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Gehörlos - nicht wehrlos

Von KIRSTEN BOLDT, 25.03.08, 21:13h, aktualisiert 25.03.08, 21:13h

Die Johann-Joseph-Gronewald-Schule konnte durch die "wir helfen"- Spende profitierten. Ein Beispiel für Unterstützung aus einer ehemaligen Aktion gegen sexuellen Missbrauch.

Bild: TPW
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Bild eines Kindes, gemalt nachdem es ein Stück der Theaterpädagogischen Werkstatt gesehen hatte.
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Bild eines Kindes, gemalt nachdem es ein Stück der Theaterpädagogischen Werkstatt gesehen hatte.
Köln - Es ist eine Erfolgsgeschichte, die vor vier Jahren nur mit Spenden möglich wurde: Mit 6500 Euro konnten behinderte Kinder mit Gebärden-Theater über sexuellen Missbrauch aufgeklärt werden, eine eigene Unterrichtsreihe für vier Schulklassen an der Johann-Joseph-Gronewald-Schule für Hörgeschädigte schloss sich an.

Gehörlose Kinder sind besonders stark von sexuellem Missbrauch betroffen. Sie haben oft nur eine eingeschränkte Kommunikation und ein geringes Selbstwertgefühl, was vom Täter schamlos ausgenutzt wird. Während Schätzungen bei nichtbehinderten Mädchen und Jungen von 25 Prozent und zwölf Prozent ausgehen, sollen in England, den USA und Deutschland 50 Prozent aller gehörlosen Mädchen und 54 Prozent aller gehörlosen Jungen betroffen sein. Prävention ist hier von besonderer Bedeutung.

Initiiert von der Stiftung Taubstummenhilfe erhielt die Schule 6500 Euro von „wir helfen“. Mit dem Geld seien verschiedene Projekte angeschoben worden, berichtet Schulleiterin Sigrid Bauschulte. „Die Schüler brauchen praktische Schulungen durch Fachkräfte. Das sieht der Lehrplan jedoch nicht vor.“

Von der Spende konnte die Theaterpädagogische Werkstatt ihr Stück „Mein Körper gehört mir“ , das Schülern im dritten und vierten Schuljahr gezeigt wird, in eine Form für hörgeschädigte Kinder namens „Lena und Marc“ umwandeln - mit deutscher Gebärdensprache oder mit Lautsprache unterstützten Gebärden. Von den Spenden konnten die Schauspieler bezahlt werden. Es blieb auch noch genügend Geld übrig, um Anja Dietzel zu engagieren. Sie ist bundesweit die einzige Gehörlosenpädagogin, die speziell zum Thema sexuelle Gewalt gegen hörgeschädigte Kinder und Jugendliche arbeitet. Die Mitbegründerin des Arbeitskreises „Sexueller Missbrauch gegen hörgeschädigte Mädchen und Jungen“ in Köln richtete 2004 die erste Kontakt- und Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt für Menschen mit Hörschädigung oder anderen Einschränkungen ein - und stärkt diese durch Prävention.

In zehn bis zwölf Doppelstunden konnten dank „wir helfen“ Kinder aus vier Klassen trainieren, sich selbst besser wahrzunehmen, ihr Verhalten zu überprüfen und das anderer einzuschätzen. Schon in der kurzen Zeit erlebte Dietzel „gewaltige Veränderungen bei den Kindern“. Abgelehnte Schüler, die als „Rüpel“ galten, weil sie falsche Signale aussendeten, wurden offene, beliebte Kinder, weil sie sich auch über ihre Körpersprache passender ausdrücken konnten.

Auch die Gefahren von Handy-Kontakten und Chatten wurden angesprochen. „Da sind Hörgeschädigte besonders gefährdet.“ Bauschulte dankt allen Spendern: „Mit dem Geld haben wir viel erreicht.“ Nun werden für weitere Schulungen neue Sponsoren gesucht.

 www.theaterpaed-werkstatt.de

 www.gronewaldschule.de

 www.dietzel-coaching.de



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