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„Schneesturm“ auf dem Rhein

Von BASTIAN EBEL UND SIMON MÜLLER, 08.04.08, 21:56h, aktualisiert 09.04.08, 07:26h

Tausende Schaulustige verfolgten die Reise der „Buran“ durch Köln. Das ausrangierte Raumschiff, ein Relikt des Kalten Krieges, machte am Dienstag am Deutzer Hafen vor der Drehbrücke fest.

BILD: dpa
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"Buran"passiert den Kölner Dom.
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"Buran"passiert den Kölner Dom.
Das ausrangierte Raumschiff, ein Relikt des Kalten Krieges, macht am Dienstag um 18.15 Uhr am Deutzer Hafen vor der Drehbrücke fest.

15.15 Uhr: Mit offenem Mund steht der kleine Paul am Rheinufer an der Fähre in Langel. Was er da sieht, kannte er bisher nur aus seinen Weltraumbüchern. „Ein echtes Raumschiff!“ Und das nicht im Weltall, sondern mitten auf dem Fluss. Der russische Spaceshuttle hat auf seinem Weg ins Technikmuseum nach Speyer am Nachmittag die Stadtgrenze erreicht. „Buran“ wird dort Teil einer Weltraumausstellung sein. An diesem Dienstag geht die Reise bis nach Deutz.

„Buran“, zu Deutsch „Schneesturm“, macht seinem Namen keine Ehre. Wie bei einer Butterfahrt zieht das Raumschiff gemächlich an Tausenden Schaulustigen vorbei. Je mehr es sich der Innenstadt nähert, desto größer wird die Neugier. Sind es in Langel einige Hundert, werden es zwei Stunden später auf den Rheinbrücken Tausende sein.

Auch Paul (5) und sein kleiner Bruder Mats (3) sind an der Anlegestelle der Fähre Langel-Hitdorf dabei. „Der Große wollte das Raumschiff unbedingt sehen“, erzählt Vater Malte Wahrmann aus Burscheid. „Wir haben nach dem Kindergarten ganz schnell gegessen und sind dann mit Decke und Picknick-Korb losgefahren.“ Auch 40 Kinder aus der Langeler Kindertagesstätte „Regenbogen“ bestaunen das Raumschiff. Mehr als zwei Stunden haben sie auf „Buran“ gewartet. Doch wer schon einmal beinahe in Kontakt mit der Erdumlaufbahn war, hat alle Zeit der Welt. Wie eine vornehme Dame lässt sich die ausrangierte Raumfähre zu ihrem Altersruhesitz kutschieren. Eine Dame mit opulenten Ausmaßen: 17 Meter hoch, 40 Meter lang, 105 Tonnen schwer. Entsprechend aufwändig ist der Transport, durch Probleme beim Verladen in Rotterdam verzögerte sich die Fahrt um einen Tag.

ksta.tv: Raumschiff auf dem RheinLangen Weg zurückgelegt

Das Raumschiff hat einen langen Weg hinter sich. In den 70er Jahren zur militärischen Nutzung entwickelt, machte es Ende der 80er einige Probeflüge, ohne dabei ins All zu gelangen. Das Projekt, mit der „Buran“ feindliche Satelliten einzusammeln, wurde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eingestellt. Die „Buran“ wurde bei den Olympischen Spielen 2000 in Sidney gezeigt, danach in Bahrain. Ihr neuer Besitzer, das Technikmuseum Speyer, schweigt über den Kaufpreis. Verwaltungsleiter Andreas Hemmer: „Ich kann nur die Gesamtkosten des Projekts angeben, zu dem auch eine neue Ausstellungshalle gehört - zehn Millionen Euro.“

Alfred Reinartz ist bereits ein „Buran“-Experte. Er begleitet das Raumschiff mit seinem Motorrad, hat es schon in Düsseldorf bewundert. „Mich würde vor allem interessieren, wie es von innen aussieht“, sagt der 68-Jährige. Dieser Wunsch wird sich nicht erfüllen. Auch in Speyer wird der Space- shuttle verschlossen bleiben. Mittlerweile ist die „Buran“ an Langel vorbeigeschlichen. Der kleine Paul schaut ihr noch lange hinterher. Ob er später auch einmal Astronaut werden möchte? „Nein, lieber Traktorfahrer.“ Das ist ja auch irgendwie bodenständiger.

17.30 Uhr: Auf den Zufahrten zur Mülheimer Brücke kommt es zu erheblichen Staus - weil Autofahrer mitten auf der Brücke anhalten, Kameras und Fotohandys zücken. Diesen Anblick will sich keiner entgehen lassen. Am Mülheimer Ufer bekommt Erwin Hausmann, Betreiber des Otto-Maigler-Sees, große Augen. „Eine tolle technische Leistung“, sagt der Diplom-Ingenieur. „Das Schiff müsste mal auf meinem See rumkreuzen.“

18.00 Uhr: Dom, Altstadt-Panorama. Ein großer Empfang für die „Buran“ auf den letzten Metern bis in den Deutzer Hafen. Tausende applaudieren, am Schokoladenmuseum gibt es Gedränge um die besten Plätze.

Mittwoch, 6 Uhr: Die „Buran“ soll Köln verlassen. Nächstes Etappenziel ist Lahnstein.



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