Schriftgröße

Warten auf den Monolith

Von CHRISTIAN BOS, 19.03.08, 21:18h

"2001"-Autor Arthur C. Clarke ist auf Sri Lanka gestorben. Der Visionär entwarf auch das Konzept eines geostationären Satelliten. Clarke gilt als einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts.

Bild: Archiv
Bild vergrößern
Das Plakat zum Kubrick-Film "2001 - Odyssee im Weltraum".
Bild: Archiv
Bild verkleinern
Das Plakat zum Kubrick-Film "2001 - Odyssee im Weltraum".
Spätestens in den 60er Jahren, sagte Arthur C. Clarke einmal voraus, werden wir Menschenaffen als Haushaltshilfen beschäftigen. Auch ein Visionär kann sich mal irren. Der Autor, Erfinder und Futurist Sir Arthur C. Clarke hat sich in seinem langen Leben erstaunlich selten geirrt. In der Nacht zum 19. März ist Clarke im Alter von 90 Jahren in seinem Haus auf Sri Lanka an den Spätfolgen einer Kinderlähmung gestorben, die ihn seit 1988 an den Rollstuhl fesselte.

Schon als kleiner Junge im Küstenstädtchen Minehead in der englischen Grafschaft Somerset galt Clarkes Blick den unendlichen Weiten über ihm - und den fantastischen Groschenromanen, die ihm Matrosen von der anderen Seite des Atlantiks mitbrachten. Ein Teleskop hatte sich der junge Clarke, der aus bescheidenen Verhältnissen stammte, selbst gebastelt. Später fehlte das Geld fürs Studium. Nur dank seines Einsatzes als Spezialist für Radar-Technik im Zweiten Weltkrieg konnte Clarke schließlich in Mathematik und Physik abschließen.

Seine Karriere als einer der meistgelesenen und bedeutendsten Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts begann erst Ende der 40er Jahre. Da hatte sich Clarke seinen Platz in den Geschichtsbüchern schon gesichert. In dem Essay „Extraterrestrische Relais - Können Raketenstationen weltweit Radiowellen übertragen?“ hatte er als Vorsitzender der Britischen Interplanetarischen Gesellschaft 1945 vorgeschlagen, geostationäre Satelliten als Übertragungsstationen zu nutzen. Heute stauen sich über 200 Telekommunikations-Satelliten in 35 880 Kilometern Höhe über dem Äquator, der dem Visionär zu Ehren auch „Clarke Orbit“ genannt wird. In dieser Höhe folgt ein Satellit der Erddrehung, befindet sich so immer über demselben Punkt und erlaubt uns weltweite Fernseh-, Hörfunk- oder Telefonübertragungen. Trotz dieser weitreichenden Idee wird Arthur C. Clarke den meisten Menschen jedoch als Autor von „2001 - Eine Odyssee im Weltraum“ in Erinnerung bleiben.

Stanley Kubrik hatte Clarke auf seine alte Kurzgeschichte „The Sentinel“ angesprochen, gemeinsam spannen die Meister ihres jeweiligen Fachs im New Yorker Chelsea Hotel die Idee von einer außerirdischen Intelligenz, die die menschliche Entwicklung ganz außerordentlich beschleunigt, weiter. Dann setzte sich Clarke vor seine Schreibmaschine, erfand mit HAL 9000 den furchterregendsten Computer der Literaturgeschichte - und Kubrick drehte sein Opus magnum.

Die Idee einer evolutionären Transzendenz des Menschen verfolgte Clarke immer wieder, sie verleiht vielen seiner Werke - fast 40 Romane und Hunderte von Kurzgeschichten - religiöse Obertöne. Obwohl der erklärte Atheist die Vereinnahmung der Moral durch die Religion als die größte Tragödie in der Geschichte der Menschheit bezeichnete. Doch während Clarke das Glück beschieden war, zahlreiche seiner optimistischen Voraussagen eintreffen zu sehen - eine Mondlandung bis zum Jahr 1970, die weltweite Vernetzung der Computer, Mobiltelefonie -, ließ der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit auf sich warten. Und 2001 wurde das Jahr, in dem die Türme stürzten, kein schwarzer Monolith in Sicht. Da wirkte es fast rührend, als Clarke im vergangenen Dezember anlässlich seines 90. Geburtstag via „Youtube“ seine letzte Botschaft vertrieb, in der er sich einen Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens wünschte.

Bedenkt man Clarkes berühmtes Axiom, dass jede hinreichend fortschrittliche Technologie nicht von Magie zu unterscheiden wäre - was wohl auch die Technologie umfasst, die Außerirdischen einen Besuch bei uns erlauben würde -, so scheint sich der greise Visionär nichts weniger als ein Wunder gewünscht zu haben. Sein privates Wunderreich der Schwerelosigkeit fand Clarke nicht im Weltraum, sondern im Meer. Bereits 1956 wanderte er nach Sri Lanka aus, wo er seiner Tauchleidenschaft ungehindert frönen konnte. Eigentlich, so Clarke, müsste die Erde „Ozean“ heißen. Auf seinen Sternfahrten ließ sich Clarke jedenfalls nicht von der Anziehungskraft derselben niederdrücken.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


WAS.WANN.WO.


Bildergalerien


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Studio DuMont


Video


Kolumne


Extra


Stadtmenschen Community


Extra


Die andere Meinung


ksta shop


Links


Dienste