Von FRANK WEIFFEN, 04.03.08, 17:55h, aktualisiert 04.03.08, 18:17h
Gebärmutterhalskrebs: Wenn dieses Wort fällt, horcht mittlerweile jeder auf. Sogar die Modedesignerin Jette Joop - sonst eher für ihr Lächeln bekannt - blickt ernst in die Kamera, wenn sie spricht: „Als Mutter erlebe ich, wie schnell meine Tochter groß wird und schon bald ihr eigenes Leben führt. Ich will nicht, dass Gebärmutterhalskrebs dieses Leben in Gefahr bringt." Eine kurze Pause, dann fährt sie fort: „Deshalb schütze ich meine Tochter schon heute vor dem Virus, das den Krebs verursachen kann. Tun Sie es auch!" Vier Sätze, 22 Sekunden - und fertig ist die Hysterie um einen Impfstoff, der für reichlich Wirbel sorgt und der jetzt auch Leverkusener Mediziner auf den Plan ruft.
Das Mittel, das so viel Aufregung verursacht, heißt „Gardasil“ und kam vor gut zwei Jahren aus den USA nach Deutschland. „Gardasil“ ist ein Impfstoff, der speziell Frauen vor der Ansteckung mit so genannten HPV-Viren schützen soll. Diese Viren - mit denen sich knapp 80 Prozent der sexuell aktiven Frauen mindestens einmal in ihrem Leben anstecken - kann zu Gebärmutterhalskrebs führen. Aber das Impfmittel birgt Probleme: „Es ist nicht klar, wie lange seine Wirkung anhält. Und wir wissen nicht, welche Schäden durch die Impfung auftreten können“, sagt Uwe Laquat, Gynäkologe und Vorsitzender des Arbeitskreises Leverkusener Frauenärzte. In den USA seien jedenfalls schon mehrere geimpfte Frauen aus bislang unbekannten Gründen gestorben. Trotzdem habe das Bundesgesundheitsministerium „Gardasil“ nach nur zwei Jahren der Prüfung auf dem Markt zugelassen. „Normal ist eine Frist von fünf Jahren.“
Die Leverkusener Frauenärzte wollen nun gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung sowie dem Frauenbüro Aufklärung leisten. Zum einen sei es den meisten Menschen nämlich nicht bewusst, dass gerade einmal 0,1 Prozent der infizierten Frauen tatsächlich Krebs bekämen. Zum anderen wüssten gerade viele der jugendlichen Mädchen nicht, mit was sie sich da impfen lassen. „Die sehen nur die Berichte im TV und denken: Ich muss was tun“, sagt Simone Fey-Hoffmann vom Frauenbüro. Auch viele Eltern hielten die Impfung für notwendig. Dabei ist sie das laut Laqua gar nicht: „Eine gute Vorsorge schließt eine Infektion aus.“
Geleistet werden soll die Aufklärung mit Faltblättern, die ab sofort in Arztpraxen und Beratungsstellen ausliegen. „Zudem haben wir 21 weiterführende Schulen in Leverkusen und Umgebung angesprochen und ihnen die Blätter zukommen lassen“, sagt Fey-Hoffmann. Immerhin: „14 Schulen wollen im Rahmen von Infoveranstaltungen noch genauer informiert werden.“ Notwendig sei das allemal, denn: „Viele der Schülerinnen waren bereits geimpft, wussten aber gar nicht genau, womit und wogegen.“
Alle Informationen zu der Aufklärungsaktion in Leverkusen bekommt man beim Frauenbüro der Stadt unter 0214 / 406-8301.
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