Von ANJA KATZMARZIK, 11.04.08, 18:45h, aktualisiert 11.04.08, 22:52h
Das Musiktheater „Der Spaß e.V.“ der 39-Jährigen für russischsprachige Kinder und Jugendliche in Porz-Finkenberg muss weiterhin ohne jede Unterstützung auskommen. Und von den 400 Euro Preisgeld kaufte die Musik- und Tanzpädagogin nichts für sich, sondern Bücher für die Kinder. Sie darf nichts dazuverdienen: Raissa Myachkova ist arbeitslos und ALG-II-Empfängerin, aber sie hat trotzdem eine 42-Stunden-Woche.
So viel Zeit investiert sie in die Arbeit mit den Heranwachsenden in einem problematischen Viertel, das sonst nicht viele Möglichkeiten bietet: Finkenberg in Porz. Hier, in der Hochhaussiedlung, sind 35,7 Prozent der 6632 Einwohner nicht deutscher Abstammung. Das ergibt eine interessante Mischung, der aber auch besondere Herausforderungen innewohnen - für alle. Für Eltern, die aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in der ehemaligen Sowjetunion stammen, ist Myachkova als Ukrainerin und Porzerin da eine wichtige Anlaufstelle.
Die meisten Tanzschüler kommen aus Finkenberg. Kinder werden aber auch aus Bergisch Gladbach oder Kerpen zu der Pädagogin gebracht. Damit sie andere Kinder mit dem gleichen kulturellen Hintergrund kennenlernen, ihre Sprachkenntnisse verbessern und in der Kunst Selbstbewusstsein tanken können. Im Repertoire: Märchen von Andersen, den Brüdern Grimm, aber auch Russisches.
Bereits in ihrer ehemaligen Heimat führte die diplomierte Musiklehrerin für Geige und Klavier ein Kindertheater. In Porz gründete sie das Theater 2002. Bis heute ist es ein echter Familienbetrieb. Myachkovas Ehemann ist für Plakate und Dekorationen zuständig. Myachkovas Tochter Valeria für die Choreographien. Die 19-Jährige absolviert zurzeit eine Tanzausbildung.
43 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 20 Jahren erarbeiten unter Anleitung von Raissa Myachkova Theaterstücke und führen diese nicht nur im Stadtteil auf. Unterstützung kriegen die Familien von ihr aber auch bei schulischen Problemen. Das Ensemble lernt Volkstanz ebenso wie modernen Tanz, Vokalgesang, Spielen auf volkstümlichen Instrumenten, Aerobik, Fitness - und „ganz nebenbei“ Russisch und Deutsch. Bei ihrer Teilnahme an Theaterfestivals in Polen und in der Ukraine und bei Musikwettbewerben in Dortmund und Berlin gewann die Gruppe in ihrer Kategorie jeweils erste Plätze.
Nicht weniger als fünf Stücke werden jährlich einstudiert. Mehr als 2500 Zuschauer sahen im vergangenen Jahr die Aufführungen nach den Drehbüchern und der Musik von Raissa Myachkova. Es ist ihr ganzes Glück, die Kinder glücklich zu sehen. Aber manchmal droht ihr die Kraft auszugehen. Jeden Tag - außer mittwochs - steht nachmittags Training im Keller des Bürgerzentrums Finkenberg auf dem Programm. „Jeden Samstag, jeden Sonntag, jeden Feiertag. Wir kennen keinen Ferien“, sagt die ehrenamtliche Theaterleiterin müde. Mitgliedsbeiträge und Gagen decken soeben die Kosten für das Material sowie Fahrtkosten, weil alle mit anpacken. 300 Kostüme hängen in einer kleinen Abstellkammer griffbereit - selbst geschneidert.
Im Dezember soll das Stück rund um „1001 Nacht“ fertig sein. Das werde wirklich multikulturell, fasst die Regisseurin kurz den Inhalt zusammen: „Russischsprachige Kinder spielen auf Deutsch arabische Märchen.“ Die Arbeit ist eigentlich zu viel für eine Ehrenamtlerin allein, die eine bezahlte Arbeit finden sollte. „Aber ist es besser, wenn ich putzen gehe?“ Die Proben müssen weitergehen. Für das nächste Stück, für die Eltern, für das Publikum, für die Kinder. „Ich kann doch nicht aufhören. Das ist ihr Leben.“
Am 31. Mai hat das Stück „Ein Heim(at)“ mit Jugendlichen und Erwachsenen im Bürgerzentrum Finkenberg, Stresemannstraße 6a, Premiere. Der Eintritt ist frei.
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Hedwig Neven DuMont
Viele Kinder leiden unter Depressionen, Lernbehinderungen und Krankheit. Manche werden als „sozial gestört“ abgestempelt. Sie alle brauchen unsere Hilfe. Hilfe, um aus ihrem dunklen seelischen Loch herauszukommen. Hilfe durch gesunde Freizeitangebote und das Teilhaben an Sport und anderem mehr.
Diese Kinder müssen wir an die Hand nehmen und ihnen eine Chance geben, körperlich und seelisch zu gesunden. Unser Thema bis Oktober 2012 lautet deshalb: „wir helfen – um alle Kinder hier an die Hand zu nehmen.“

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