Von HOLGER PAUL, 28.03.08, 22:10h
Regelmäßige Bewertung
Die internationalen Bilanzregeln (IFRS) verlangen von den Banken, dass sie ihre Bestände regelmäßig neu bewerten. Und das heißt derzeit, dass viele Institute wegen des fehlenden Handels zu massiven Abschreibungen gezwungen sind - was die Abwärtsspirale immer weiter antreibt. Führende Bankenmanager plädieren deshalb dafür, die Bilanzregeln vorübergehend zu lockern. Die tägliche Neubewertung der Wertpapiere zu Marktpreisen sollte rückwirkend zum 1. Januar ausgesetzt werden, forderte Bankenpräsident Klaus-Peter Müller unlängst.
Noch konkreter äußerte sich am Donnerstag Hermann Merkens, der Finanzvorstand der Wiesbadener Aareal Bank. Den Banken solle einmalig erlaubt werden, dass sie einen Teil ihrer Bestände aus dem Handelsbuch herausnehmen und als langfristige Eigenanlage („held to maturity“) verbuchen können. Diese Papiere müsste die Bank dann auch bis zur Endfälligkeit halten, statt sie - wie ursprünglich geplant - nur kurzzeitig zu besitzen, so Merkens. Wenn die Banken ihre Handelsbücher auf diese Weise teilweise säubern dürfen, dann könnte das Vertrauen in die noch übrig gebliebenen Papiere rasch ansteigen und der Handel insgesamt wieder in Gang kommen, lautet das Kalkül.
Schwierriger Einigungsprozess
Allerdings wäre eine solche Lockerung der Bilanzregeln nur wirksam, wenn sie international für alle gelten würde - ein Einigungsprozess könnte sich indes langwierig gestalten. Manche Experten warnen auch vor einem solchen Schritt. „Banken sollten eigentlich nicht gegen die Marktbewertung agieren“, sagt der Hohenheimer Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. Der Vorschlag sei zwar in der aktuellen Situation nachvollziehbar, würde aber die Risiken in den Bilanzen eher noch mehr verschleiern statt sie aufzudecken. Nach Ansicht seines Kollegen Schiereck rechtfertigt der gegenwärtige „komplette Marktzusammenbruch“ jedoch eine solche Maßnahme. Denn es sei deutlich geworden, dass die IFRS-Regeln nur funktionieren, wenn auch die Finanzmärkte funktionieren. Unterdessen rückte die Bundesbank wegen der Finanzmarktkrise von ihrer Wachstumsprognose für 2008 ab. An der Vorhersage von einem Wachstum von 1,6 Prozent müssten aus heutiger Sicht „gewisse Abstriche“ gemacht werden, so Präsident Axel Weber. Die EZB hat zusätzlich bis zu 150 Milliarden Euro in den Geldmarkt gepumpt. Zudem gab es wegen der Krise im ersten Quartal deutlich weniger Fusionen und Übernahmen von Firmen. Das Volumen brach um 31 Prozent auf 661 Milliarden Dollar ein. (mit dpa)
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