Von ANJA KATZMARZIK, 18.03.08, 19:33h
Seit er vier ist und der Vater die Familie verließ, reagiert der Junge mit Aggression. „Ich weiß nicht mehr, wie ich mit ihm ungehen soll, ohne zu schreien“, muss die 38-jährige Sachbearbeiterin eingestehen. „Dabei will ich harmonisch mit meinem Sohn zusammenleben.“ In einem Workshop für Eltern und Kinder mit den Familientherapeuten Sabine Schönbrunn-Otto und Klaus Otto suchte sie sich Hilfe.
Um mehr „Wir-Gefühl“ zu fördern, boten diese einen dreitägigen Workshop kostenlos an der Bernkasteler Straße an und baten nur um Spenden für „wir helfen“. Der psychologische Ansatz der beiden Buchautoren geht davon aus, dass „pro-aktives“ Verhalten die Hilflosigkeit vieler Eltern, immer nur reagieren zu müssen und zu können, ablösen muss. Dazu müssten Eltern jedoch erst einmal ihre eigenen Bedürfnisse kennenlernen.
Dass nicht nur Kinder, sondern auch Eltern lernen müssen, „richtig zuzuhören“, nahm Udo Emminghaus aus Klettenberg für sich aus dem Training mit. Der 46-jährige Verwaltungsangestellte lebt ebenfalls von seinen Kindern getrennt. „Ihnen beim Reden richtig in die Augen zu schauen und keine Störungen zuzulassen“, übte er, während sein Sohn Niklas (10) mit den beiden Erlebnispädagogen Eva Maaßen-Quotschalla und Markus Quotschalla in der Turnhalle Brücken bauen, Räuberball und Fußball trainierte. Am dritten Tag bildeten Erwachsene und Kinder dann gemeinsam den ersten „Familienkreis“, um gleichberechtigt Regeln zu vereinbaren.
Gülsen Engin (38), selbständige Reiseverkehrsfrau und Mutter von zwei Töchtern, hat gelernt, „nicht immer so viel nach dem Warum zu fragen“ und „sich mehr selbst zu lieben“. Dann falle auch die Erziehung leichter. „Der Zauber hat schon gewirkt.“ Sich die Liebe für die Kinder bewusst zu machen und Positives zu betonen sei der Schlüssel, sagt Klaus Otto. „Dann brauchen wir keine Kurse mehr.“ Auch wenn es schwer fällt für Eltern unter Druck.
Petra Hochmann ist stolz, dass sie das Wochenende investiert hat. Sie hat verstanden, dass sie nicht allein Probleme hat, und dass nicht ihr Sohn Hilfe braucht, „sondern ich“. Sie will sich weitere Hilfe suchen. „Ich muss meinen Weg gehen. Nur so kann das auch mein Sohn lernen.“
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Hedwig Neven DuMont
Viele Kinder leiden unter Depressionen, Lernbehinderungen und Krankheit. Manche werden als „sozial gestört“ abgestempelt. Sie alle brauchen unsere Hilfe. Hilfe, um aus ihrem dunklen seelischen Loch herauszukommen. Hilfe durch gesunde Freizeitangebote und das Teilhaben an Sport und anderem mehr.
Diese Kinder müssen wir an die Hand nehmen und ihnen eine Chance geben, körperlich und seelisch zu gesunden. Unser Thema bis Oktober 2012 lautet deshalb: „wir helfen – um alle Kinder hier an die Hand zu nehmen.“

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