Von THORSTEN MOECK, 12.03.08, 21:43h
Wenn Jo Bausch von seiner „Arbeit an der Front“ erzählt, hört sich das arg nach Kriegserzählungen an. Er spricht von selbst gebauten Waffen, von Stichwerkzeugen und von Nahkampf-Verletzungen. Die Zuhörer im Kölner Polizeipräsidium reagierten schockiert, denn Bausch ist kein Kriegsveteran, sondern Gefängnisarzt in Verl. In gleicher Rolle ist er auch in Tatort-Krimis zu sehen. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hatte am Mittwoch neben Bausch auch die Tatort-Kommissare Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt sowie Schauspieler Dirk Heinrichs eingeladen, um mit Zuhörern über die Zustände in Gefängnissen zu debattieren.
Vor zwei Jahren hat Dirk Heinrichs, bekannt aus der TV-Serie „Die Sitte“, die Initiative „Sprache gegen Gewalt“ gegründet. Inzwischen besucht er zweimal pro Woche jugendliche Straftäter in der JVA Siegburg. „Das ist der gewalttätigste Ort, den ich kenne. Mich hat das absolut schockiert“, sagte er. Die Insassen haben ihm von Vergewaltigungen, sexuellen Übergriffen und Unterdrückung erzählt, die sich beinah täglich hinter den Gefängnismauern abspielen sollen. Um Jugendlichen einen Eindruck vom Leben im Knast zu vermitteln, hat Heinrichs in Siegburg einen Dokumentarfilm gedreht, den er nun regelmäßig Schulklassen vorführt.
Kinder in Käfigen
Die Tatort-Kommissare Bär und Behrendt engagieren sich seit mehreren Jahren für philippinische Straßenkinder, die dort lange Zeit unter fadenscheinigen Gründen eingesperrt worden seien. „Dort sitzen bis zu 40 Kinder in Käfigen, in denen man noch nicht mal aufrecht stehen kann. Die Inhaftierung vieler Kinder kam mir vor wie ein Straßenreinigungsprogramm“, berichtete Behrendt. Auf den Philippinen sollen auf diese Weise bis zu 20 000 Kinder in Gefängnissen verschwunden sein. „Wir sorgen jetzt für hartnäckige Besuche und für juristische Hilfe, um die Kinder dort rauszuholen“, sagte Bär.
Deutliche Kritik übten sowohl Dirk Heinrichs als auch einige Polizisten im Publikum an den mangelnden Resozialisierungsmaßnahmen in vielen Gefängnissen. „Oft ist Gefängnis nur eine Zeitverlagerung bis zur nächsten Straftat“, sagte Heinrichs. Rüdiger Thust, Bezirksleiter des BDK in Köln, forderte eine bessere Personalausstattung bei Polizei und Justiz, um sich der Gewaltproblematik konsequent annehmen zu können, denn die Gewalt sei größer als gemeinhin bekannt.
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