Erstellt 02.04.08, 09:41h, aktualisiert 02.04.08, 14:59h
Bei einer Million Autos wäre Schluss
"Wir setzen die Verordnung nicht in Kraft, solange wir keine klaren Zahlen haben. Und wir werden sie nicht in Kraft setzen, wenn die Zahl eine Million Fahrzeuge übersteigt", sagte der SPD-Politiker. Der ADAC hatte kürzlich gewarnt, mindestens drei Millionen Fahrzeuge würden sich für den Betrieb mit dem neuen Biosprit nicht eignen. Die Autohersteller würden in Kürze für jeden Fahrzeugtyp bekannt geben, ob er die neue Kraftstoffsorte verträgt oder nicht. Danach könne ermittelt werden, wie viele Autos betroffen wären.
Gabriel hatte die Verordnung im Februar nach Berichten über Probleme unerwartet vieler Motoren mit E-10 erstmal auf Eis gelegt. Er hatte deren Zukunft von Zahlen abhängig gemacht, die ihm die Autoindustrie bis Ende März liefern sollte. Bislang aber liegen diese Zahlen offenbar noch nicht vor. Anfangs hatte der Verband der Autoindustrie (VDA) lediglich von etwa 375.000 Autos gesprochen, für die es Probleme geben dürfte und die deshalb auf das teurere SuperPlus umsteigen müssten.
Spitze gegen Sprit-Industrie
"Wir müssen uns auf Herstellerdaten verlassen können", unterstrich Gabriel. Zugleich griff er die Mineralölindustrie an. "Der ADAC will seine Mitglieder zu Recht auch schützen. Aber seine Einwände spiegeln die Interessen des Verbandes der deutschen Mineralölindustrie wieder. Die wollen eigentlich keine Biokraftstoffe beimischen", sagte er. Die Umweltpolitik werde nicht die Verantwortung dafür übernehmen, wenn Millionen Autofahrer an die SuperPlus-Zapfsäule müssten.
Der ADAC hatte berichtet, Millionen von Fahrzeugen würden den neuen Biosprit technisch nicht vertragen und müssten bei seiner Einführung auf teureres SuperPlus umsteigen. Zudem müssten die Nutzer des neuen Biosprits draufzahlen, denn die Bioethanol-Beimischung erhöhe den Kraftstoffverbrauch. Der Automobilclub hatte daher gefordert, die Einführung des E-10 auf 2012 zu verschieben.
Spott und Hohn von Höhn
Die grüne Fraktionsvizechefin Bärbel Höhn warf der Bundesregierung unterdessen "Pfusch" bei der geplanten Beimischungsquote für Biosprit vor. Gabriel habe blauäugig allein den Zahlen des Autoverbands VDA geglaubt und dadurch die negativen Folgen für die Autofahrer herunter gespielt, sagte Höhn der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" (Mittwoch). Das Umweltministerium stehe nun "vor einem Scherbenhaufen".
(Reuters/dpa/ddp/bs)
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