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Der kluge Mann lässt setzen

Von SUSANNE HENGESBACH, 30.04.08, 22:05h, aktualisiert 01.05.08, 09:08h

Einst war der „Postillon d'Amour“ mit dem Pferdefuhrwerk unterwegs. Zeitgemäße Liebesboten rollen nun nächtens mit einem Kleintransporter an. Das „Maibaum-Taxi” wird erstmals auch von Frauen gebucht.

Bild: Rakocz
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Reihenweise Liebesbeweise
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Reihenweise Liebesbeweise
„Verliebte Jungs sind einfach nicht zu fassen“, heißt es in einer Liedzeile bei Purple Schulz, die jedoch aus einer Ära stammt, als selbst ungelenke Kerls zu waghalsigen Fassaden-Kletterern wurden, wenn es darum ging, der Angebeteten in der ersten Mainacht einen langstieligen Liebesbeweis zu liefern. Heute indes kann selbst der Couch-Potatoe punkten, ohne sich selber die Hände schmutzig machen zu müssen. In Zeiten, in denen nicht nur Pizzen und Pommes frei Haus geliefert werden, wäre es gewiss verwunderlich, wenn nicht auch das Fällen, Dekorieren, Transportieren und Aufstellen von Maibäumen diskret, pünktlich und zuverlässig durch Dritte erledigt würde. Das „Maibaum-Taxi“ - ein Komplett-Service für lahme Verliebte?

Logistische Probleme

„Nein, nein!“, wehrt Marion Wigand die Unterstellung entschieden ab. Es sei vielmehr so, dass sich ihre Auftraggeber richtig viele Gedanken machten, damit die Überraschung gelänge, sagt die Service-Anbieterin. Gemeinsam mit der Liebsten in den Mai zu tanzen und zugleich einen Baum zu setzen, sei schon logistisch schwierig, weshalb das Angebot der Fremdlieferung wachsenden Zuspruch finde.

In diesem Jahr war das zur Verfügung stehende Baumkontingent in einem Longericher Birkenwald schon so zeitig veräußert, dass am gestrigen Mittwoch - im Gegensatz zu den Vorjahren - nicht einmal mehr Last-minute-Bestellungen möglich waren. „Aus Irland, Spanien - ja, selbst aus Australien hatten wir Aufträge“, berichtet Wigand. Sie hatte die Idee des Maibaum-Taxis von Krefelder Studenten aufgegriffen, die jedoch nur ein Jahr im Geschäft blieben. „Deren Bäume sind vertrocknet, weil die zu früh abgeschlagen wurden.“

EXTRA: Liebe, Glück und Partnerschaft

Die Gefahr, dass die Birken bereits saftlos wirken, bevor sie standesgemäß am Regenfallrohr befestigt sind, besteht in Köln nicht. Deshalb hatte der Maibaum-Helfertrupp am Mittwoch auch alle Hände voll zu tun, bevor gegen 18 Uhr die gemieteten fünf Kleintransporter am Wäldchen hielten, um jeweils 15 bis 20 der geschmückten Exemplare einzuladen und im Laufe der Nacht im gesamten Stadtgebiet auszuliefern. Hunderte von Metern an buntem Krepp-Papier mussten dekorativ um die Äste geschlungen und dann das handbemalte, hölzerne Herz mit dem Namen der Gruß-Adressatin drapiert werden, das der Birke sozusagen die Krone aufsetzt. So war es zumindest bisher.

Den Spieß umgedreht

In diesem Jahr erhält nun erstmals auch der vom Brauchtum bis dato vernachlässigte Mann einstämmige Zuwendung. Seitdem der Ruf laut wurde, im Zuge der Gleichberechtigung doch wenigstens in Schaltjahren den Spieß umzudrehen, kann der emanzipierte Kerl die Hände in den Schoß legen und das Weib werkeln lassen. „Stimmt, etwa ein Drittel unserer Auftraggeber sind Frauen“, bestätigt Wigand, die „mächtig gespannt“ ist, ob sich die Herren bald „das Heft komplett aus der Hand nehmen lassen“. Die eine oder andere Kundin habe jedenfalls ausdrücklich ein besonders langes Exemplar verlangt, um den Liebsten baumtechnisch zu übertrumpfen. Das hat sie sich natürlich auch was kosten lassen, da der Komplett-Service inklusive Baummontur 99 Euro kostet. Echte Romantiker mit kleinem Geldbeutel konnten in den ersten Minuten des Wonnemonats zum Preis von 35 Euro aber noch ein paar undekorierte Fünf-Meter-Exemplare auf dem Rathenauplatz erwerben. Romantikerinnen selbstredend auch.



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