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Großer Platz - kleine Lösung

Von ANDREAS DAMM UND CHRISTIAN HÜMMELER, 21.04.08, 22:04h, aktualisiert 22.04.08, 16:32h

Die Diskussion um den Breslauer Platz geht in die nächste Runde: Am Donnerstag beschäftigt sich der Rat mit der Gestaltung der Bahnhofs-Rückseite. Wie soll der Umbau aussehen - spektakulär oder pragmatisch?

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Ab 2010 sollen die Umbauarbeiten am Breslauer Platz beginnen.
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Ab 2010 sollen die Umbauarbeiten am Breslauer Platz beginnen.
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So soll der Breslauer Platz mal ausschauen.
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Spektakulär oder pragmatisch? Geht es um das künftige Gesicht des Breslauer Platzes, prallen im Rathaus höchst unterschiedliche Ansprüche aufeinander. Das wird am Donnerstag nicht anders sein, wenn der Rat über die Gestaltung des Platzes diskutiert. Die breite Mehrheit von CDU, SPD und Grünen hat sich in den Vorberatungen dem Grundgedanken des Baudezernenten Bernd Streitberger (CDU) angeschlossen. Er will das Kunibertsviertel an den Hauptbahnhof heranführen, so wie es früher war. Den von der FDP und zahlreichen Architekten geforderten städtebaulichen Glanz hat Streitberger für diesen Ort nicht vorgesehen. Vorrang hat die Verkehrsfunktion des Platzes. So soll hier außer Bürobauten ein neuer „gestalterisch ansprechender“ Busbahnhof errichtet werden.

U-Bahn-Arbeiten dauern bis 2010 an

Die U-Bahn-Arbeiten der Kölner Verkehrs-Betriebe werden noch mindestens bis 2010 dauern. Erst danach kann der Umbau des Breslauer Platzes beginnen. Nach Streitbergers Vorstellung soll das Musical-Zelt verschwinden, ein neues Musiktheater soll in Deutz gebaut werden. Das „Kommerz Hotel“, auf dessen Grundstück die Stadt keinen Zugriff hat, soll an seinem jetzigen Standort erhalten bleiben und sich in die sechsgeschossige Gebäudelandschaft einfügen. Östlich des Hotels soll ein Gebäude entstehen, das zum Rheinufer hin ausgerichtet ist. Die Tiefgarage unter dem Platz mit 400 Plätzen soll erhalten bleiben. Entlang der Gleise sind Taxi-Stände und Kurzzeitparkplätze „in ausreichender Zahl“ vorgesehen. Vom neuen Busbahnhof aus soll für Fußgänger und Radfahrer eine Rampe zur Hohenzollernbrücke gebaut werden.

Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD, Eva Bürgermeister, bezeichnete die Planung der Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Büro Büder + Menzel als „pragmatischen Entwurf“. Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz würdigte den gelungenen Versuch, „eine städtebauliche Wunde zu schließen“. Die CDU dagegen war unzufrieden. „Was uns die Stadt bisher präsentiert hat, entspricht nicht unserem Qualitätsbewusstsein“, sagte Fraktionsvize Karl Jürgen Klipper, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. Das Gelände sei eines „der letzten Filetstücke der Innenstadt“ - deshalb dürfe die Gestaltung nicht ohne bundesweiten städtebaulichen Wettbewerb erfolgen. Klipper fordert unter anderem, die Tunnelöffnungen unter der Hohenzollernbrücke und unterhalb des Bahnhofs durch eine Bebauung zu verdecken. FDP-Fraktionsvorsitzender Ralph Sterck geht in seiner Kritik noch weiter. Sein Urteil über den Entwurf der Verwaltung: glanzlos, der zentralen Lage einer Großstadt nicht angemessen.

Einbeziehung externer Fachleute

Es ist damit zu rechnen, dass der Rat auf Initiative der CDU einen stadtplanerischen „Workshop“ beschließen wird. Bei einem solchen Verfahren bezieht die Stadt externe Fachleute ein. In einem Diskussionsprozess sollen Entwürfe entstehen, über die eine Jury richtet. Grundlage der Überlegungen bleibt der Gedanke der Stadtreparatur; eine Rückkehr zur früheren Verbindung von Bahnhof und Kunibertsviertel.

Der Busbahnhof sei „in attraktiver Weise in der Planung zu konkretisieren“, lautet eine der Vorgaben. Zudem sollen bessere Fußgängerwege zum Rheinufer dargestellt werden. Was neu ist: Der Planungsauftrag umfasst vorsorglich den vom DFB in Aussicht gestellten Bau eines Fußballmuseums. Indes hält FDP-Politiker Sterck das Workshop-Verfahren für unzureichend. „Die sind geistig festgelegt und haben anscheinend schon ein spezielles Bild im Kopf“, kritisiert er Verwaltung und Ratsmehrheit. Er hätte sich gewünscht, „den Auftrag weiter zu fassen“, einen uneingeschränkten Wettstreit kreativer Ideen also. Seinen Zeitplan, das Genehmigungsverfahren bis 2010 abzuschließen, werde Streitberger ohnehin nicht einhalten können. Der Stadt drohe „ein Scherbenhaufen“.

