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Warten auf den Spezialstuhl

Von CLEMENS SCHMINKE, 16.03.08, 20:20h

Der behinderte 40-jährige Frank Kasten möchte gern Rollstuhl-Rugby spielen. Sein bisheriger Arbeitgeber, die Abfall-Wirtschaftsbetriebe, hat beim Integrationsamt die Kündigung beantragt.

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Frank Kasten sitzt in einem Spezialstuhl schon mal Probe.
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Frank Kasten sitzt in einem Spezialstuhl schon mal Probe.
Zu gerne würde er mitspielen, aber noch ist es unmöglich. „Eins ist klar“, sagt Frank Kasten, „wenn ich den Stuhl habe, lege ich los.“

Samstagmittag in der Sporthalle der Gesamtschule Holweide. Hier und in zwei weiteren Hallen in Köln läuft die Vorrunde des Bernt-Best-Turniers, des weltgrößten Rollstuhl-Rugby-Wettkampfs, zu dem 47 Teams aus 13 Ländern angereist sind. Wenigstens den Wunsch, sportlich mitzumischen, kann sich Kasten bald erfüllen. Anders sieht es mit dem Beruf aus. Darüber hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ Anfang des Jahres berichtet. Durch das Medienecho war der Finanzdienstleister Colonia-Inkasso auf den Fall aufmerksam geworden. Er erklärte sich bereit, die Kosten eines Sportrollstuhls - 5700 Euro - für den 40-Jährigen, der seit dreieinhalb Jahren nicht mehr gehen kann, zu übernehmen. Mit der Anfertigung wurde die Schmicking Reha Technik GmbH beauftragt. Sie hat das Turnier begleitet, um im Notfall technische Schäden beheben zu können. „So ein Stuhl muss am Körper sitzen wie ein Schuh am Fuß“, sagt Thomas Schmicking.

Im Oktober 2004 hatte sich das Leben für Frank Kasten schlagartig geändert. Damals arbeitete er als Straßenreiniger bei den Kölner Abfall-Wirtschaftsbetrieben (AWB). Mit Ehefrau Maria und Tochter Alicia besuchte er einen Hallen-Spielplatz in Bensberg. Als er auf einem Trampolin Saltospringen übte, schlug er bei einem Sturz so unglücklich auf, dass zwei Halswirbel brachen. Seitdem ist Kasten von den Schultern an abwärts querschnittsgelähmt. Inzwischen kann er wieder Arme und Handgelenke bewegen, die Finger sind taub geblieben. Mit Hilfe von Spezialhandschuhen treibt er die Räder seines mechanischen Rollstuhls an.

Nach langem Krankenhausaufenthalt kehrte Kasten in die Doppelhaushälfte in Höhenhaus zurück, in die er zwei Jahre zuvor mit seiner Frau, die für seine Betreuung ihren Beruf als Erzieherin aufgab, und vier Töchtern gezogen war. Mit viel Geduld kämpften die Kastens erfolgreich um den behindertengerechten Umbau des Hauses. In einem anderen Kampf drohen sie zu unterliegen. In der Hoffnung, die AWB würden ihm einen Arbeitsplatz im telefonischen Kundenservice anbieten, absolvierte Frank Kasten 2007 eine „individuelle Qualifizierung“. Umso größer die Enttäuschung. „Die AWB haben jetzt beim Integrationsamt die Kündigung beantragt“, sagt Maria Kasten, die mit in die Sporthalle gekommen war. „Wenn man sich hier umguckt, sieht man doch, was Schwerbehinderte können.“

Frank Kasten will aus seiner Lage das Beste machen. Auch im Sport. „Ich werde Abwehrspieler“, erklärt er. Dass er zu den schwer Beeinträchtigten zählt, muss beim Zuschnitt des Sportrollstuhls berücksichtigt werden. Acht bis zehn Wochen muss Kasten warten, bis er seinen Stuhl „anprobieren“ kann. Einem Bekannten auf dem Spielfeld ruft er zu: „Wir sehen uns.“



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