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Der Mogel-Maibaum

Von ANGELA SOMMERSBERG, 30.04.08, 21:03h

Projekt Maibaum. Alle Jahre wieder - eigentlich. Doch dieses Jahr ist alles anders. Denn es ist rheinischer Brauch, dass in Schaltjahren die Frauen ihren Angebeteten den Maibaum setzen. Angela Sommersberg hat sich ans Werk gemacht.

Projekt Maibaum. Alle Jahre wieder. Erst sah ich den Wald vor lauter Birken nicht mehr, hatte mich verirrt zwischen gemaserten Stämmen und grün knospenden Zweigen. Wie hat so ein Baum in den vergangenen Jahren bloß den Weg auf meinen Balkon gefunden? Meine Freundinnen und ich haben lange über diese Frage diskutiert. Denn dummerweise ist es rheinische Tradition, dass die Frauen ihren Angebeteten im Schaltjahr den Maibaum setzen. Also vergangene Nacht.

Anfangs dachten wir noch, dass es lustig werden würde. Doch umso konkreter, desto komplizierter wurde die Idee. Denn: Woher bekommt man die schweren Dinger überhaupt? Wie transportiert man sie – am besten ungesehen? Und wie verhindert man, dass sie – endlich an Ort und Stelle – wieder geklaut werden? Vielleicht doch lieber ein Maiherz? Nein, zu kitschig.

Wir fanden schließlich heraus, dass man so einen Baum auch kaufen kann. Obwohl wir eher einen Zweig wollten, damit wir nicht allzu schwer tragen mussten. Blieb das Zeitproblem. Vor fünf Uhr morgens sollten solche Leichtgewichte nämlich nicht aus den Augen gelassen werden. Man muss sie bewachen. Schließlich werden Mini-Exemplare gerne geklaut. Die Müdigkeit der vergangenen Mainacht liegt immer noch schwer auf meinen Augenlidern. Denn vor zwei Tagen hatte ich plötzlich eine Vision. Der Wald lichtete sich, und ich sah sie vor mir: Eine Fünf-Meter-Birke vor dem Haus meines Freundes. An ihrer Seite zwei Männer, die sie mit Kabelbindern festzurrten. Ich hatte nämlich im Internet ein „Maibaumtaxi“ entdeckt, das auf Bestellung geschmückte Bäume an hiesige Wunschadressen liefert. Für 35 bis 140 Euro.

Wie, Sie finden, dass das ein Mogelbaum ist? Ja, aber ich werde das einfach nicht verraten. Und heute, am Mai-Morgen, tue ich so, als sei ich extrem erschöpft. Vom Wuchten des riesigen Liebesbeweises.



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