Planungen in Köln brauchen viel Zeit

In Köln brauchen Planungen mitunter viel Zeit. Das zeigt das Beispiel Breslauer Platz. 1989 beschäftigte sich der Rat erstmals intensiv mit der Zukunft des Platzes. Er beauftragte die Verwaltung, ein Gesamtkonzept vorzulegen, das als „Grundlage für eine attraktive und zukunftsorientierte Umgestaltung“ dienen könne. 1992 kam es zu einem Architektenwettbewerb mit internationaler Besetzung. Als Hauptziele sah die Ausschreibung vor, die Barrierewirkung der Bundesbahnanlage zu beseitigen, die innere und äußere Erschließung des Bahnhofs zu verbessern, Eigelstein, Kunibertsviertel und den Rhein an den Platz anzuschließen - und den Platz selbst neu zu gestalten.

Das bis heute noch nicht erreichte Fernziel, den Bahnhofsvorplatz zum Dom hin völlig vom Individualverkehr zu befreien, spielte schon damals eine wesentliche Rolle: Klar war, dass die Erschließung des Bahnhofs allein von der Rückseite, also über Rheinuferstraße und Turiner Straße sowie über die dazwischen liegende Goldgasse und Maximinenstraße erfolgen sollte. Erstellt werden sollte, so die Vorgabe des Wettbewerbs, eine Bruttogeschossfläche von rund 50 000 Quadratmetern.

Als Sieger wurde nach einer weiteren Vertiefungsphase das Kölner Büro Büder + Menzel gekürt. Dessen Entwurf legte den Verkehr in weiten Teilen unter eine großzügige, vom Bahnhof bis über die Rheinuferstraße reichende Platte mit einer Treppe hinab zum Rhein. Neben dem Aufgang zur Hohenzollernbrücke war ein repräsentativer Rundbau vorgesehen, östlich davon ein 62 Meter hohes Turmhaus als Pendant zum Turm von Groß St. Martin.

Lebensdauer des „Musical Dome“ verlängert sich

Doch die Wettbewerbsergebnisse landeten zunächst in der Schublade. Schließlich plante man mittlerweile die Nord-Süd-U-Bahn. Dafür wird die Haltestelle unter dem Platz zur Zeit umgebaut. Außerdem war 1996 der „Musical Dome“ zwischen Busbahnhof und Rhein gelandet - ein temporäres Bauwerk, dessen Lebensdauer sich indes mehrfach verlängerte. Als 2004 die Umgestaltung des südlichen Bahnhofsvorplatzes samt Domtreppe begann, musste der Breslauer Platz noch mehr Verkehr aufnehmen.

Erst vor zwei Jahren kam wieder Bewegung in die Pläne: Im April 2006 teilte Baudezernent Bernd Streitberger (CDU) dem Stadtentwicklungsausschuss mit, dass sein Dezernat nun selbst die Planung übernehme. Man wolle allerdings das Büro Büder + Menzel beteiligen. Im Mai 2007 stellte Streitberger dann ein städtebauliches Konzept vor (siehe Grafik), das seitdem Grundlage der Planungen ist - und dessen Prinzip lautet: Fast alles bleibt, wie es ist. Der Entwurf (ein ähnliches Projekt war beim Vertiefungswettbewerb mit großer Mehrheit abgelehnt worden) sieht am jetzigen Platz des Musical-Domes eine Blockrandbebauung entlang der Goldgasse und der Verlängerung der Straße „Am Alten Ufer“ vor. Sie soll den - möglicherweise verkleinerten und, so der Wunsch der Verwaltung, in privater Regie geführten - Busbahnhof abschirmen. Das „Kommerz Hotel“ könnte in diese Bebauung integriert werden.

Dazu kommt ein zweiter, neuer Baublock zwischen der Verlängerung der Straße „Am Alten Ufer“ und der Rheinuferstraße. Die eigentliche Platzfläche reduziert sich, auch wegen der neuen U-Bahn-Zugänge, auf eine dreieckige, etwa 1800 Quadratmeter große Fläche vor dem Bahnhofsausgang. Die bisherigen Straßenführungen sollen samt des Kreisverkehrs vor dem „Kommerz Hotel“ beibehalten werden, neu ist lediglich eine Fußgängerrampe, die zum nördlichen Fußweg der Hohenzollernbrücke führt.

Keine Verlängerung des Rheinufertunnels geplant

Über die stark befahrene Rheinuferstraße dagegen soll auch künftig nur der bestehende Fußgängerüberweg führen. Eine Verlängerung des Rheinufertunnels lehnt der Baudezernent aus Kostengründen ab, die - schon im Siegerentwurf des ersten Wettbewerbs vorgesehene Platte über der Straße mit anschließender Treppenanlage zum Rhein komme aus städtebaulichen Gründen nicht in Frage: „Ich will keine weiteren Unterwelten bauen.“ Überhaupt sei er an dieser Stelle gegen einen spektakulären Städtebau, betonte der Baudezernent 2007 bei der Präsentation des Entwurfs im Stadtentwicklungsausschuss. Sein Ziel: „Hier muss ein harmonischer Übergang zwischen Kunibertsviertel und Breslauer Platz entstehen, der nur mit konventionellem Städtebau möglich ist.“

Das sieht der neue BDA-Vorsitzende Stefan Schmitz ganz anders: „Die bisherige Planung ist nicht der richtige Ansatz“, meint der Kölner Architekt. Vor allem das große Plus des Areals, die weite Blickbeziehung vom Bahnhof bis hinab zum Rhein müsse „inszeniert werden“. Dazu brauche man die im Ursprungswettbewerb vorgesehene, die Rheinuferstraße überdeckende Platte. Wenn es zu einem neuen Wettbewerb komme, dürfe der vorgelegte Entwurf nicht die Grundlage sein, so Schmitz: „Dann brauchen wir mehr Freiheit für die Wettbewerbsteilnehmer.“



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