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Karaoke mit Quote

Von Martin Weber, 09.03.08, 09:26h, aktualisiert 09.03.08, 12:35h

Nach länger als die Wok-WM von Stefan Raab, aber immerhin kam auch hier der Beste am Ende weiter: Martin Weber hat sich mit "Deutschland sucht den Superstar" die Nacht um die Ohren geschlagen.

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Die 15 Kandidaten am Samstag Abend
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Die 15 Kandidaten am Samstag Abend
Der Sender, auf dem der Schmerz an diesem Fernsehsamstagabend am geringsten ist, wird auf der Fernbedienung nicht eingestellt. Okay, die ARD sediert ihr Publikum mit dem „Musikantenstadl“. Aber auf ProSieben läuft immerhin die „TV total Wok-WM 2008“, und das ist ohne Frage ein herrlich sinnbefreites Spektakel, das gar nicht erst vorgibt, dieses oder jenes zu wollen. Ehedem erfolgreiche Sportler und Dauergäste des Privatfernsehens schnallen sich asiatische Kochutensilien unter die Hintern und schlittern eine Bobbahn herunter: that’s it. Und eben da liegt der große Unterschied zu DSDS: RTL behauptet seit 2002, den Superstar zu suchen – und dabei geht es alle Jahre wieder nur darum, neue Vermarktungsketten zu bilden, damit die seit Jahren darbende musikverarbeitende Industrie ein paar Wochen lang nicht ganz so doll schwächelt.

Die Quoten stimmen

Immerhin: Die Quoten stimmen bei „DSDS“, und deshalb wird die ganze Angelegenheit mit der 5. Staffel noch ein bisschen mehr aufgeblasen: 15 Kandidaten kämpfen in der Livesendung um den Einzug in die Mottoshows, zehn kommen weiter; fünf davon bestimmt das Publikum per Telefonvoting, fünf bestimmt die Jury. Wir dürfen also gespannt sein, welchen Jux sich die kleinen Mädchen mit ihren Prepaid-Karten-Handys erlauben werden. Und wir werden erfahren, wem die Jury – bestehend aus dem Solarium-Opfer Dieter Bohlen, der aufdringlich begeisterungsfähigen Anja Lukaseder und dem schwäbischen Lautsprecher Andreas „Bär“ Läsker – das Amt des Superstars auf Zeit zutraut. Durch die Show führt der stufenlos einstellbare RTL-eigene Moderationsroboter Marco Schreyl, und eins kann man den 10 Kandidaten, die es ins Finale schaffen werden, jetzt schon mal mit Brief und Siegel geben: Heute ist der erste Tag vom Rest der Instant-Karriere. Gleich geht’s los…

LESERKOMMENTARE: Ihre Meinung zum Live-Ticker

20.17 Uhr Keiner kann so gut so viel Getöse um ein großes Nichts herstellen wie RTL. Respekt. „Wir haben unser Studio umgebaut, es noch schöner gemacht. Auf dass es noch schöner werde bei Deutschland sucht den Superstar“, verspricht Marco Schreyl. Dem Mann sei gesagt: An der Deko und an der Bühne hat’s noch nie gelegen bei „DSDS“. Eher an denen, die auf der Bühne standen.

20.19 Uhr Was macht eigentlich Daniel Küblböck so beruflich? – jetzt, wo auch das „Dschungelcamp“ schon wieder eine Weile her ist und die BILD-Zeitung keinen Deppen-Kommentator mehr braucht?

20.21 Uhr „Wir haben ein paar knusprige, geile Mädchen dabei“, quakt Dieter Bohlen. Wenn sich Alice Schwarzer gleich hinters Steuer klemmt, kann sie noch vor Ende der Livesendung Herrn Bohlens Ohren lang ziehen. Vielleicht will sie das aber auch gar nicht; in der BILD-Zeitung ist die Frau, die immer noch glaubt, den deutschen Feminismus ganz alleine erfunden zu haben, ja längst genauso zu Hause wie Bohlen. Anyway: Alles Gute zum Weltfrauentag, Frau Schwarzer.

20.26 Uhr Erste Kandidatin, die in der Endmontage zum Superstar in der Version 2008 antritt: Rania Zeriri. Singt „Get Here“ von Oleta Adams. Zittert nicht nur am ganzen Leib, das Mädchen – sondern auch in der Stimme. Mittleres Schulaula-Niveau. Was, zumal in Kombination mit der von Lillo Scrimali (der sorgt auch dafür, dass Die Fantastischen Vier live gut klingen) professionell geleiteten Muckerband, einen hübschen Kontrast ergibt.

