Erstellt 27.04.08, 21:41h
Die Frage, warum Schindler vom Kollaborateur zum Retter der Juden wurde, bestimmt die kleine, aber informative Ausstellung. Hinzu kommt die Frage, warum er die Jahre von 1957 bis zu seinem Tod 1974 so gut wie unerkannt direkt am Frankfurter Hauptbahnhof gelebt hat. Warum hat sich die deutsche Öffentlichkeit so lange geweigert, Oskar Schindler als einen ihrer Großen anzuerkennen und zu ehren? Genau genommen bis 1993, bis Spielbergs „Schindlers Liste“ weltweiten Erfolg feierte und sieben Oscars erhielt.
Sozusagen entdeckt wurde Oskar Schindler vom Frankfurter Jugendpfarrer Dieter Trautwein, der Namen und Wohnort bei einem Besuch im Yad Vashem herausfand. Aber Trautweins Bemühungen, Schindler ins Gespräch zu bringen, scheiterten. Nach der Podiumsdiskussion am 25. Mai 1967 zum Evangelischen Jugendkirchentag in Frankfurt an der Seite des extra aus Beverly Hills eingeflogenen Geretteten Leopold Page versiegte das Interesse wieder.
Erst 1997 kamen mit dem spektakulären Kofferfund in Hildesheim neue Erkenntnisse über Schindler ans Tageslicht. Hunderte von Briefen, Versicherungspolicen, Fotos, Lageplänen von Fabriken, Listen mit Namen - die eine berühmte Liste gibt es als solche gar nicht, dafür zahlreiche, immer wieder neu getippte Listen, die zur Umsiedlung und Rettung von Juden in Schindlers eigene Barackensiedlungen erstellt wurden. (mfv)
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