Von Madeleine Gullert, 14.03.08, 20:47h, aktualisiert 24.07.08, 11:10h
Meine Erfahrung ist: Eine Zuhörerschaft, die zur Hälfte aus Seniorenhörern besteht, das mag es in Geschichtsseminaren über den Zweiten Weltkrieg geben. Aber grundsätzlich ist das die Ausnahme. Irgendwo findet sich eigentlich immer ein Platz. Sollen die Leute doch pünktlich hingehen, denke ich mir.
Statt sich aufzuregen, empfehle ich, sich am besten mit einem Rentnerstudenten anzufreunden. Hat man erst einmal ein paar nette Worte gewechselt, kann man sich eines treuen Begleiters fürs ganze Semester sicher sein. Anita zum Beispiel hält mir in der Vorlesung, zu der ich regelmäßig angehetzt komme, bereitwillig einen Platz frei und leiht mir ihre Notizen, wenn ich mal gefehlt habe. Im Gegenzug erkläre ich ihr, wie man die Materialien zu der Veranstaltung aus dem Internet herunterladen kann. In einem Philosophieseminar fragt mich Günther mit besorgter Miene, „haben Sie das verstanden?“, und ich antworte nur, „nee, kein Wort“ - „Ah, gut, ich nämlich auch nicht.“ Da meine ich Günthers Erleichterung förmlich zu spüren, dass ich mit meinen biologisch noch recht frischen Gehirnzellen auch nicht in der Lage war, Sätze zu verstehen wie „seid nicht eins oder viele, seid Vielheiten! Seid der rosarote Panther!“. Ich wiederum bin ganz froh, dass man solchen Sätzen auch nach mit 50 Jahren mehr Lebenserfahrung nicht direkt einen Sinn zuweisen kann.
Vorurteile abbauenIch finde es schön, dass das Publikum in Vorlesungen so gemischt ist wie im wahren Leben. Das hilft, Vorurteile abzubauen. Natürlich gibt es sympathische und unsympathische Menschen, aber das ist ja keine Frage des Alters. Und wenn ich auch nicht behaupten kann, mich regelmäßig mit Seniorenstudenten regelmäßig zum Kaffeetrinken zu treffen, finde ich es trotzdem toll, dass ältere Menschen sich noch bilden und etwas dazulernen wollen. Solche Opas und Omas kann man sich doch nur wünschen.
Mein Favorit ist übrigens Klaus, schätzungsweise 75. Im Übersetzungskurs trägt er stets Käppi und ein T-Shirt. Darauf steht in großen Buchstaben: „Fresh Forever“. Gar nicht so übel, die „Alten“, oder?
Die Autorin (19) gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Köln-Stadt und absolviert zurzeit ein Praktikum im „Magazin“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“.
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