20.30 Uhr „Es ist sehr, sehr, sehr viel Wiedererkennungswert in deiner Stimme drin“, urteilt der Laberlurch Dieter Bohlen.

20.35 Uhr Felix Gaisberger versucht sich an „Hero“ von Enrique Iglesias. Versprüht dabei in etwa die Ausstrahlung, die auch ein Paar Adiletten hat. Kleine Frage an die Styling-Abteilung von RTL: Wird so ein Einkauf bei dem schwedischen Teenie-Ausstatter Hasi & Mausi eigentlich billiger, wenn man gleich mit 15 Menschen auf einmal da aufläuft?

20.40 Uhr Juna Manaj, 16 Jahre jung, knöpft sich „Come On Over“ von Christina Aguilera vor. „Das war eine glatte Fünf“, urteilt Dieter Bohlen, der olle Rochen im UnterhaltungsmusikHaifischbecken. Vielleicht hilft’s ja – und Juna Manaj scheidet aus, darf normal bleiben und in aller Ruhe ihren Schulabschluss machen.

20.47 Uhr Und noch so ein Liedchen, das durch das Formatradio längst final hingerichtet worden ist: Jermaine Alford singt „I Swear“, im Original von All 4 One. Ebenfalls Schulaula-Niveau. Aber nur, wenn’s ein ziemlich große ist; bei einer kleinen sind die Auswahlkriterien härter. „Mich hat’s gänsehautmäßig nicht gepackt“, gibt Frau Lukaseder Auskunft. Herr Bohlen lobhudelt den Kandidaten. Kann man verstehen, als studierter Diplom-Kaufmann denkt der Mann strategisch. Und knetet sich innerlich bestimmt schon den nächsten Mark Medlock zurecht.

20.54 Uhr Werbepause bei RTL. Kurz rüber zu ProSieben. Das Bo brettert im Wok gen Ziel. Gibt sogar im asiatischen Kochgerät eine bessere Figur ab als die Superstars-Azubis auf der Bühne des Kölner „Coloneums“. Weil Oliver Pocher ja bekanntlich seit geraumer Zeit in der ARD sein Unwesen treibt, darf Matthias Opdenhövel jetzt die Quatsch-Interviews im Startbereich führen.

21.01 Uhr Marco Schreyl liefert eine wichtige Information: „Collins Owusu besitzt 139 Paar Schuhe.“ Hernach singt Herr Owusu. In einem Paar Schuhe. Interpretiert „Amazing“, einen Tütensuppensoulsong von Heidi Klums Gatten Seal, extrem ordentlich. Die im Studio vorrätige Familie ist außer Rand und Band. Das Publikum auch.

21.07 Uhr „Wenn Sie in der kommenden Woche andere Schuhe und denselben Collins sehen wollen, rufen Sie an“, empfiehlt Marco Schreyl. Wir indes empfehlen Herrn Schreyl dringend, öfter mal auf Schilder mit dem Aufdruck „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ zu achten. Leute mit Moderationstalent werden auf der Kirmes immer gebraucht.

21.11 Uhr “Right Here Waiting” von Richard Marx muss dran glauben. Simon Gincberg bemüht sich redlich, den Song nachzusingen. Mit asymmetrischer EmoFrise auf dem Schädel, Palästinenser-Feudel um den Hals und Nietengürtel um die Hüften. Ganze Arbeit, liebe RTL-Styling-Abteilung.

21.13 Uhr „Gute Stimmung hier. Gute Stimmung ist auch in einer Karaoke-Bar. Das war nix.“ Kein Widerspruch, Herr Läsker.

21.17 Uhr Bevor Stella Salato auftritt, erzählt RTL noch fix ihre Aschenputtel-Geschichte. Hat als Kind mal 30 Kilo abgenommen, die Stella Salato. Wäre sie heute noch dick, bliebe ihr der Auftritt erspart. So aber interpretiert sie ein Lied von einer der schlimmsten Heulbojen der 90er Jahre, Toni Braxtons „Un-Break My Heart“.

21.21 Uhr „Stella heißt Stern. Wenn Sie aus dem Stern einen SuperStarStern machen wollen, dann rufen Sie an!“ Jeder Gurkenhobelverkäufer in einer x-beliebigen Fußgängerzone der Republik ist ein zurückhaltender Gesell im Vergleich zu Marco Schreyl.

