Von LAURA CORNELIUS, 18.04.08, 07:26h, aktualisiert 18.04.08, 08:23h
Um Gottes Gefühle nicht zu verletzen, sehen ultraorthodoxe Juden nicht fern. So weit, so logisch. So weit, so unpraktisch. Denn neben den Ultraorthodoxen leben mehrheitlich säkulare Juden in Israel. Zwar treffen beide Gruppen fast nie zusammen. Doch im Flugzeug kommt es prompt zu Interessenkonflikten. Während die meisten Passagiere gern das Bordkino nutzen, sorgte jetzt ein ultraorthodoxer Jude auf einem Flug der israelischen Gesellschaft "El Al" in die Ukraine für Aufregung. Sobald die Fernseher über den Sitzen aufklappten, schrie er auf und versuchte, die Bildschirme zurückzudrücken und die Filmvorführung zu verhindern. Augenzeugen beschrieben die Szene als beängstigend.
LESERKOMMENTARE: Religös oder fanatisch?
"El Al" hat solche Probleme öfter. 2002 musste eine Maschine umkehren, weil ein Mann versuchte, sich in Plastiktüten einzuwickeln. Sein Rabbiner hatte gepredigt, man werde unrein, sobald man über einen Friedhof fliegt. Schutz biete nur eine Plastikabdeckung. Eigentlich nimmt El Al viel Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Fluggäste beziehungsweise darauf, dass die Fluggäste Rücksicht auf Gott nehmen. Wie Vielflieger berichten, sind Stewardessen darin geübt, auf jedem Flug etliche Passagiere umzusetzen, weil sich ein ultraorthodoxer Jude etwa weigert, neben ei- ner fremden Frau zu sitzen. Außerdem gibt es an Bord nur koscheres Essen, und am Sabbat bleibt die El-Al-Flotte am Boden. Während eines Flughafen-Streiks 2006 hatte die Airline das Verbot einmal umgangen und einige Flugzeuge starten lassen. Schlechte Idee: Mehrere Rabbiner riefen zum El-Al-Boykott auf, was zu Umsatzeinbußen von 200 000 Euro am Tag führte. Jetzt fliegt El Al am Sabbat nur noch, wenn es lebensnotwendig ist.
Wegen des Bordkinos kam es übrigens noch nicht zu Boykott-Aufrufen. Wahrscheinlich sieht selbst die Mehrheit der ultraorthodoxen Juden in Brad Pitt keinen Rivalen für den Herrn.
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