Schriftgröße

„Wir sind halt Mitglied Nummer 108“

Erstellt 30.03.08, 21:09h

Der Verein ist als 108. Karnevalsgesellschaft ins Festkomitee aufgenommen worden. Heute Abend besucht der FK-Vorstand die neuen Mitglieder um Präsident André Schulze Isfort und Sprecher Sascha Krüger.

BILD: WORRING
Bild vergrößern
Beim Interview in der Küche von "Kapitän" (Präsident) Andre Schulze Isfort (rechts) mit "Offizier" Sascha Krüger.
BILD: WORRING
Bild verkleinern
Beim Interview in der Küche von "Kapitän" (Präsident) Andre Schulze Isfort (rechts) mit "Offizier" Sascha Krüger.
Der Verein ist als 108. Karnevalsgesellschaft ins Festkomitee aufgenommen worden. Heute Abend besucht der FK-Vorstand die neuen Mitglieder um Präsident André Schulze Isfort und Sprecher Sascha Krüger.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herzlichen Glückwunsch. Sie sind der erste Verein aus dem schwul-lesbischen Spektrum, der es ins Festkomitee geschafft hat. Warum wollten Sie da unbedingt rein?

ANDRÉ SCHULZE ISFORT: Das Festkomitee ist doch die Institution. Und wir haben immer gesagt, wenn wir Karneval feiern, dann richtig. Wir wollen uns an die offiziellen Spielregeln halten.

Wie kommt man ins Festkomitee?

SCHULZE ISFORT: Man muss die Statuten akzeptieren und zwei Bürgen haben. Das waren bei uns die KG Unger Uns und die KG Blomekörfge. Deren Literatin Gerda Süske kennt uns schon seit ein paar Jahren und hat dann für uns die Klinken geputzt. Den Aufnahmeantrag haben wir vor einem Jahr gestellt.

Und wie ging es dann weiter?

SASCHA KRÜGER: Das Festkomitee hat uns überprüft, wir hatten verschiedene Gespräche, und Mitglieder des Vorstands haben unsere Veranstaltungen besucht oder auch unsere Auftritte bei anderen KGs beobachtet. Und kurz nach der Session kriegten wir die Zusage.

Das ging ja schnell. Die Stattgarde wurde doch erst vor fünf Jahren gegründet. Warum wollten Sie damals einen eigenen Verein gründen und sind nicht den bestehenden Korps oder Gesellschaften beigetreten?

SCHULZE ISFORT: Das war eine Idee in unserem Freundeskreis rund um unseren früheren Präsidenten Carsten Schweer. Der war aus Duisburg nach Köln umgezogen, hatte dort schon in einer KG mitgemacht, hier in Köln aber nichts Passendes gefunden. Weder bei den Etablierten, noch im rosa Bereich.

Aber daher kommen Sie doch auch.

SCHULZE ISFORT: Das ist schon richtig. 95 Prozent unserer aktiven Mitglieder sind schwul oder lesbisch. Aber wir sind nach außen erst mal ein Karnevalsverein wie viele andere auch. Die Rosa Funken haben einen anderen Weg eingeschlagen, aber sie haben auch Türen geöffnet und uns den Weg geebnet.

Wie viele Zugeständnisse waren satzungstechnisch nötig, um festkomiteekompatibel zu werden?

SCHULZE ISFORT: Laut Satzung gibt es bei uns keine Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung - weder in die eine noch in die andere Richtung. Wir verstecken uns nicht. Aber schwul oder lesbisch zu sein, gehört bei uns nicht zum Programm. Das Festkomitee hat uns auch nicht deshalb aufgenommen, sondern weil wir in ihrem Sinne Karneval machen. Wir halten uns an die Regeln und Traditionen.

Was heißt das konkret?

KRÜGER: Fastelovend gehört in die fünfte Jahreszeit. Die Uniform ziehen wir nur zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch an.

Und was ist mit dem Christopher Street Day?

SCHULZE ISFORT: Wir verleugnen uns nicht. In der Parade werden wir wieder wahrnehmbar präsent sein. Aber halt nicht in Uniform.

Wie sieht die eigentlich aus?

KRÜGER: Entsprechend der maritimen Ausrichtung unseres Vereins ist die schon an das Outfit einer Schiffsbesatzung angelehnt.

Ähnlich wie die diversen Pöstchen.

KRÜGER: Ja, wenn man ordentliches Mitglied ist, gibt es Funktionen ohne Ende. Vom einfachen Crew-Mitglied bis zu Fünf-Sterne-Offizieren und dem Kapitän. So heißt bei uns der Präsident, der auf der Brücke, also im Vorstand, das Kommando hat.

Und wer schrubbt das Deck? Die Frauen?

KRÜGER: Dafür ist die gesamte Mannschaft zuständig. Wir haben derzeit vier Frauen in Uniform. Die nennen wir liebevoll Stewardessen.

So 'ne Art Saftschubsen mit Service-Charakter? Na toll.

SCHULZE ISFORT: Ne, ne. Die dürfen anders als in vielen anderen KGs alles im Verein, nur nicht tanzen. Zumindest nicht im Tanzkorps. Das ist eine reine Männergruppe und unser Erkennungszeichen.

Singen dürfen Frauen aber.

SCHULZE ISFORT: Klar, in unserm Shanty-Chor. Der ist schon in der „Närrischen Hitparade“ angetreten.

Etwa mit Seemannsliedern?

KRÜGER: Nein, so was haben wir nicht im Repertoire. Das sind schon richtige Karnevalssongs. Zwei Titel hat Marie-Luise Nikuta für uns geschrieben. Die ist Ehrenmitglied oder wie es bei uns heißt: Passagier erster Klasse.

Treten Tanzgruppe und Chor zusammen auf?

SCHULZE ISFORT: Klares „Ja“. Tanz und Gesang ist bei uns ein Paket. Wir könnten das zwar splitten, wollen das aber nicht.

Was wollen Sie denn? Welche Ziele haben Sie?

SCHULZE ISFORT: Kurzfristiges Ziel ist es, als „normale“ KG wahrgenommen zu werden. Ohne Attribut - egal, wie unsere Mitgliederstruktur aussieht. Eine Teilnahme am Rosenmontagszug liegt noch in weiter Ferne. Das ist ja für die einzelnen Mitglieder auch recht teuer.

Und was ist mit dem Gürzenich?

KRÜGER: Da wollen wir nicht hin. Mit unseren Veranstaltungen im Alten Wartesaal sind alle sehr zufrieden. Wir wollen unseren derzeitigen Status halten. Und auch die gesunde Struktur im Verein.

Wie sieht die aus?

SCHULZE ISFORT: Wir treffen uns regelmäßig und machen auch viel außerhalb der Session - von Lesungen bis zu Stadtführungen. Dafür haben wir mit dem Steuermann eigens einen Brauchtums-Beauftragten.

Am 21. April nehmen Sie erstmals beim traditionellen Präsidentenabend teil.

SCHULZE ISFORT: Da bin ich auch schon etwas aufgeregt. Ich werde mich und unsere Gesellschaft dann kurz vorstellen. Ich bin gespannt, wie die Reaktionen sein werden. Andererseits: So wichtig sind wir auch wieder nicht. Wir sind halt Mitglied Nummer 108.

Das Gespräch führten

Anja Katzmarzik

und Norbert Ramme



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Soll der Zoo rauchfrei werden?
Im Kölner Zoo darf künftig nur noch in einigen ausgewiesenen Zonen geraucht werden. Finden Sie das richtig?


Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste