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Domian wird zum Roman-Autor

Erstellt 25.11.09, 00:43h

Nacht-Talker Jürgen Domian hat einen Roman geschrieben. In „Der Tag, an dem die Sonne verschwand“ geht es um die Frage, wie man richtig lebt. Tim Stinauer und Bastian Ebel sprachen mit dem Neu-Autor.

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Jürgen Domian schiebt Träume nicht vor sich her.
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Jürgen Domian schiebt Träume nicht vor sich her.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Domian, warum haben Sie einen Roman geschrieben?

JÜRGEN DOMIAN: Das war immer mein Traum. Ich habe viele Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben, nur so für mich. Vor etwas Umfangreicherem hatte ich immer Respekt. Mit 50 bin ich aber jetzt in einem Alter, wo man Träume nicht mehr vor sich herschieben sollte.

Sie sind ein Nachtmensch, haben Sie auch nachts geschrieben?

DOMIAN: Nein, eher an den Wochenenden. Wenn ich von der Sendung nach Hause komme, ist der Adrenalinspiegel noch zu hoch. Dann kann ich aber ganz gut Korrektur lesen. Das hilft mir auch, etwas herunterzukommen.

Fällt Ihnen das Schreiben leicht?

DOMIAN: Bevor ich mich an den Schreibtisch setze, brauche ich immer eine gute Stunde, um eine Art meditative Stille zu erreichen. Meist lese ich dann anspruchsvolle Literatur, Dostojewski oder Goethe. Das Schreiben macht mir viel Spaß, ich kann aber auch sehr verzweifelt werden, wenn ich mehrere Stunden an zwei drei Sätzen tüftele, bis ich das richtige Wort gefunden habe.

Wie kann man sich die Verzweiflung vorstellen? Schmeißen Sie Gegenstände an die Wand?

DOMIAN: Nein, ich werde nicht gewalttätig und nehme auch nicht meine Wohnung auseinander. Das Gefühl erinnert mich eher an meine Studentenzeit, wo man sich quälte, weil man mit irgendetwas nicht weiterkam. Man steht auf, lenkt sich ab, geht zum Kühlschrank, auf den Balkon oder stellt den Fernseher ein.

In Ihrem Roman „Der Tag, an dem die Sonne verschwand“ geht es um Schuld, Einsamkeit und Tod . . .

DOMIAN: . . . und um die Frage, wie man richtig lebt.

Klingt eher düster und bedrückend. Ist es ein pessimistisches Buch?

DOMIAN: Nein, überhaupt nicht, die Handlung erscheint erst mal finster. Aber im Grunde ist es ein positives Buch. Zentrale Aussage ist die Hoffnung und die Gewissheit, dass man immer wieder die Chance hat, neu anzufangen, egal, welche Schuld man zu verantworten hat.

Haben Sie denn, womöglich auch aus den mittlerweile 18 000 Gesprächen, die Sie in Ihrer Sendung mit Anrufern geführt haben, eine Ahnung davon, wie man richtig lebt?

DOMIAN: Ich glaube, es ist schon ein guter Erfolg, wenn man niemandem schadet. Alles, was darüber hinausgeht, verdient großen Respekt.

Sie haben als Jugendlicher kein einziges Buch gelesen. Wie kam das?

DOMIAN: Ich bin erst mit knapp 18 auf ein Gymnasium gewechselt. Vorher, in der Ödnis Gummersbacher Hauptschulpädagogik, bin ich weder mit Literatur noch mit Kunst und Musik konfrontiert worden. Ein großes Versäumnis, wie ich finde. Mein erstes Buch, Hermann Hesses „Steppenwolf“, habe ich dann in einer Nacht verschlungen.

Was lesen Sie zurzeit?

DOMIAN: Ich lese meistens mehrere Bücher gleichzeitig. Im Augenblick „Ach, Glück“ von Monika Maron, „Die Offenbarung“ von Robert Schneider und ein Sachbuch über die Romantik.

Ulrich Wickert sagte mal, für ihn sei Ihre Sendung im WDR „gelebte Literatur“. Wissen Sie, was er meint?

DOMIAN: Ich kann es mir vorstellen. In der Sendung taucht eine ungeheure Vielfalt an menschlichen Befindlichkeiten und Biografien auf. Ich kriege oft Post von Schriftstellern, die mir schreiben, dass sie sich von der Sendung inspirieren lassen.

Sie moderieren „Domian“ seit 13 Jahren. Haben Sie noch Lust?

DOMIAN: Ja, sehr. Die Fernsehquoten sind derzeit so hoch wie nie. Das freut mich riesig, erklären kann ich das aber auch nicht. Ich würde Schluss machen, wenn das Publikum das Interesse verlieren oder ich die anstrengende Nachtarbeit gesundheitlich nicht mehr schaffen würde.

Das Gespräch führten Tim Stinauer und Bastian Ebel



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