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Es lebe Richard Yates!

Von MARTIN OEHLEN, 02.03.08, 10:43h, aktualisiert 02.03.08, 10:45h

Richard Yates gilt Großmeister der zeitgenössischen Literatur. Roger Willemsen, Maria Schrader und Joachim Król begeisterten das lit.Cologne-Publikum mit einer Lesung seines in Vergessenheit geratenen Oeuvres.

Bild: Worring
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Joachim Król, Maria Schrader und Roger Willemsen (v.l.)
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Joachim Król, Maria Schrader und Roger Willemsen (v.l.)
Ausgrabungen, Wiederbelebungen, Aufbauprogramme - das gehört zu den edelsten Aufgaben eines literarischen Festivals. Ob in Edinburgh, Berlin oder Köln. Die lit.Cologne widmete jetzt eine dieser Tätigkeiten Richard Yates (1926-1992), dem amerikanischen Autor von Schattenseiten aller Art, von enttäuschten Illusionen und seelischen wie körperlichen Verwüstungen. Der allgegenwärtige, insgesamt fünf Mal auftretende Roger Willemsen moderierte auch hier. Er jagte durch die krisen- und krankheitsgeschüttelte Vita des Mannes aus New York, die dieser in sieben Romanen und zwei Erzählbänden ziemlich lebensnah zur Ansicht gegeben hat. Kurioserweise hielt Willemsen - von all den Erläuterungen getrieben, die in die Öffentlichkeit drängten - während seiner Einsätze nur einmal kurz inne, als er sagte, dass Robert Kennedy in seinen Reden nie eine Pause gemacht habe. Wohl für eine Zehntelsekunde schoss es ihm da durch den Kopf, dass er gerade ganz ohne Atemholen sein Programm abschnurren ließ.

Den Triumpf der Vortragskunst demonstrierten dann die Schauspieler Maria Schrader und Joachim Król - ja, ihre Lesungen aus "Zeiten des Aufruhrs" und "Easter Parade" gehörten zum Besten, was man seit langem auf einer Lesung erleben konnte. Während Schrader mit feiner Modulation und dezenter Mimik eine Ehekrise plus Geschwister-Distanz beklemmend zum Leben erweckte, stemmte sich Krol immer heftiger und tiefer und brennender in einen Ehestreit hinein: Da zupfte er mit der Linken an seiner Jackettasche und deutete mit der Rechten an, wie es ist, wenn man ein Wasserglas umgestoßen hat. Das war: bannend.

Man kann es nicht anders sagen: Den Auftrag, das Herz für die Texte von Richard Yates zu wärmen, den angeblich so sehr Vergessenen, ist dem Trio gelungen. Die Eingangs-Bitte von Werner Köhler, einem der Verantwortlichen der lit.Cologne, den späteren Abend zu nutzen, um von Yates zu künden, werden nicht wenige im ausverkauften Schauspielhaus gefolgt sein. Es sind deprimierende Texte, "dem Scheitern abgerungen", wie es so schön hieß. Aber es sind Texte von einer Sensibilität, einer Genauigkeit und einer Glaubwürdigkeit, die sehr lesenswert sind.



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