21.25 Uhr Werbepause bei RTL. Bei ProSieben treten gleich Fettes Brot auf. Bemerkenswert, dass bei Raab sogar die bessere Musik läuft, wenn’s gar nicht in erster Linie um Musik geht. Gar nicht auszudenken, wenn Stefanie Heinzmann, die Siegerin der Raabschen-Casting-Show (die Schweizerin fährt diesmal im Wok mit) auch noch singt…

21.32 Uhr Weiter geht’s in der Greatest-Hits-Verwursterei von RTL. Viviana Stengel mit einem Titel, den aktuell vor allem 1LIVE totnudelt: „Bubbly“ von Cobie Caillat. Wenn man einer Barbiepuppe ein Mikro in die Hand drückt und dazu einen Klingelton abspielt, sieht das exakt so aus (und klingt auch so) wie Viviana Stengel. Jedes „Efasit“-Fußbad hat mehr Soulgehalt.

21.36 Uhr „Singen kannst du nicht, aber mit so einem Kopf und so einem Brett musst du Karriere machen, irgendwo“, trötet die Testosteron-Schleuder Bohlen. Was meint er mit „Brett“? Wo soll die Karriere stattfinden? Schwebt Herrn Bohlen vielleicht eine Fotostrecke im „Playboy“ vor?

21.38 Uhr O-Ton Marco Schreyl: „Du bist ein blonder Engel, Viviana Stengel! Rufen Sie an!“ Als der liebe Gott die heilige Einfalt verteilte, hat Herr Schreyl auf alle Fälle eins geschrieen: „Hier!“

21.41 Uhr Fady Maalouf mit „Home“. Das ist im Original von Michael Bublé schon sehr entbehrlich. Was nichts dran ändert, dass die Jury durch die Bank begeistert ist. „Die sollen alle für dich anrufen“, fordert Herr Läsker.

21.46 Uhr Linda Teodosiu mit „Soulmate“ von Natasha Bedingfield. Frollein Linda (sorrrrrry, das muss sein – Weltfrauentag hin oder her) trägt beim Singen die alten Haare von Afton Cooper auf. „Fönwelle“ nannte man so etwas in den 80er Jahren, als Frau Cooper noch die Freundin von Cliff Barnes war, dem ewigen Verlierer aus der Ölquellen-Seifenoper „Dallas“. „Ich hab’ Gänsehaut von oben bis unten gehabt“, schwärmt Herr Läsker. Derart detailliert wollten wir’s gar nicht wissen.

22.01 Uhr Christopher Schnell singt „Mandy“, im Original von Schmalzbacke Barry Manilow. Weil der aber alt ist respektive die RTL-Kundschaft zu jung ist, um Herrn Manilow zu kennen, behauptet Herr Schreyl keck, dass der Song von der Tanzesel-Truppe „Westlife“ ist. Anyway: Christopher Schnell gibt das singende Monchichi perfekt. So jung, so brav. Da hat ja Jopi Heesters mehr Rock’n’Roll intus.

22.09 Uhr Eine weitere Kandidatin, deren Vergangenheit sich im Sinne von RTL perfekt ausschlachten lässt: Monika Ivkic musste mit ihren Eltern ob des Krieges aus dem ehemaligen Jugoslawien flüchten. Insofern: Einspielfilm, dann die perfekte Titelauswahl – „Hurt“ von Christina Aguilera. Kollektiver Tränendrüsenalarm im Publikum. Was nichts am Motto des RTL-Abends und am Gesamtkonzept von „DSDS“ ändert. Es gilt uneingeschränkt: neue Pausenclowns gesucht.

22.22 Uhr „Bleeding Love“ von Leona Lewis, dargeboten von Sahra Drone. Im Hintergrund tanzen dazu die übrigen Kandidaten. Doch, da ist auch viel Schönes dabei: Wenn die RTL-Verantwortlichen die richtigen Anweisungen erteilen, ist so ein Mondamin-Fix-Familiensoßenbinder schnell zusammengerührt. Schaut her, „DSDS“ ist gar nicht so ein zynisches Format, wie man bisher immer dachte. Der Opa von Sahra Drone ist jedenfalls schier aus dem Häuschen.

22.29 Uhr Benjamin Herd mit „Let Me Love You“, im Original von Mario. Für seine Streifenhörnchen-Frisur wird er sich später einmal schämen, aber hey: Damit ist Benjamin Herd nun wahrlich nicht allein auf dieser Welt. „Thank you very much“, sagt er nach dem Nachsingen des Lieds; ein großer Angeber ist der kleine Mann schon jetzt. „Bonsai-Macho“, analysiert Frau Lukaseder folgerichtig.

