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Kameras an Kölner Küchentischen

Von KIRSTEN BOLDT, 15.04.08, 18:00h

„Überwachung“, aber freiwillig und zu aller Nutzen: Die Frauenberatung Köln-Kalk/Diakonie Michaelshoven wurde dafür von „wir helfen“ unterstützt. Die Mutter wird nie getadelt für „falsches“ Verhalten.

BILD: WORRING
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Das Kindeswohl im Blick: der Familien-„Betrieb” wird gefilmt.
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Das Kindeswohl im Blick: der Familien-„Betrieb” wird gefilmt.
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Marina Walch
BILD: WORRING
Köln - Die Videobilder zeigen es ganz deutlich: Das kleine Kind kaut noch mit vollen Backen. Da kommt die Mutter schon mit dem nächsten Löffel und drängt, ohne ihrem Kind ins Gesicht zu sehen. Das dreht den Kopf weg, spuckt plötzlich das Essen aus, heult auf, wehrt mit den Händen ab. Die Mutter schimpft laut, das Kind weint - zwischen den beiden stimmt etwas nicht. Eine Szene am häuslichen Esstisch, die Marina Walch sich mit der Mutter genau ansehen wird. „Dieser Film wird ihr helfen, Signale ihres Kindes wahrzunehmen,

dann durch Gespräche mit mir zu verstehen und schließlich ihr Handeln zu verändern.“

Die Leiterin der Frauenberatungsstelle Köln-Kalk / Diakonie Michaelshoven hat sich über eine Fortbildung mit dem Konzept der entwicklungspsychologischen Beratung vertraut gemacht, die am Ulmer Universitätsklinikum entwickelt wurde. Dabei wird eine Videokamera in der Wohnung der Ratsuchenden postiert, und zwar an den Stellen, an denen sich Streitigkeiten entwickeln: am Kinderbett, am Esstisch, an der Wickelkommode.

Die aufgenommenen Szenen werden auf Umgangsformen hin analysiert und als Anstoß verwendet, um Verhaltensweisen zu ändern. Dass sie dieses Präventionsprogramm einsetzen kann, verdankt die Frauenberatungsstelle einer Spende in Höhe von 17 000 Euro,

mit der „wir helfen“ die Arbeit vor vier Jahren unterstützte. „Von der Summe zehren wir immer noch“, sagt Marina Walch. „Aber leider nicht mehr lange.“ 57 Beratungen mit Videofilmen haben bislang stattgefunden.

Die Kalker Frauenberatungsstelle ist Kriseninterventionsstelle gegen häusliche Gewalt für den rechtsrheinischen Stadtbereich, allein im vergangenen Jahr leitete die Polizei 420 Fälle weiter an die sechs Halbtagsberaterinnen. In weiteren 686 Fällen suchten Frauen selbst Hilfe. 60 Prozent aller Ratsuchenden stammen aus Einwandererfamilien. „Oft sind

Kinder direkt betroffen“, so Walch, „aber sie leiden auch, wenn sich Gewalttätigkeiten nur zwischen den Eltern abspielen.“ Häufig träten Aggressionen mit der Geburt eines Kindes auf, wenn die Eltern neue Rollen einnehmen müssen. „Wollen die Frauen ihre Beziehung zum Kind verbessern, ist

diese Methode gut.“ Durch das Medium Film ist die Aufmerksamkeit in erster Linie auf das Verhalten des Kindes gerichtet.

Die Mutter wird nie getadelt für „falsches“ Verhalten - sondern gelobt, wenn sie erkennbar ihr Kind verstanden hat und gut mit ihm umgeht.

„Allmählich entwickeln sich vertrauensvollere Gespräche, die Frauen erkennen immer mehr von selbst, wo etwas im Argen liegt. Vorschläge für anderes Verhalten kommen dann von mir“, so Walch. Ob es mit der Umsetzung klappt, kann auch ein Film zeigen.

„Eine wunderbare, wirksame Methode“, schwärmt die Beraterin, „aber leider sehr zeitintensiv.“

Frauenberatungsstelle Köln, Kalker Hauptstr. 247-273, Ruf 02 21 / 8 20 94 16.



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