Erstellt 17.04.08, 21:03h, aktualisiert 18.04.08, 11:38h
KÖLNER STADT-ANZEIGER Herr Keller, die „Edition Fritz Keller“ startet nun mit einem Weißburgunder. Wie kam die Zusammenarbeit mit Aldi zustande?
FRITZ KELLER Aldi ist an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, ein Konzept zu erarbeiten für einen hochwertigen Wein, der gleichzeitig für viele verfügbar ist. Das habe ich sehr gern gemacht.
Ihr Name steht für Spitzenerzeugnisse. Hatten Sie keine Angst, ihre eigene Marke zu schädigen?
KELLER Nein, unsere Produkte sind hochwertig genug. Es ist doch so, in der Weinwirtschaft gibt es im Prinzip zwei Gruppen: Auf der einen Seite gibt es die wirklich tollen Weingüter, die Spitzenerzeugnisse produzieren und auch den entsprechenden Preis am Markt erzielen können. Auf der anderen Seite haben Sie eine große Gruppe von Winzern, die oft am Existenzminimum entlang arbeiten und kurz davor stehen, ihre Betriebe aufzugeben. Genau dieser Gruppe wollte ich dabei helfen, hochwertige Weine zu erzeugen und so im Geschäft zu bleiben.
Wie viele Winzer sind an dem Projekt beteiligt?
KELLER Am Weißburgunder arbeiten insgesamt 432 badische Winzerfamilien mit.
Und wie viel Original Fritz Keller ist in dem Discounter-Wein?
KELLER Es ist kein Wein von meinen Weinbergen dabei. Wir können nicht genug produzieren. Die „Edition Fritz Keller“ ist eine reine Solidaritätsgeschichte, für mich hat es vor allem den Reiz, Know-how zu verbreiten. Ich bin von dem Wein überzeugt, es ist meine Marke. Aber die Flächen, auf denen erzeugt wurde, sind im Besitz der beteiligten Winzer.
Ihr Vater Franz Keller, der im vergangenen Sommer starb, war ein Großer und Unbequemer unter den deutschen Winzern - was würde er zu der Kooperation mit Aldi sagen?
KELLER Er wäre stolz. Denn er hat immer gesagt: Wein ist ein tägliches Lebensmittel. Es muss Alltagsweine und Sonntagsweine geben - und alle müssen gut sein. Das ist die Herausforderung. Wein hat nichts mit einer abgeschlossenen Weinkultur, nichts mit Snobismus zu tun, Wein sollte wie Brot sein: möglichst gut und für jedermann erreichbar. Diese Philosophie trage ich weiter.
Wie haben die anderen Winzer reagiert?
KELLER Ach klar, am Anfang war da schon Skepsis angesagt. Einige Winzer reagieren mit Pawlowschen Reflexen, wenn sie nur den Namen Aldi hören. Aber das war mir egal - ich bin davon überzeugt, dass diese Sache eine kulturelle Bereicherung für die gesamte Weinwirtschaft ist.
Beschreiben Sie uns diese „Bereicherung“?
KELLER Das ist ein komplett durchgegorener, also trockener Wein, ohne die dienende Operetten-Süße, die man sonst von Weinen kennt, die in großer Menge hergestellt werden. Er hat natürlich die typische Weißburgunder-Aromatik, also Birnen, etwas Exotik und eine leicht florale Note. Aber das Schönste sind die Dichte und die Balance - und der spritzige Abgang.
Das klingt nach einem idealen Wein zur Spargelzeit.
KELLER Oh ja, er ist perfekt zu Spargel und das wäre auch ein guter Grund, ihn jetzt sofort aufzumachen. Aber er hat auch Lagerpotenzial. Ich rate Ihnen jedenfalls, ihn noch sechs bis acht Wochen liegen zu lassen, weil er dann erst sein volles Aroma entfaltet.
Sind denn noch weitere Weine mit Ihrem Editions-Etikett geplant?
Ja. Wir starten jetzt mit dem Weißwein, und Ende des Jahres folgt dann ein Rotwein, ein Spätburgunder. Auch der wird dann per Hand gelesen und ganz in Ruhe ausgebaut. Es wird also Winter werden, ehe er im Handel ist.
INTERVIEW: ANGIE REINHARDT
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