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Über das Leben mit Analphabetismus

Erstellt 13.03.08, 13:52h, aktualisiert 13.03.08, 13:53h

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Sabine Kruber
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Sabine Kruber
Diplom-Sprachheilpädagogin Sabine Kruber zum Leben mit Analphabetismus.

class="mode5">KÖLNER STADT-ANZEIGER: Wie kommt es überhaupt zum Analphabetismus?

SABINE KRUBER: Ein schwaches soziales Umfeld, das durch Vernachlässigung gekennzeichnet ist, kann den Betroffenen stark an seiner sprachlichen Entwicklung hindern. Durch fehlende Struktur im Familienleben gibt es zu wenig Kommunikation und Stabilität. Manchmal können auch Schulängste wie Mobbing zu Blockaden im Lernen und Schriftspracherwerb führen. Der Betroffene kann aber auch an Teilleistungsstörungen (Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Wahrnehmungsstörungen und Verarbeitungsstörungen) leiden, die organisch bedingt sind. Solche Störungen sind sogar vererbbar.

Warum ist es für Analphabeten so schwer, sich Hilfe zu holen?

KRUBER: Das Schamgefühl der Betroffenen ist unheimlich groß. Sie haben das Gefühl, allein zu sein mit diesem Problem und trauen sich nicht, um Hilfe zu bitten. Außerdem gibt es viele Hilfsangebote in Form von Plakaten, Internet, etc. Wie sollen sie das lesen? Analphabeten haben oft auch eine Vertrauensperson, die alles erledigt, was mit Lesen und Schreiben zu tun hat. Auf die Art fällt der Druck weg und sie empfinden nicht mehr die Notwendigkeit, etwas an der Lage zu ändern. Das Verbergen ist für sie leichter zu ertragen, als sich dem Lernprozess zu stellen, von dem man meist das ganze Leben zuvor enttäuscht wurde.

Wie gelingt ihnen das „Verbergen“?

KRUBER: Sie sind sehr gut im Auswendiglernen. Manche haben sich damit durch die ganze Schulzeit gemogelt. Im Alltag nutzen sie oft Ausreden wie: „Ich habe meine Brille vergessen.“ Manche legen sich sogar den Arm in den Gips, um in der Öffentlichkeit, zum Beispiel beim Amt, nicht mit dem Schreiben konfrontiert zu werden. Sie sind sehr kreativ und entwickeln regelrecht „Talente“ im Vertuschen.

Das Gespräch führte

Nasanin Kamani



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