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„Café Koko” hat echten Modellcharakter

Von ANDREAS HELFER, 18.04.08, 18:08h

Troisdorf - Hoher Besuch: Sabine Bätzing besuchte das "Café Koko" gegenüber dem Bahnhof. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, lobte die Arbeit in Troisdorf.

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Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
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Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Troisdorf - Wenn die Mitarbeiter des „Café Koko“ in nächster Zeit Besuch aus Marburg bekommen, dann dürfte dabei die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), ihre Finger im Spiel haben: Ihrer Ansicht nach sind der Kontaktladen der Drogenhilfe und der Drogenkonsumraum gegenüber dem Bahnhof etwas Besonderes. Im ländlichen Raum, so Bätzing, gebe es nur wenige Einrichtungen dieser Art, so dass die Troisdorfer durchaus Modellcharakter für eine kleinere Stadt wie das nordhessische Marburg bekommen könnte.

Bätzing wurde von einer großen Runde empfangen, darunter die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), die stellvertretende Landrätin Uta Gräfin Strachwitz und Jürgen Schweitzer, Geschäftsführer der Diakonie an Sieg und Rhein, sowie viele Gäste aus Politik und Stadt- sowie Kreisverwaltung. Schweitzer und Christoph Wolf, der Leiter der Drogenhilfe, betonten den hohen Wert des öffentlichen Netzwerks, der für ihre Arbeit nötig ist. Denn die Hilfe für Abhängige umfasse auch viele andere Problemlagen von Wohnungs- und Arbeitssuche bis zur Hilfe bei Aids und vor allem der Sorge um die Kinder von Suchtkranken.

„Das ist ein brisantes Thema. Es gibt nichts, worum man sich mehr kümmern muss“, so Wolf. Denn sobald seine Sozialarbeiter mit der Notlage eines Kindes konfrontiert würden, „müssen sie handeln und andere Stellen einschalten“. Dabei gebe es große Bemühungen von Drogenhilfe und Jugendämtern, sich noch besser zu vernetzten. Andererseits: „Manche behüten ihre Kinder wunderbar und rührend“, betonte Christoph Wolf.

Bätzing warb nachdrücklich für Diamorphin, das bei der Behandlung von Heroinsüchtigen derzeit in sieben Städten bei Modellprojekten zum Einsatz kommt, etwa in Bonn und Köln. Dabei handelt es sich um pharmazeutisch hergestelltes Heroin. Studien hätten belegt, dass die kontrollierte Verabreichung große Vorteile bringe: Unter anderem breche die Drogenszene weg einschließlich aller Begleiterscheinungen von Ladendiebstählen bis hin zu Gewaltdelikten.

„Darin Heroin auf Krankenschein zu sehen, ist falsch“, so Bätzing. „Das ist ein Medikament.“ Nach ihrer Darstellung kommt die flächendeckende Einführung des Präparates, für die der Bundestag das Betäubungsmittelgesetz ändern muss, nicht voran. Seit Februar 2006 werde das Thema diskutiert: Es gebe Unsicherheit, und die Patienten hingen in der Luft. Der Gesundheitsausschuss werde in den nächsten Tagen lediglich einen „Untätigkeitsbericht“ vorlegen.

Besonders wichtig ist Bätzing das Diamorphin auch, weil man damit Patienten versorgen könne, die man sonst, etwa durch die Gabe von Methadon, nicht erreiche. Sie fürchtet vor allem, dass den vorhandenen Modellprojekten bald die Luft ausgehen könnte. Im Falle Bonns bestätigt die Landtagsabgeordnete Renate Hendricks (SPD) den Erfolg des Projekts und bittet in einem offenen Brief den Landes-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, die Finanzierung durch das Land sicherzustellen. Wolf plädierte ebenso für die legale Heroingabe, auch weil der Stoff weniger Nebenwirkungen habe als Methadon. Im Vordergrund stehe aber nie ein Opiat oder eine Ersatzstoff, sondern immer die psychosoziale Betreuung. „Ich sehe das mit großer Sympathie“, sagte Elisabeth Winkelmeier-Becker auf die Frage, ob sie die Diamorphin-Einführung unterstützen würde.



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