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Wiedereingliederung statt wegsperren

Von CLEMENS SCHMINKE, 12.03.08, 21:43h

Der Förderverein Bewährungshilfe besteht seit 50 Jahren. Die gemeinnützige Organisation feierte ihr Jubiläum im Oberlandesgericht. Koordinator Ulrich Fiedler spricht sich klar gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts aus.

>p>Verschärfung von Strafen, Wegfall des Jugendstrafrechts für 18- bis 20-Jährige, Schließung von Jugendeinrichtungen und Streichung sozialer Hilfen - alldem erteilte Ulrich Fiedler, Koordinator der Bewährungshilfe Köln, eine klare Absage: „Das ist der falsche Weg. Junge Leute brauchen eine Perspektive.“ Fiedler gehörte zu den Rednern bei der Feier, die der Förderverein Bewährungshilfe Köln gestern im Oberlandesgericht anlässlich seines 50-jährigen Bestehen veranstaltete. Der Verein könne „sich rühmen, in der Aufbruchphase der Bewährungshilfe in NordrheinWestfalen mitgewirkt zu haben“, sagte Jan Söffing, Staatssekretär im Landesjustizministerium, und ergänzte: „Die Bewährungshilfe verkörpert das soziale Element in der Strafrechtspflege.“ Die Betreuung straffällig gewordener Menschen und deren „Kontrolle“ müssten zusammenwirken; bei der „Strukturreform der sozialen Dienste“ sei dies im Auge zu behalten.

1954 nahmen die ersten Bewährungshelfer in Köln ihre Arbeit auf. Vier Jahre später gründete sich der Förderverein, der heute rund 70 Mitglieder zählt; Vorsitzender ist Richter Wolfgang Heidemann. Zweck des Vereins ist es, die staatliche Bewährungshilfe, die in der Stadt heute 37 hauptberufliche Landesbeamte leisten, bei der Resozialisierung von Straftätern zu unterstützen - zum Nutzen der gesamten Gesellschaft. Denn die Hilfen zur sozialen Wiedereingliederung beugten dem Rückfall vor, sagte Heidemann, und schützten somit andere Bürger, Opfer einer Straftat zu werden. Bürgermeisterin Angela Spizig brachte neben dem Nutzen für den Zusammenhalt einer Gesellschaft auch den finanziellen Aspekt ins Spiel: Ein Gefängnisinsasse koste die Allgemeinheit dreimal so viel wie jemand, der eine Bewährungsstrafe bekommen hat. Wie Staatssekretär Söffing lobte sie die Aktion „wir helfen“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“, deren Fokus zurzeit darauf gerichtet ist, benachteiligte Kinder vor der Verübung von Straftaten zu bewahren und besonders gefährdete junge Menschen zu fördern, die schon Delikte begangen haben. Den Festvortrag hielt Prof. Hans-Jürgen Kerner aus Tübingen über „Bewährungshilfe und Bewährungsstrafe“.

Zu den Leistungen des Fördervereins gehören die Trägerschaft eines Wohnheims für 27 Strafentlassene, Hilfen bei Überschuldung, Anti-Aggressions-Trainings sowie die Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und einer Wohnung. Bußgeld-Zuweisungen der Justiz und Spenden machen die ehrenamtliche Arbeit möglich.



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