Schriftgröße

Kündigung erfordert Fingerspitzengefühl

Erstellt 04.04.08, 11:49h

Die arbeitsrechtlichen Aspekte einer Kündigung lassen sich leicht umreißen. Die Formalitäten sind klar - das Zwischenmenschliche jedoch nicht immer. Bei Kündigungen sollte aber auf jeden Fall der Anstand gewahrt werden.

Einige Bürogemeinschaften spielen zusammen Lotto. Nach einem größeren Gewinn, so malen sie sich aus, werden sie nacheinander zum Chef gehen und ihre Jobs kündigen. Die Aussicht, selbst den Dienst zu quittieren, erscheint vielen Menschen verlockend. Doch Jürgen Hesse, Gründer des Büros für Berufsstrategie und Buchautor im Autorenteam Hesse/Schrader, mahnt: "Auch wer selbst kündigt, den erwartet eine schwierige Zeit." Eine Kündigung sei mit der Trennung von einem Lebenspartner zu vergleichen. Damit der Neuanfang nicht belastet werde, sollte man das Alte ordentlich beenden.

Die arbeitsrechtlichen Aspekte einer Kündigung, etwa den Empfänger des offiziellen Schreibens und die wichtigsten Fristen, lassen sich meist rasch klären. Mit wem sollte man aber als erstes persönlich darüber reden? Wer sofort seine Kollegen informiert, riskiert, dass in der Firma Gerüchte entstehen oder Intrigen gesponnen werden. Mit ihrem obersten Chef haben die meisten Angestellten jedoch nicht viel zu tun. "Am besten spricht man zunächst mit seinem direkten Vorgesetzten", empfiehlt Hesse. Schließlich bleibe dieser bis zum letzten Arbeitstag für einen verantwortlich, und oft schreibe er auch das Arbeitszeugnis.

In Gesprächen über die Kündigung sollte man berücksichtigen, dass man die Zurückbleibenden mit seinem Abgang kränkt. "Niemand wird schließlich gern verlassen", erläutert der Diplom-Psychologe. Daher sollte derjenige, der gekündigt hat, möglichst taktvoll vorgehen und großzügig sein. Dies bedeutet zum Beispiel, dass man die guten Seiten des Unternehmens lobt oder darauf eingeht, wie gern man in seinem Team gearbeitet habe. Für die Gesprächspartner sei auch hilfreich, wenn man ihnen einen einleuchtenden Grund für die Kündigung nennen kann. Etwa, dass man ein attraktives Stellenangebot bekommen hat und nun einen weiteren Karriereschritt mache.

„Keine verbrannte Erde hinterlassen“

Etwas schwieriger sei es, wenn man vor allem wegen seiner Probleme im Job gekündigt habe. Doch auch diejenigen, die zum Beispiel wegen der Inkompetenz des Chefs gehen, sollten möglichst neutrale Formulierungen finden. Notfalls könne man zum Beispiel sagen, dass man aus persönlichen Gründen kündige, aber darüber nicht sprechen möchte. "Auch wenn es einem schlecht erging, sollte man keine verbrannte Erde hinterlassen", sagt Angelika Gulder, Karriereberaterin und Leiterin der Akademie "Coaching up!". Schließlich bleibe man bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses im Unternehmen und brauche noch ein Zeugnis. Zudem habe man in seinem Berufsleben oft auch später mit ehemaligen Vorgesetzten und Kollegen zu tun.

Diese verhalten sich nach der ausgesprochenen Kündigung höchst unterschiedlich. Es gibt missgünstige Menschen, die dem Ex-Kollegen danach das Leben schwer machen wollen. Bei vielen anderen wechseln die Gefühle oft zwischen Freude über die berufliche Chance für das Team-Mitglied und Trauer über dessen Weggang hin und her. Unter Umständen fühlen sie sich im Stich gelassen und befürchten schlimme Folgen für die Abteilung. "Man muss nicht überfreundlich sein oder sich verstellen", rät Gulder. Trotzdem sollte man versuchen, mit den Kollegen möglichst gut auszukommen.

Zudem sei wichtig, dass man sich in den verbleibenden Tagen, Wochen oder Monaten in der alten Firma professionell verhalte. Dafür sollte man weiterhin pünktlich sein und seine Arbeit ordentlich erledigen. "Innerhalb der Belegschaft hat man aber einen neuen Status", sagt Jürgen Hesse. Daher sollte man sich mit Kritik oder Vorschlägen für Neues zurückhalten. Vor allem gelte es, eine korrekte Übergabe hinzubekommen. Dafür sollte man sich auch nach seinem Ausscheiden aus der Firma für Anfragen zur Verfügung stellen. Vieles lasse sich am Telefon klären, unter Umständen könne man noch einmal nach Dienstschluss vorbeikommen.

"Den Abschied von der alten Stelle und den Übergang zum neuen Job sollte man möglichst bewusst gestalten", sagt Angelika Gulder. Es sei zum Beispiel schön, wenn man bei einer kleinen Feier seinen bisherigen Kollegen Lebewohl sagen würde. Hierbei könne man sich bei allen für die Zusammenarbeit bedanken und mit einzelnen noch persönliche Worte wechseln. Hilfreiche Abschiedsrituale lassen sich jedoch auch allein unternehmen. Vielleicht legt man alle Dinge, die mit dem alten Job zu tun haben, in eine Kiste. Dies könne zum Beispiel der Arbeitsvertrag sein, ein Symbol für die Tätigkeit oder Erinnerungen an die Kollegen.

Abstand von der alten Stelle lässt sich auch durch eine Pause gewinnen. "Gut ist natürlich, wenn man noch zwei bis vier Wochen Resturlaub nehmen kann", sagt die Karriereberaterin. Doch auch wem nur wenig freie Zeit zur Verfügung stehe, sollte mehrere Stunden intensiv über den alten Job nachdenken. In Listen kann man zum Beispiel Dinge festhalten, die einen gefreut oder geärgert haben. Im neuen Job kann man dann versuchen, diese Sachen bewusst zu fördern beziehungsweise zu vermeiden. (ddp)



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Ausflugstipps


WAS.WANN.WO.


Das Magazin auf Facebook

Das Magazin auf Facebook

Extra


Serie


Mode und Design



Kolumne


Kolumne


Aktion


ksta-blogs.de


Dienste



Die 5 beliebtesten Pausenspiele

Mahjongg Fortuna
Zuma
Zuma »
1507 Spieler
Bookworm
Bookworm »
1263 Spieler
Bubble Shooter
Bubble Shooter »
1034 Spieler
Bejeweled 2
Bejeweled 2 »
956 Spieler

Stadtmenschen Community