Erstellt 27.03.08, 21:15h
INGO NAUJOKS: Wieso lernen? Mein jüngster Sohn, Lou, ist gerade mal ein Jahr alt. Diese Problematik habe ich jeden Morgen zu Hause.
Könnten Sie sich auch vorstellen, dass Sie den Hausmann abgeben?
NAUJOKS: Ich hätte kein Problem damit, nur unser Kind zu betreuen und Hausarbeit zu machen. Aber als Schauspieler neigst du dazu, fast jede Rolle anzunehmen, weil du glaubst, es könnte für lange Zeit deine letzte sein.
Dabei drehen Sie unentwegt. 2007 haben Sie elf Fernsehfilme und zwei Kinofilme gemacht. Das sieht nach Workaholic aus.
NAUJOKS: So ist das nicht, aber ich bin irgendwo auch ein Sicherheitsmensch, muss wegen der sozialen Absicherung viel drehen. Als geschiedener Mann habe ich noch eine zweite Familie zu betreuen.
Als junger Mann waren Sie Punkmusiker, Zauberer, zorniger Theatermacher.
NAUJOKS: Viele Weichen stellen sich ohne eigenes Zutun. Mann kann es wohl nur jugendlichen Wahnsinn nennen, wenn man wie ich mit 20 sagt, dass man ohnehin nicht alt wird. Das ist einfach die Großkotzigkeit der Jugend.
Was verschlägt einen Bochumer Jungen, der im Ruhrgebiet Straßentheater gemacht hat, nach Berlin?
NAUJOKS: Die TV-Krimireihe „Die Straßen von Berlin“. Ich war 1997 für Peter Lohmeyer eingestiegen, traf dort auf tolle Kollegen: Uwe Ochsenknecht, Hannes Jaenicke, Martin Semmelrogge, Dietrich Mattausch, Nadeshda Brennecke . . . Beruflich war das die schönste Zeit meines Lebens. Wir haben da richtig Cowboy und Indianer gespielt.
Zehn Jahre zuvor hatten Sie sich noch vergeblich um die Aufnahme am Bochumer Schauspielhaus beworben . . .
NAUJOKS: . . . mit der wunderbaren Rolle aus „Taxidriver“. Darüber waren sie dann doch etwas irritiert.
Und dann wollten Sie wieder vergeblich Tierpräparator werden?
NAUJOKS: Das war vorher. Ich wusste nicht wohin mit mir, bin immer nur dahin gegangen, wo meine Kumpels auch hin sind. Einer hat sich als Polizist beworben, also bin ich mitgegangen. Gott sei Dank bin ich bei allem durchgefallen.
In letzter Zeit ging die Reise aber mehr ins komödiantische Fach. Wegen des Spaß-Faktors?
NAUJOKS: Nee. Am liebsten sind mir immer die Figuren, die sowohl Humor, aber auch eine gewisse Tragik haben. Ich denke da vor allem an die Filme mit Armin Rohde als Partner, wo mein Herz dran hing. In Zeiten des Comedy-Booms hat sich das mit den komischen Rollen entwickelt, und heute sind von zehn Angeboten acht irgendwo Comedy.
Jetzt mischen Sie schon ein paar Jährchen an der Seite von Maria Furtwängler im „Tatort“ mit.
NAUJOKS: Obwohl ich kein Ermittler bin, kein Pathologe, keiner, der was zu sagen hat. Aber die Figur scheint den Leuten ans Herz gewachsen zu sein, so dass man mich da mit durchzieht. Das verdanke ich wohl wirklich dem Publikum, und darauf bin ich sehr stolz.
Wann schnackelt es denn mal richtig zwischen den beiden?
NAUJOKS: Bin ich Drehbuchschreiber? Im Ernst: Solange die Zuschauer dieses „Hänsel und Gretel“-Spiel zum Schmunzeln finden und wir das bedienen können, ist doch alles okay. Wechsle nie ein erfolgreiches Team aus.
Die neue „Tatort“-Folge spielt in einem Kleingartenverein, in dem Hobbygärtner auf groteske Weise ihr Leben verlieren. Können Sie die Schrebergarten-Mentalität nachempfinden?
NAUJOKS: Natürlich. Mein Onkel Willi hatte eine Gartenlaube in Bochum-Dahlhausen, wo ich lange Jahre gelebt habe. Zwei Zimmer, ein Kanonenofen. Da bin ich mit 18 eingezogen. Da haben Freunde und ich unsere ersten Flaschen Bier aufgemacht und zum ersten Mal Mädels eingeladen.
Kennen Ihre Kinder das noch?
NAUJOKS: Nee, heute ist alles eine Etage höher angesiedelt. Heute hat man hoffentlich wie ich gute Kumpel, die zum Beispiel ein kleines Häuschen auf Sardinien haben. Das sind die Schrebergärten des 21. Jahrhunderts.
Sie haben noch keine Hazienda?
NAUJOKS: Dafür reichen die Gagen leider doch nicht. Aber das wär schon toll. Zwei Zimmer irgendwo in Meer-Nähe und eine Veranda zum Draußen-Schlafen. Mehr braucht der Mensch doch gar nicht.
Das Gespräch führte
Harald Heinzinger
„Tatort: Erntedank e.V.“, ARD, Sonntag, 30. März, 20.15 Uhr.
Wh. „Tatort: Lastrumer Mischung", NDR, Montag, 31. März, 21 Uhr.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige