Von CHRISTIAN HÜMMELER, 10.03.08, 20:17h, aktualisiert 11.03.08, 10:12h
Das geschieht indes mit durchaus selbstbewusster Geste. Hier, so signalisiert das Haus, ist das neue Zentrum von Köln - und ich bin der zentrale Bau innerhalb dieses Zentrums. Der Entwurf löst dieses Versprechen mit angemessener Qualität ein, indem er sich tatsächlich am Vorbild des Hafenkrans orientiert und dieses in klug reduzierter Formensprache umsetzt. Verantwortlich ist der Hamburger Architekt Hadi Teherani, allerdings ist um die mehr als zehn Jahre alte Planung ein Gerichtsstreit anhängig, der Architekt Adolf Linster muss als Miturheber genannt werden. Die Bauweise des Hauses kommt aus statischen Gründen aus dem Brückenbau: Auf dem stadtseitigen Hochbau, dessen Fundamente schon beim Bau der Tiefgarage vor gut sechs Jahren errichtet wurden und durch diese hindurchgeführt sind, ragt ab einer Höhe von 40 Metern ein zweigeteilter Ausleger, der nur auf einem schlanken, im Endzustand vollverglasten Treppenturm aufliegt, eindrucksvolle 48 Meter hinaus zum Rhein.
Die Bauweise kommt aus dem Brückenbau
Weitgehend verglast ist auch der größte Teil der Fassade, deren horizontale Gliederung deutlich die einzelnen Geschosse erkennen lässt. In Beton ausgeführt ist lediglich die rheinseitige Wand des Hauptbaus sowie die Unterseite des „Kranarms“, der „Keller“ des Hauses - hier sind tatsächlich Lagerräume für die künftigen Mieter eingeplant. Diese Teile sind wesentlich für die hochkomplizierte Statik des Gebäudes - so wesentlich, dass die Fensteröffnungen hier vergleichsweise klein sein müssen. Umso umfangreicher dagegen fällt die Fensterfläche in den verglasten Bereichen aus und ermöglicht vor allem aus den fünf obersten Geschossen eindrucksvolle Blicke über die Stadt. Wer allerdings meint, im Ausleger des Krans weit über dem Fluss zu schweben, unterliegt einer optischen Täuschung - das Haus endet exakt über der Kaimauer des Rheins. An der gleich nebenan ein historischer Kran an die Vergangenheit des Areals erinnert, wobei der Größenvergleich noch einmal die gewaltigen Dimensionen des Kranhauses deutlich macht.
Die schiere Größe des ersten abgeschlossenen Kranhauses lässt allerdings nicht nur alte Kräne, sondern auch die nagelneuen Gebäude zwischen den drei Häusern ziemlich klein aussehen. Ein Eindruck, der sich deutlich verstärken wird, wenn auch die beiden anderen Kranhäuser im Süden und Norden (ersteres wird ebenfalls Büros aufnehmen, im letzteren entstehen 135 Wohnungen) einmal stehen. Dann reduziert sich jedoch auch die Aussicht aus den Büroetagen des mittleren Turms - Domblick hat man künftig nur noch aus wenigen Fenstern im Westen des Gebäudes. Dafür gibt es den Kranhaus-Blick als neuen Fixpunkt in der Stadtansicht. Und der beeindruckt nicht nur aus der näheren Umgebung, etwa aus den jüngst entstandenen Straßen innerhalb des Rheinauhafens. Auch weiter entfernte Bauten, etwa die mitten durch den Hafen stechende Severinsbrücke, werden allein durch die Präsenz des Kranhauses in ein anderes, ein neues Licht gerückt. Eine Architektur mit Nebenwirkung also.
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