22.37 Uhr Kandidat Nummer 15, Thomas Godoj. „Er ist vor zwei Tagen 30 geworden“, verrät Herr Schreyl. Fürwahr: ein biblisches Alter für einen DSDS-Kandidaten. Singt „Chasing Cars“ von Snow Patrol. Coldplay für Fußball-Fans. Stadionrock de luxe also. Und dennoch, wenn auch nicht zuletzt mangels Konkurrenz, die originellste Titelauswahl des Abends.

22.40 Uhr Wann ist man mit dem Mann schon mal einer Meinung? „Du warst heute Abend der Beste“, sagt Herr Bohlen. „Du warst hier eine ganz andere Schublade als die anderen Kandidaten“, sagt Frau Lukaseder. „Tun Sie zu Hause ihr heilige Pflicht, rufen Sie an“, fordert Herr Schreyl. Soweit kommt’s noch. Wir wundern uns nur gerade ein bisschen, warum es einer wie Thomas Godoj nicht schon längst (und vor allem: ohne RTL) zur einer gewissen musikalischen Öffentlichkeit gebracht hat. Auf jeden Fall war er der Einzige der 15, der an diesem Abend eins und einig mit seinem nachgesungenen Song war.

22.56 Uhr Bis zur Entscheidung dauert’s noch ein Weilchen. „Wir melden uns kurz nach Mitternacht wieder“, verspricht Herr Schreyl.

00.12 Uhr Herr Schreyl meldet sich zurück. Erklärt zum schätzungsweise 243. Mal die Spielregeln.

00.24 Uhr Ein Elend, wie RTL die Angelegenheit in die Länge zieht. Noch einmal der Schnelldurchlauf, noch einmal Werbung, noch einmal Marco Schreyl, gegen den jeder Gurkenhobelverkäufer fürwahr ein ausgemachter Charmeur ist: „Wenn die Leitung belegt ist, versuchen Sie es noch einmal. Und wenn Sie dann immer noch nicht durchkommen, können Sie ja immer noch eine SMS schicken.“ Sollte es eine 6. DSDS-Staffel geben, blendet RTL bestimmt direkt eine Kontonummer ein.

00.29 Uhr Bitte nicht mehr anrufen! Eine Erlösung.

00.33 Uhr Der Notar überbringt die Ergebnisse des Zuschauer-Votings. Monika Ivkic ist weiter. Was folgt, ist die erste Heulerei des Abends.

00.36 Uhr Linda Teodosiu ist ebenfalls weiter. Zweite Heulerei des Abends. Auch bei Mama Teodosiu.

00.40 Uhr Am nächsten Wochenende wieder auf der „DSDS“-Bühne: Fady Maalouf. Und alle verfügbaren Tränenkanäle weit offen.

00.43 Uhr Sahra Drone bleibt im Nachwuchssängerinnenrennen.

00.47 Uhr Dass wäre aber auch ein (Un-)Ding gewesen, wenn die RTL-Kundschaft Thomas Godoj nicht angemessen telefonisch unterstützt hätte. Hat sie aber. Jetzt ist das Urteil der Jury gefragt. Um zu einer Entscheidung zu gelangen, verlässt das Trio den Saal.

00.50 Uhr Werbung. Aaaaaaaaaaarrrrrrrrghhhhhhh. Sogar Herr Raab ist schon fertig mit seinem Wok-Wettbewerb.

00.55 Uhr Wenn Thomas Godoj sich die kommenden 14 Tage nicht rasiert, könnte er der neue Tobias Regner werden. Wer Tobias Regner ist? Na, der Gewinner der 3. „DSDS-Staffel“. Die Homepage von Tobias Regner wurde übrigens letztmals im Februar 2007 aktualisiert. Und im Juni 2007, da ist er in Dinkelsbühl aufgetreten, der Tobias Regner. Schon irre, wo von RTL zusammengeklempnerte Superstars so alles rumkommen.

01.02 Uhr Herr Bohlen lobt die Zuschauer für ihre Entscheidung. „Die war gigantomanisch“, sagt er.

01.04 Uhr Jermaine Alford ist in der 1. Mottoshow.

01.05 Uhr Viviana Stengel nicht.

01.06 Uhr Stella Salato singt weiter. Nicht nur privat, sondern auch bei RTL.

01.07 Uhr Felix Gaisberger ist nicht in den Top Ten.

01.08 Uhr Für Rania Zeriri geht die Superstar-Ausbildung weiter.

01.09 Uhr Für Collins Owusu auch.

01.10 Uhr Simon Gincberg indes hat am kommenden Wochenende frei.

01.11 Uhr Juna Manaj: dito.

01.12 Uhr Als Letzter in die Top Ten kommt: Benjamin Herd. Na dann: bis dann.



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