt als Herstellung von Spitzenfußball unter Laborbedingungen bezeichnen. In der Branche ist man sich seiner Auswirkungen schon bewusst. „Auf Dauer sehe ich Hoffenheim als Kandidat für die Champions League“, erzählte Rudi Völler nach Ende der Vorrunde, „denn da treffen sich finanzielle Möglichkeiten auf Kompetenz. Und wenn das passiert, wird es für die Konkurrenz gefährlich.“ Trainer Ralf Rangnick kannte diese Einschätzung aus dem Mund des Prominenten bislang nicht persönlich, findet sie aber logisch. „So etwas von einem solchen Fachmann ehrt uns, aber dieselbe Fantasie hatte ich ja auch, sonst wäre ich 2006 doch gar nicht nach Hoffenheim in die Regionalliga gegangen“, sagt der ehemalige Trainer von Schalke 04, Hannover 96 und des VfB Stuttgart dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Längst gilt Hoffenheim als Modell der Zukunft.
Rangnick arbeitet Hand in Hand mit dem ehemaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, der im Verein vor allem Trainer schult, und Hans-Dieter Hermann, dem Psycho-Coach der deutschen Nationalmannschaft. Schon das alte Stadion hat ein integriertes Spielerhotel mit allen Reha-Möglichkeiten, der Mäzen mischt sich nicht aus Eitelkeit in die Arbeit seiner Fachleute ein, obwohl er am Geld nun wirklich nicht spart. 20 Millionen Euro hat der Verein diese Saison in neue Spieler investiert, mehr als der Rest der Liga zusammen. Aber eben nicht irgendwie. „In Osnabrück hatten wir eine Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren“, sagt Rangnick. „Von uns als Aufsteiger kann doch niemand erwarten, dass wir durchmarschieren. Selbst wenn wir unter den ersten drei sind, sehe ich uns nicht in der Position, dass wir etwas verteidigen müssen.“ Der Fußballlehrer erklärt, warum: „Wir hätten auch den Aufstieg um jeden Preis angehen können. Dann hätten wir aber ganz andere Spieler holen müssen, nicht diese jungen Profis. Aber das wollen wir nicht, wir wollen dauerhaften Erfolg.“
Die Sorgenfreiheit hat jedoch ihre Schattenseiten. Der Dorfverein ist auf dem besten Weg, sich beim Anhang der Traditionsklubs mit sportlichen Sorgen unbeliebt zu machen. Dietmar Hopps Vermögen wird auf über 6,3 Milliarden Euro geschätzt. In einer Liste der reichsten Deutschen steht er auf Platz neun. Aber anstatt sich vor Yachten, Flugzeugen und schönen Frauen zu zeigen, genießt der 67-Jährige das Leben als Sportmäzen, der außer Fußball auch Eishockey (Adler Mannheim), Handball (Rhein-Neckar Löwen) und den Pferdesport unterstützt.
Damit kann die Basis im Fußball schlecht umgehen. Sie hasst Hoffenheim. „Was wir am Sonntag in Osnabrück gehört haben, war wieder ziemlich diffamierend“, sagt Rangnick. In der Branche selbst wird der Erfolg des Modells differenzierter gesehen. „Wenn ein Mann wie Dietmar Hopp sein Geld hier in Sport investiert, kann man dagegen gar nichts haben“, sagt Rolf Dohmen, der Manager des Karlsruher SC. „Natürlich hätte ich wie alle anderen lieber, dass er es in unseren Klub fließen lässt, aber Dietmar Hopp kommt eben aus Hoffenheim, sein Herz hängt an diesem Verein, und was er tut, ist mir sympathisch. Zumindest, so lange der Verein nicht vor uns steht.“
Das allerdings könnte sich bald ändern. Sehr bald.
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