Von STEFANIE SCHMIDT, 24.03.08, 21:00h, aktualisiert 25.03.08, 08:42h
Das Buch im Kopf
Da es als bislang unbekannter Autor aber bekanntermaßen schwierig ist, einen Verlag von seinem Manuskript zu überzeugen, wandte sich Schaefer mit seinem Werk „Ruhe in der Rastlosigkeit“ an Books on Demand (BoD).
BoD ist der größte europäische Publikationsdienstleister im Internet. Ebenso wie beim Konkurrenten Tredition kann hier jeder sein eigenes Buch veröffentlichen. „Jeder hat doch ein Buch im Kopf“, sagt Friederike Künzel, Sprecherin von Books on Demand. „Die Herausforderung besteht darin, es zu veröffentlichen. Buchverlage bekommen täglich Berge von Manuskripten zugeschickt und senden sie häufig zurück, ohne sie wirklich zu lesen. Über das Internet ist es dagegen ganz einfach und kostengünstig, ein Buch zu veröffentlichen.“
Die Beweggründe, ein Buch zu schreiben, seien ganz unterschiedlich, berichtet Künzel. Manche Leute haben schon immer den Traum, den eigenen Namen auf einem Buchcover zu lesen, andere wollen ihr Wissen mit anderen teilen und wieder andere verarbeiten Erlebtes, indem sie es niederschreiben. Marianne Cranen etwa veröffentlichte über BoD das Tagebuch ihrer mit 16 Jahren an Krebs verstorbenen Tochter Jennifer. Mit der Veröffentlichung verarbeitet nicht nur die Mutter ihren Schmerz, es war auch der große Wunsch von Jennifer - und zudem dient der Verkauf einem guten Zweck. „Ich will nicht, dass ihr weint“ führte lange die Bestsellerliste an, und den Erlös stellt Cranen der Deutschen Kinderkrebshilfe zur Verfügung.
Der Kreativität der Autoren sind keine Grenzen gesetzt: Von Tipps zu Tiernahrung über fiktive Abenteuerromane bis zu Gedichtsbänden, jedes Thema ist willkommen. Im Gegensatz zu Verlagen, bei denen von jedem Buch eine bestimmte Auflage publiziert wird, drucken Tredition und Books on Demand Bücher erst bei Bestellung. Mehr als 70 000 Bücher wurden über BoD so bereits veröffentlicht, und monatlich kommen rund 500 neue dazu. Der Autor kann wählen, ob sein Buch nur über den hauseigenen Buchshop des Anbieters vertrieben werden soll, oder das Werk eine ISBN-Nummer erhält und dadurch auch über Internetvertriebe (wie amazon.de oder buecher.de) oder den Buchhandel bestellt werden kann. Zudem kann der Autor zwischen verschiedenen Arten der Betreuung wählen: Buchcover, Layout, Schrift, Bilder und Klappentext - alles können Autoren selbst per Internet erstellen, oder sich dabei assistieren lassen (Beispielrechnung für Kosten und Verdienstmöglichkeiten siehe Kasten).
Schaefer machte alles selbst: „Das war mir schon wichtig, man hat ja eine Vorstellung, wie das eigene Buch aussehen soll.“ Der Erfolg gab ihm recht. Mehrere Tausend Bücher hat er bereits verkauft und 2006 auf der Leipziger Büchermesse den BoD-Autoren-Award verliehen bekommen.
Reich wird man nichtHauptberuflich bleibt Schaefer allerdings Tropenmediziner - vom Schreiben kann und will er nicht leben. Durchschnittliche 22 Prozent des Ladenpreises erhalten die Autoren beim Verkauf eines Buchs. „Reich werde ich davon nicht, vielleicht kann ich von dem Geld meine Stromrechnung bezahlen“, berichtet Schaefer. „Ich weiß aber auch nicht, ob ich unter Druck schreiben könnte. So ist es mir lieber. Ich habe ein festes Standbein, meinen Beruf als Arzt, und ein Tanzbein - die kreative Tätigkeit.“
Trotz seiner guten Erfahrungen warnt Schaefer ambitionierte Autoren vor zu hohen Erwartungen. „Books on Demand ist eine tolle Möglichkeit für jeden, der eine Idee hat und gerne mal sein eigenes Buch veröffentlichen will. Ich würde es jederzeit wieder machen. Auf die Hoffnung, darüber eine Schriftstellerkarriere starten zu können, sollte man sich aber nicht allzu sehr versteifen. Das ist sehr, sehr schwierig.“ Schließlich ist es in der unglaublichen Menge an Büchern im Internet sehr schwierig, aus der Masse hervorzutreten. Wer aber davon träumt, seinen eigenen Namen auf einem Buchcover zu sehen, ohne zu große Ambitionen damit zu verbinden, findet im Internet eine günstige Möglichkeit. Schaefer jedenfalls ist von der Schriftstellerei infiziert. Ein zweites Buch ist schon in Arbeit. Sollte sich dafür allerdings ein Verlag interessieren, würde Schaefer ein gutes Angebot nicht ablehnen. Dann kann er zukünftig von der Schriftstellerei vielleicht sogar mehr als nur die Stromrechnung bezahlen.
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